
Kitaleiterin Susanne Heuer (links) und Cheburashka-Gründerin Natalia Seydel haben selbst viel Spaß in der neuen Kita. Fotos: Gogol
„Adagio“ das heißt in der klassischen Musik „langsam und ruhig“. Langsam und ruhig wird es in der gleichnamigen Kita in der Zehlendorfer Forststraße 2-4 wohl kaum zugehen. Denn Musik steht dort im Mittelpunkt.
Am 2. April eröffnete die Cheburashka gGmbH ihre mittlerweile achte Kita in Berlin. Gegründet wurden die Chebruashka-Kitas von der Diplom-Pädagogin und -Soziologin Natalia Seydel. Inspiriert wurde sie durch eine in Russland sehr bekannte und beliebte Märchen-/Phantasiefigur.
Im Mittelpunkt der bisherigen Cheburashka-Kitas stand die bilinguale Sprachförderung (deutsch-russisch beziehungsweise deutsch-englisch). Die Zweisprachigkeit der Kita „Adagio“ heißt „Deutsch-Musik/Bewegung“, sagt Kitaleiterin Susanne Heuer. Sie hat bereits zwei Cheburashka-Kitas aufgebaut und geleitet. Nun wurde ihr die größte Kita der Cheburashka-Familie anvertraut.
Eine Musik-Kita sei ihr großer Traum gewesen, erzählt Seydel. Es hätten aber die passenden Räumlichkeiten gefehlt, denn so eine Musik-Kita braucht Platz. So war sie sofort begeistert, als sich die Möglichkeit ergab, in dem einstigen Telekom-Gebäude eine Kita zu errichten.
Statt Telefonen gibt es in der Kita jede Menge Musikinstrumente: Trommeln, Rasseln, Xylophone, Klanghölzer, Panflöten … Selbst auf den langen Fluren kommen die Kinder in Versuchung, die zahlreichen Klangspielwände und Wandapplikationen auszuprobieren – und nicht nur für Kinder sind diese verlockend.
Natürlich arbeitet die Kita nach dem Berliner Bildungsprogramm. Die Besonderheit ist jedoch, dass sich in allen Bereichen das Thema „Musik“ wiederfindet – egal ob Kunst, mathematisches Grundverständnis, Sprachförderung, Naturwissenschaft oder Umwelterfahrung. Schon der Morgenkreis beginne musikalisch, erklärt Heuer.
Die Kita zeichnet sich durch ein spezielles Musikangebot aus. Neben den offenen Musikangeboten wird es auch gezielte beziehungsweise intensive Musikangebote geben. Angelehnt sind diese an ein sogenanntes Instrumentenkarussell, das dem einen oder anderen aus dem Bereich der Musikschule bekannt sein dürfte. Hier haben die Kinder die Möglichkeit unterschiedlichste Schlag-, Zupf-, Blas- und Tasteninstrumente kennenzulernen und auszuprobieren. Um den Kindern die Möglichkeit zu geben, ein Instrument zu erlernen, ist eine Kooperation mit der Zehlendorfer Musikschule angestrebt.
Neben Musik spielt aber auch Bewegung eine große Rolle. So gibt es unter anderem einen großen Ballett- und Bewegungsraum. Die Kita kooperiert mit der Ballettschule Carola Vogl, die kreativen Kindertanz und für Interessierte Ballett anbietet. Zudem gibt es eine Kletterwand und ein großes Außengelände, auf dem die Kinder nach Herzenslust toben und spielen können.
Es ist berlinweit die zweite Musik-Kita. Nur die Staatsoper bietet noch eine solche an, weiß Seydel.
Die Kita wird zudem nach den Kriterien des „Berliner Landesprogramms Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita“ aufgebaut, das bisher nur in den Innenstadtbezirken ausgeschrieben ist. Neben Bildung und Bewegung findet hier das Thema „Ernährung“ große Beachtung – so auch in der Kita „Adagio“.
Gekocht wird vor Ort. Die Kita verfügt über eine eigene Kochküche mit Koch und Küchenpersonal. Großen Wert wird auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung gelegt – natürlich in Bio-Qualität. Die ersten Kontakte zu Bauern aus der Region wurden bereits aufgenommen. Denn der regionale Bezug nimmt im Kontext der gesunden Ernährung einen ebenso hohen Stellenwert ein. Für die Zukunft sind auch Besuche der Kinder auf den Höfen geplant, so lernen die Kinder, dass die Milch nicht aus dem Kühlregal stammt. Zudem können die Knirpse im eigenen Kita-Garten ihr eigenes Gemüse anbauen – die ersten Möhren und Radieschen wurden bereits gesät.
Die Kita bietet Platz für bis zu 150 Kinder zwischen einem Jahr und dem Schulbeginn. Betreut werden sie von bis zu 30 ErzieherInnen, Musikpädagogen und -therapeuten. Wer Interesse hat, seinem Kind, diese musikalische Erziehung zukommen zu lassen, kann sich telefonisch unter der Nummer (030) 12 02 63 61, oder formlos per E-Mail, adagio@kitacheburashka.de, an Susanne Heuer wenden.












Foto (bearbeitet): Daniela von Treuenfels[/caption]
Die Stadträtin stoppte eine Kinderbuch-Lesung, es folgte der Vorwurf der Zensur. Junge Leute trafen sich zum Protest, der mit einem Eklat endete.
Daniel Eliasson ist ein bisschen stolz – er hat den Anlass dafür geschaffen, dass sich an einem warmen Spätsommertag mehrheitlich junge Menschen auf dem Hermann-Ehlers-Platz versammeln, um friedlich gegen eine Entscheidung der Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandi (CDU) zu demonstrieren. Als Bezirksverordneter nahm Eliasson Einsicht in die Akten, die aufzeigen, wie es zu bestimmten Entscheidungen der Stadträtin kam. „Ich habe das dann der Morgenpost gegeben“, sagt der Grünen-Politiker – wie man das halt so macht, wenn man ein Thema platzieren will.
Dass Eliasson wenige Minuten später das Mikrofon abgestellt wird und die beiden Versammlungsleiterinnen ihn mit Hilfe der Polizei zum Schweigen bringen werden, weiß der Kandidat für das Abgeordnetenhaus in diesem Moment noch nicht.
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Während er noch spricht, wird dem Grünen-Politiker Daniel Eliasson das Mikro abgedreht. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Aber der Reihe nach.
Zu Jahresbeginn plante die Stadtbibliothek zwei „interaktive Drag Performance Lesungen für Kinder“, die im Herbst stattfinden sollten. Dem Leiter des Fachbereichs war bewusst, „dass diese Art der Leseförderung diskutabel ist und sicherlich auch polarisiert“. So schrieb er es in einer Mail an seine Vorgesetzte Sijbrandij, die er angesichts der „Auswirkungen des letzten Drag-Auftritts“ einbinden wollte.
Hintergrund der Vorsicht sind Ereignisse rund um Drag-Künstlerinnen, die zufällig zeitlich nahezu parallel stattfanden und teilweise ein großes öffentliches Interesse hervorriefen. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka wegen des Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wird. Dabei kam auch an die Öffentlichkeit, dass die seit 20 Jahren aktive Dragqueen bereits drei Jahre zuvor wegen Verbreitens pornografischer Schriften vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte im Berliner Südwesten die Tatsache, dass Jurassica Parka im August 2024 Teil des Drag-Festivals „Queens & Flowers“ im Botanischen Garten war. Die Veranstaltung beinhaltete ein Familienprogramm und eine Vorlesestunde mit Dragqueens, in das Parka jedoch nicht eingebunden war.
Im Auge des Orkans fand sich am 24. Oktober 2025 die Drag-Lesung "Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt" in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek. Eingeladen waren Kinder ab vier Jahren. "Die zauberhafte Königin Vicky Voyage und der sagenumwobene König Eric erzählen euch Märchen von Liebe und Toleranz", hieß es in der Ankündigung. "Taucht ein in farbenfrohe und magische Welten!"
Mitten im Sturm: Malgorzata Sijbrandij. Die 45jährige Juristin hatte ihr Amt erst am 15. Oktober angetreten.
Gefragt nach einer Wiederholung reagierte die Stadträtin ablehnend, ihre Haltung begründete sie ausführlich. „Schon bei der Drag-Lesung im letzten Jahr hat mich das Format nicht vollends überzeugt“, so die Dezernentin. Zudem trete die Künstlerin unter dem Namen „King Alexander the Dick“ auf, woran sich Kritiker stören könnten. Die Veranstaltung diene nicht vornehmlich der Leseförderung. Und angesichts der zu erwartenden „polarisierenden Begleitung“ sollten Kinder vor politischer Instrumentalisierung geschützt werden.
Die Korrespondenz der Dezernentin mit der Bibliotheksleitung ist mittlerweile öffentlich auf dem Portal „Frag den Staat“ einsehbar. Die Initiative setzt sich ein für transparentes staatliches Handeln und hilft Bürgerinnen und Bürgern bei Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz.
Das funktioniert nicht immer. Manchmal verweigern Behörden die Auskunft, manchmal mit fadenscheinigen Begründungen wie zu hoher Arbeitsbelastung. Teilweise werden auch hohe Gebühren verlangt, die abschreckend wirken (sollen). Insofern ist die
Die Regenbogenflagge weht über dem Hermann-Ehlers-Platz. Gegenüber befindet sich das Rathaus Steglitz und das Einkaufscenter "Das Schloss", in dem auch die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ihren Sitz hat. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Auf dem Hermann-Ehlers-Platz hat am 31. August niemand Anteilnahme für eine Amtschefin, die im vergangenen Oktober erlebte, wie eine mediale Welle ihren Schreibtisch anzündete, an dem sie sich gerade einarbeitete. Im Gegenteil – einer der Vorwürfe lautet: Mit ihrer pauschalen Ablehnung stelle Malgorzata Sijbrandij die Dragszene unter Generalverdacht.
„Drag hat nichts mit Sexualität, Kink oder anderen für Kinder ungeeignete Themen zu tun“, sagt Drag Quing Cynna Moon, Quing ist eine Kombination aus Queen und King. Cynna Moon verortet sich also irgendwo zwischen den Geschlechtern, nutzt neutrale Pronomen und ist Sozialarbeiti:. Drag bedeute, sagt Moon, „mutig zu sich selbst zu stehen, und Menschen mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen.“ Es sei „unsere Pflicht, Kinder mit Lebensrealitäten in Kontakt zu bringen, die vielleicht nicht ihre eigenen sind. Menschen anderer Herkunft, anderer Klasse, anderer körperlicher und geistiger Fähigkeiten – und eben auch Menschen verschiedener Sexualitäten, Genderidentitäten und Geschlechtsausdrücken.“ Moons kleine Performance findet Beifall unter den rund 50 Demoteilnehmern.
Franzi Groß von der Grünen Jugend sagt, Bibliotheken sollten auch queeren Jugendlichen einen sicheren Raum bieten: „Bibliotheken sollten für ihre Benutzer*innen einen Safe Space darstellen. Das kulturelle Angebot, das sie bieten sollte so vielfältig sein wie ihre Besucher*innen. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir den Bibliotheken es nicht mehr selbst überlassen zu entscheiden, welche Veranstaltungen sie für angemessen halten?“
Mitglieder der linken Gruppierung "Pride Rebellion" sind unter den Teilnehmern der Demonstration. Niemand stört sich an ihrer Anwesenheit. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In all der Aufregung blieb die Anwesenheit einer antisemitischen queeren Gruppe unbemerkt oder geduldet, in jedem Fall jedoch unkommentiert. „Pride Rebellion“ engagiert sich gegen „Gewalt und Leugnung gegen LGBTI+ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche Personen)“. Im „Kampf gegen Heterosexismus“ müsse man sich zusammentun und verteidigen „gegen das System, das uns unterdrückt“.
„Als Pride Rebellion organisieren wir uns explizit unter jungen LGBTI+ Personen“, heißt es auf der Webseite. Die „Befreiung“ sei im Kapitalismus nicht möglich, daher brauche es den Klassenkampf und die „soziale Revolution“.
Pride Rebellion ist eine Gründung von „Young Struggle“ (YS), die seit 2010 bestehende international agierende Jugendorganisation der türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP), die in der Türkei verboten ist (