
Reger Austausch beim Runden Tisch Queeres Steglitz-Zehlendorf am 21. Oktober 2025 in der Villa Mittelhof. | Foto: Birgit Vasiliades
Im Berliner Südwesten tut sich was: Eine neue Plattform zeigt, wie vielfältig queeres Leben in Steglitz-Zehlendorf ist. Sie bringt Projekte, Gruppen und Anlaufstellen auf einer gemeinsamen Seite zusammen.
Die neue Website Queer Steglitz-Zehlendorf ist online. Sie führt erstmals die unterschiedlichen Angebote, Initiativen und Treffpunkte für queere Menschen im Berliner Südwesten übersichtlich zusammen. Ziel der Plattform ist es, die bestehende Infrastruktur sichtbarer zu machen, Kooperationen zu fördern und Interessierten einen schnellen Überblick über Anlaufstellen zu geben.
Zu finden sind dort unter anderem die neue Außenstelle des schwulen Anti-Gewalt-Projekts Maneo in der Villa Mittelhof, das Queer Café im Gutshaus Lichterfelde sowie der Q*lub von Outreach, ein Freizeitangebot für queere Jugendliche. Darüber hinaus können Initiativen, Vereine und Einzelpersonen ihre eigenen Angebote kostenfrei über die Seite eintragen und bekannt machen.
„Unser Ziel ist es, die unterschiedlichen queeren und queer-inklusiven Angebote im Bezirk bekannter zu machen und dadurch die Strukturen vor Ort zu stärken“, heißt es von den Initiator*innen.
Die Website ist aus dem Runden Tisch Queeres Steglitz-Zehlendorf hervorgegangen – einem Zusammenschluss von Engagierten, Trägern und Interessierten, der seit 2023 regelmäßig zusammenkommt, um queeres Leben im Bezirk sichtbarer zu machen. Wir berichteten bereits über die Entstehung und Ziele des Runden Tisches, der inzwischen zu einem wichtigen Forum für Austausch und Kooperation geworden ist.
Mit dem Start der Website ist nun ein weiterer Schritt getan: Sie soll künftig nicht nur Informationen bündeln, sondern auch dazu beitragen, dass queeres Leben in Steglitz-Zehlendorf selbstverständlicher Teil des öffentlichen Alltags wird – jenseits der Innenstadtgrenzen.
Junia Greb-Georges
Die Autorin ist Mitarbeiterin des Stadtteilzentrums Steglitz und Teil der Redaktion der Stadtrand-Nachrichten.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (