
An der Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz wurde an das Novemberpogrom und an die Opfer des Nationalsozialismus. Foto: Gogol
Vor 75 Jahren brannten in Berlin Synagogen, Geschäfte und Wohnungen jüdischen Einwohner wurden zerstört und geplündert – auch in Steglitz-Zehlendorf. Mit einer Gedenkveranstaltungen erinnerten am Sonntagnachmittag Bezirk und Kirchengemeinden vor der Steglitz Spiegelwand an die Opfer aber auch an die Täter.
Was in jener Nacht geschehen sei, sei Unrecht gewesen, betonte Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) in seiner Rede, und „erfüllt uns bis heute mit Trauer, Entsetzen und Scham“. Das Pogrom habe in aller Öffentlichkeit stattgefunden. „Ein brennendes Gotteshaus kann keiner übersehen“, sagte er.
Bereits vor jener Nacht im November vor 75 Jahren seien Juden schikaniert worden, doch die Pogromnacht sei eine „brutale Eskalation“ gewesen, eine „Final – es wies auf den kommenden Holocaust“. Das betonte auch der Historiker Dieter Fitterling, der den Begriff „Pogromnacht“ als falsch und irreführend ablehnt. „Es war kein Ein-Tages-Ereignis“, so Fitterling, der auf die zahlreichen Einschränkungen und Schikanen, mit denen die jüdischen Mitbürger seit 1933 zu kämpfen hatten, hinwies. Dies sei eine „sorgfältig vorbereitete Änderung der Gesellschaftsordnung“ gewesen, um den „Rassismus in der deutschen Gesellschaft zu verankern“. Das Novemberpogrom sei dann der „Dammbruch in der bürgerlichen Gesellschaft Deutschlands“ gewesen und die Voraussetzung für den Massenmord.
Das Unrecht, das im Nationalsozialismus geschehen sei, sei „ein Stachel im Fleisch unserer Geschichte“, so Kopp. Dies müsse aufgearbeitet werden.
Dass heute wieder Juden in Deutschland lebten sei nicht nur ein Vertrauensbeweis, sondern ein Vertrauensvorschuss, so Kopp. Dieser verpflichte, gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung zu kämpfen und Nazis entgegenzutreten. Dem „Ungeist“ müsse man die Werte einer toleranten und demokratischen Gesellschaft entgegenstellen.
Lala Süsskind, die Vorsitzende des jüdischen Forums, sagte, dass sie sich – nach all dem, was geschehen ist, die Frage stelle, ob sie als Jüdin in Berlin richtig sei. Die Antwort habe sie in Israel gefunden: „Berlin ist meins“. Doch die neuen Entwicklungen hier machten sie wütend. Der Antisemitismus sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die alten Nazis würden zwar verschwinden, aber neue wachsen nach. Aber Süsskind bat in ihrer Rede auch um etwas: Nicht nur an die ermordeten und geschändeten Juden zu denken. „Es geht nicht nur um die Juden“, sagte sie und erinnerte daran, dass unter anderem noch immer homosexuelle Menschen diskriminiert werden und forderte die zahlreichen Zuhörer zu mehr Zivilcourage auf. „Wir müssen unsere Demokratie verteidigen“. Fitterling sprach von einem „Antisemitismus der nächsten Generation“ – und fragte sich, ob wir auch wieder Zuschauer sein werden.
Am Rande der Gedenkveranstaltung demonstrierten zwei Männer mit dem Zitat „Die Juden sind unser Unglück“ von Heinrich von Treitscke für eine Umbenennung der Treitschkestraße in Steglitz. Sie wurden von der Polizei des Platzes verwiesen.
Nach dem jüdischen Totengebet „El male rachamim“ und dem Kaddish ging es weiter zum zum ehemaligen Jüdischen Blindenheim und anschließend zum Gottesdienst in die Matthäus-Kirche.
(go)












Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Damit auch alles glatt läuft für die Radfahrer, wurde jetzt das Kopfsteinpflaster abgefräst.
Vor gut einem halben Jahr wurde auf dem Tietzenweg zwischen Unter den Eichen und Gardeschützenweg die Fahrradstraße fertiggestellt. Hier haben Radfahrer Vorrang, Kraftfahrzeuge werden als Anlieger weiterhin zugelassen. Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen nebeneinander fahren, für alle gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung auf maximal 30 km/h. Ausnahmen gelten für Müllfahrzeuge, Rettungswagen sowie für Polizei und Feuerwehr.
Eine Weiterführung der Vorrangstraße für Radfahrer ist ab dem Gardeschützenweg perspektivisch bis zum Hindenburgdamm vorgesehen. Damit Radfahrer in Richtung Augustastraße weiter komfortabel unterwegs sein können, wird derzeit das Kopfsteinpflaster geglättet. Zunächst hat sich die große Maschine durch den Tietzenweg zwischen Gardeschützenweg und Viktoriastraße gescheppert. Derzeit wird das nächste Teilstück bis zur Augustastraße fertiggestellt.
Im Zuge dessen wird die Kreuzung Tietzenweg/Sophienstraße/Viktoriastraße asphaltiert und barrierefrei ausgebaut. Gehwegvorstreckungen sollen die Wegebeziehungen verbessern und Übergänge sicherer machen.
Die Kosten für die bisherigen Maßnahmen liegen bei rund 800.000 Euro. Nach Angaben des zuständigen Stadtrats Urban Aykal (Grüne) wurden für den ersten Abschnitt 155.000 Euro ausgegeben. Für den zweiten Teil werden insgesamt 650.000 Euro fällig, davon alleine 300.000 Euro für das Abfräsen des Pflasters.
[caption id="attachment_104237" align="aligncenter" width="622"]
Frisch gefrästes Kopfsteinpflaster: eben und mit kleinen Rillen. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In einem dritten Abschnitt soll im nächsten Jahr der dritte Bauabschnitt bis zum Hindenburgdamm fertiggestellt werden. Das Ziel ist es, so Stadtrat Aykal, „eine sichere Radverbindung von Lankwitz und Lichterfelde zur FU und zur City West zu schaffen“. Auch vor dem Hintergrund, dass an der Drakestraße aufgrund der geringen Breite kein Radweg angelegt werden könne, sei das „sehr wichtig“.
Als Urban Aykal die Ideen im Juni vergangenen Jahres erstmals im Rahmen des Runden Tisches vorstellte, sprach er von einem „Campus Lichterfelde West“. Gemeint sind verkehrliche Maßnahmen für die dortigen 10 Schulen und zahlreichen Kitas mit ihren rund 10.000 Kindern und Jugendlichen.
Der Tietzenweg, der Teil des Berliner