Veranstaltungen im August 2026
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14. August 2026(1 Veranstaltung) 10. August 2026 – 29. August 2026 Forum Steglitz |
15. August 2026(5 Veranstaltungen) 10. August 2026 – 29. August 2026 Forum Steglitz 15. August 2026 – –
Potsdamer Straße 52-54 Ecke Teltower Damm 2 Berlin, Zehlendorf 14163 Berlin +4915161026532 |
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17. August 2026(1 Veranstaltung) 10. August 2026 – 29. August 2026 Forum Steglitz |
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19. August 2026(1 Veranstaltung) 10. August 2026 – 29. August 2026 Forum Steglitz |
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26. August 2026(2 Veranstaltungen) 10. August 2026 – 29. August 2026 Forum Steglitz |
27. August 2026(1 Veranstaltung) 10. August 2026 – 29. August 2026 Forum Steglitz |
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5. September 2026(3 Veranstaltungen) 5. September 2026 – Schwartzsche Villa |
6. September 2026(1 Veranstaltung)
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Isabel Glathar Komposition XI 2019, Acryl auf Aludibond 100x100 cm | ©I. Glathar[/caption]
In der Petruskirche am Oberhofer Platz ist derzeit die Ausstellung „Rhythmus-Raum-Farbe“ mit Werken der Künstlerin Isabel Glathar zu sehen.
Zur Vernissage sprach Ulrike Meyer.
Wir veröffentlichen die Laudatio im Wortlaut:
Isabel Glathars Bilder strahlen Ruhe aus, beeindrucken durch ihre Klarheit und zeichnen sich durch eine verblüffende Präzision aus. Es sind im ersten Moment diese Eigenschaften, die uns in den Bann ziehen, die uns motivieren, uns auf die Bilder einzulassen, auf diese Kompositionen, die sich wie geometrische Landschaften auf der Leinwand ergießen. Basis für diese Wirkung ist das kreative, professionelle und variationsreiche Spiel mit der Linie, welchesdie Künstlerin perfekt beherrscht.,
Das wesentliche ästhetische Gestaltungselement bei Isabel Glathar ist also die Linie.
Mit ihr gestaltet sie geometrische Formen, komponiert mit ihr mehrdimensionale Räume und rhythmische Strukturen – die durch den bewussten Einsatz der Farben verstärkt werden beziehungsweise durch die Farben eine zusätzliche Vitalität und Dynamik erhalten. Mit den Arbeiten von Isabel Glathar befinden wir uns inmitten der Welt der Konkreten Malerei. Eine Stilrichtung, die Anfang der 20er Jahre ihren Anfang nahm, und der eine strengegeometrische Gesetzmäßigkeit zugrunde liegt. Es ist ein Malstil ohne jegliche symbolische Bedeutung, ohne realistischen Bezug.
Einer der wichtigsten Wegbereiter der Konkreten Malerei war der Maler, Architekt und Designer Max Bill, der sagte „konkrete kunst nennen wir jene kunstwerke, die aufgrund ihrer ureigenen mittel und gesetzmässigkeiten (...) entstanden sind“ - also nach den Regeln der Mathematik und der Geometrie. Und somit ist für Max Bill die „konkrete kunst (...) in ihrer eigenart selbständig. sie ist der ausdruck des menschlichen geistes“ (Quelle: Max Bill: konkrete kunst, in: Ausstellungskatalog Zürcher Konkrete Kunst, 1949). Max Bill findet an dieser Stelle Erwähnung, weil er richtungsweisend für die malerische Entwicklung von Isabel Glathar war. Ebenso maßgeblich ist die noch lebende britische Malerin Bridget Riley mit ihrer Bilderreihe Paen von 1973.
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Besucherin vor Isabel Glathars Werken LINIO V 2021 und LINIO VI 2021, Acryl auf Leinwand, 100x100cm | ©Anja van Kampen[/caption]
Glathars Bilderzyklus Linio aus dem Jahr 1921, ausgestellt sind die Exemplare V und VI, ist eine Reminiszenz an die britische Künstlerin. Auch Isabel Glathars Bilderzyklus Linio zeigt eine Reihung von vertikalen, stabilen Linien. Doch durch die unterschiedliche Breite der Streifen, in zarten bis kräftigen Farben, entsteht ein ständiger, spielerischer Wechsel von Raum, Leerraum und Zwischenraum. Manche Linie treten hervor, können leichter fokussiert werden, andere verlieren sich in der Tiefe - das Auge fixiert das vertikale Angebot als Ganzes oder in Teilen.
In der älteren Serie Twist zeigt Glathar ebenfalls einen äußerst subtilen Umgang mit der Linienführung und dem Einsatz der Farbe. Bei Noisy Twisted I/2013 schweben geschichtete, kleine Parallelogramme in Grün-, Blau- und Rottönen diagonal auf schwarzem Grund, angeordnet in exaktem Rhythmus wie digitale Leuchtsignale. Gegenläufig dazu, wie eine optische Täuschung, unterbrechen die schräg verlaufenden schwarzen Linien den gleichmäßigen Rhythmus, ohne jedoch die Ordnung zu stören. Zu diesem dunkleren Bild ist NOISY TWISTED XXI/2019 das lichte Pendant, auf scheinbar weiß-grauem Grund strahlen Blau, Grün und Türkis, alle Farben gleiten in gleichgroßen Parallelogrammen durch den Bildraum. Sie sind durch Schichtungen und Überlagerungen so angeordnet, dass im Bild noch zusätzlich eine Dreiecks-Welle entsteht, ähnlich wie ein Zickzack-Melodiemuster.
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Isabel Glathar, TWIST XIII 2012, Acryl auf MDF, 80x80 cm | ©Anja van Kampen[/caption]
TWIST XIII/2012 ist ein äußerst kunstfertiges Geflecht, bei dem die Linien unterschiedlich große, spitz verlaufende Dreiecke bilden und so ein polymetrischer Klangteppich entsteht, der durch eine klare Konzentration der Farbschichten getragen wird. Und unter allem schimmert die geometrische Grundform des Quadrats hervor, es schwebt scheinbar von oben rechts in das Bild hinein – oder schwebt es hinaus? In TWIST XXVI/2013 erinnern die geometrischen Formen an digitale Musikimpulse, die diagonal in scheinbar hohem Tempo über die Leinwand fliegen. Das teilweise lichte Blau unterstützt als „transparente Töne“ die hohe Dynamik des Klangs im Bild. Der Zyklus Twist ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie variationsreich sich die Künstlerin Glathar mit ihren Themen und Motiven auseinandersetzt, mit ihren Farbräumen immer wieder verschiedene Rhythmen kreiert und die Linien immer wieder aufs Neue dreht, wendet oder verdreht.
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Besucherin vor Isabel Glathars Werk KOMPOSITION XI 2019 Acryl auf MDF, 80x80 cm | ©Anja van Kampen[/caption]
Strahlend in der Farbigkeit, aber sehr streng komponiert ist das Bild Komposition XI/2019. Es leuchtet labyrinthartig. Seine Linien und Streifen in unterschiedlicher Stärke oder die Quadrate in wechselnder Größe erinnern an eine imaginäre Welt aus Wegen, Gassen und Plätzen, in denen der Blick sich verlieren kann. Die vielen Linien kreuzen oder überlagern sich in mehreren Farbschichten und bieten eine scheinbare Orientierung. Alles erscheint wohl geordnet, wie an einem Reißbrett entworfen. Die Farben unterstützen die Linienführung, lassen offene und geschlossene Räume entstehen, auf denen der Blick verweilen kann, bevor er weiter einen Weg aus den visuellen Irrwegen heraussucht. Diese malerischen Labyrinthkompositionen erinnern auch an musikalische Irrwege, wie beispielsweise in den Werken von Bach, Boulez oder Cage.
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Besucher vor Isabel Glathars Werk KOMPOSITION I 2025 Acryl auf Aludibond 100x100 cm | ©Anja van Kampen[/caption]
Die schwarz-weißen, minimalistischen Kompositionen I/2025 und 1/2026 greifen das Thema des Labyrinths auf. Vorlage hierfür ist die strenge, moderne Fassadenarchitektur der Gegenwart, wie beispielsweise in Berlin oder London. Fotografische Beispiele der Künstlerin, die auch leidenschaftlich fotografiert, finden sich neben den Kompositionen. Der Malgrund ist bei diesen Bildern Alu-Dibond. Dieses Material unterstützt die malerische Absicht, den Charakter der großstädtischen Fassaden einzufangen. Alu-Dibond verstärkt die moderne und minimalistische Wirkung, die mittels der strengen Linienführung in Grau, Schwarz und Weiß den architektonischen Charakter mit seinen seriellen Merkmalen erzielt.
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Isabel Glathars Werk PIERRETTE XVII 2024, Acryl auf Aludibond, 80x80cm | ©Anja van Kampen[/caption]
Aus ihrem Zyklus PIERRETTE präsentiert Isabel Glathar drei Bilder XVII/2024, XXI/2026 und XVIII/2024. Pierrette ist eine bekannte Theaterfigur der Commedia dell'Arte und ist das weibliche Pendant zu Pierrot. Er ist der traurige Clown, sie die unglücklich Verliebte. Beiden gemeinsam ist außerdem ein charakteristisches Accessoire, ihr spitz zulaufender, kegelförmiger Hut, dessen Längsschnitt an die geometrische Form des gleichschenkeligen Dreiecks erinnert. Und so wundert es nicht, dass jedes Bild des Zykluses PIERRETTE aus schier unendlichen Variationen des Dreiecks bestehen – stumpf-, spitz- und rechtwinkelig oder gleichseitig, gleichschenkelig und unregelmäßig. Die Dreiecke bilden gemeinsam neue, größere Dreiecke, ihre Spitzen betonen die Ecken des Bildes oder führen zur gegenüberliegenden Bildecke. Sie bilden räumliche Fluchten, tanzen miteinander, drehen sich, stürzen ineinander und verbinden sich zu immer weiter wachsenden Dreieckskompositionen - bilden zusätzlich Rauten, Quadrate, Rechtecke.
Der Pierrette - Zyklus ist ein kaleidoskopisches Kunstwerk, aus farbenfrohen, optischen Mustern der Geometrie, von großer, präziser Ausführung. Er ist außerordentlich variantenreich und hat eine verzaubernde Wirkung. Es lohnt sich der Versuch, alle Dreiecke in einem Bild zu suchen, zu finden und zu zählen, dabei wird die Vielfalt der Komposition noch einmal auf eine andere Weise, nämlich intensiver erfahrbar. Wird die Theaterfigur der Pierrette traditionell in schwarz-weiß dargestellt, so sind die Bilder des Pierrette - Zyklus von Isabel Glathar in leuchtenden Farben gemalt: Sonnengelb und Maigrün, Schattierungen von Blau, Grün und Türkis, akzentuiertes Weiß, ein zentriertes Rostrot - um nur einige Wenige zu nennen. Alle Farben werden kontrastreich flankiert von dunkleren Entsprechungen, sie verstärken die Raum- und Formensprache und heben die Leuchtkraft der hellen, strahlenden Farben hervor.
Das gleiche Prinzip wendet die Künstlerin auch in der Komposition Insight/Outsight /2023 an, bei der die Linien der jeweiligen Dreiecke von einer Ecke des Bildes zu dem nächsten Dreieck führen, und die einzelnen Dreiecke sich so zu einem neuen Ganzen zusammenfügen, auch weil die transparenten Farben durch Überlappungen neue Farbdreiecke bilden.
Das Thema des Pierrette – Zyklus hat die Künstlerin Isabel Glathar nicht zufällig gewählt. Nach ihrem Studium an der Fachhochschule Hamburg und an der Akademie der Künste in Stuttgart hat sich die gebürtige Schweizerin, die seit 1987 in Berlin lebt, als Kostüm- und Bühnenbildnerin an den Bühnen großer deutscher und internationaler Theater- und Opernhäuser einen Namen gemacht.
2009 hat Isabel Glathar mit dem Malen begonnen, 2014 hat sie zum letzten Mal am Theater gearbeitet. Seitdem hat sie ihren Malstil mit hoher Disziplin und ihre präzise Technik des Abklebens kontinuierlich weiterentwickelt. Mit der Technik des Abklebens gelingen ihr die messerscharfen Kanten der geometrischen Formen und sauberes Arbeiten, denn die Farben vermischen sich so nicht. Alle ihre Werke sind in großen Zyklen angelegt. Die Zyklen erhalten Namen wie Twist, Kompositionen oder Pierette, die einzelnen Bilder jedoch werden streng in römischen Ziffern durchnummeriert.
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Isabel Glathars Werk PIERRETTE XXI 2026, Acryl auf Aludibond, 80x80cm | ©Anja van Kampen[/caption]
Laudatorin Ulrike Meyer | ©Anja van Kampen[/caption]
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