Onkel Toms Wilskistraße ist ein wesentlicher Bestandteil des zentralen Geschosswohnungsbaus und des von Ost nach West entlang der U3 verlaufenden Rückgrats der Waldsiedlung Zehlendorf. „Jede Straße hat hinter ihrem Kiefernvorhang ihr Gesicht, ihre Farbe. Die da ist in verschiedenen Gelbnuancen gehalten, die hier wieder in einem einzigen Rosa; man sieht welche von einem träumerischen Himmelblau und andere, deren Rot mit feinem warmen Ton fast bordeaux wirkt. Gewiss, solche Häuser machen noch nicht das Glück aus, zumindest laden sie zum Glücklichsein ein.“ Was ein französischer Journalist 1930 prosaisch zu Papier brachte, löste im Zehlendorf der Weimarer Jahre den berühmten „Dächerkrieg“ aus.
Am Fischtal reagierte die bodenständig orientierte Baugenossenschaft Gagfah mit der sogenannten Versuchssiedlung, einem programmatischen Gegenentwurf: Satteldach, Kalksandputz, wenig Farbe. Dagegen sind Bruno Tauts Kunstmittel, intensive Farben im Zusammenspiel mit klar gegliederten, kubischen Formen trotz der massiven Schwierigkeiten, die es schon seit der Planung zu überwinden galt, noch oder wie jetzt auch wieder in der Wilskistraße erlebbar. In den Zwanziger Jahren polemisierte die Presse bis zum Gipfel der Geschmacklosigkeit gegen eine Baukunst, die heute von vielen als Welterbe gesehen wird.
Die heutige Eigentümerin (Deutsche Wohnen) hat in der Wilskistraße in den mehrgeschossigen Wohnhäusern im Herbst des letzten Jahres umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Anstriche der Fenster, Türen und Treppenhäuser (hier vor allem auch innnen!) wurden erneuert. Die Bebauung auf der nördlichen Seite der Wilskistraße hat nach den Kriegsschäden bereits in den 1980er Jahren ihre originale Farbfassung wieder erhalten.
Der raue Nachkriegsputz auf der Südseite wurde jetzt geglättet und mit den originalen Keim´schen Mineralfarben gestrichen. Unverändert ist die Situation noch im Bereich zwischen Waldhüterpfad und Riemeisterstraße und zeigt krass den Kontrast zur wiederhergestellten Taut-Fassung.
Die originale Farbigkeit unterstützt die Form der Gebäude und unterstreicht die Wirkung der feinen Details. Das strahlende Weiss läßt die roten Ziegelsteinlisenen leuchten. Die Gliederung der Fassaden wird durch die unterschiedliche Farbigkeit von Fensterblend- und Fenstersetzrahmen sowie Fensterflügeln intensiviert. Die Kontraste der Fassadenflächen aus einem intensiven Blau, dem strahlenden Weiß, dem brillierenden Gelb ergänzen sich mit den variierenden Fensterfarben Schwarz, Weiß, Gelb und Rot zu einem „fröhlichen“ Farbspiel.
Fassadenvor- und rücksprünge bilden geschützte Nischen für Loggien und Balkone. Es entsteht ein Spiel mit geometrischen Formen. Kontrapunkte zu den Quaderformen bilden die prismenförmigen Leuchten der Hausnummern. Die zum Großteil noch vorhandenen bauzeitlichen Fenstergläser reflektieren auf ihren Unebenheiten die gegenüberliegenden Fassaden zu Vexierbildern.
Wesentlich ist auch die Wiederherstellung der ursprünglichen Vorgartengestaltung. Nach der Entfernung nicht bauzeitlichen Niedrigholzes pflanzte die „Deutsche Wohnen“ den Weimarer Jahren entsprechend 20 Kiefern auf den Rasenflächen.
Michaele Brunk
Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf












Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]
Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren können vom 19. Bis 23. Oktober an einer Fahrt nach Krakau und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau teilnehmen. Interessierte können sich bis zum 22. Juni anmelden.
In einem gemeinsamen Projekt wollen vier Steglitz-Zehlendorfer Jugendeinrichtungen ein „starkes Zeichen für die Stärkung der Erinnerungskultur und die Förderung der Gedenkstättenpädagogik“ setzen. Vom 19. Oktober bis 23. Oktober findet eine Bildungsfahrt nach Krakau statt, bei der die Teilnehmenden die historischen Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besuchen sowie eine Stadtführung in Krakau erleben werden.
Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren, die durch diese Reise nicht nur wertvolles Wissen über die Geschichte des Holocaust erlangen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich aktiv mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Zivilcourage auseinanderzusetzen.
Geplant sind zwei Exkursionen mit fachkundigen Führungen in das Auschwitz Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau mit der Chance auf tiefe Einblicke in die Geschichte und die Auswirkungen des Holocaust. In Krakau steht eine Stadtführung auf dem Programm, bei der die Teilnehmenden mehr über die kulturellen und historischen Hintergründe der Stadt und die jüdische Community erfahren.
Wichtig: die Anmeldefrist endet am 22. Juni. Alle Infos: