Die Haushaltssperre soll aufgehoben und durch eine Stellenbesetzungssperre ersetzt werden. Mit der Mehrheit von CDU und Grünen nahm die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf am Mittwoch diesen Antrag an. SPD und Piraten enthielten sich.
Ihm ginge der Antrag nicht weit genug, erklärte der Fraktionsvorsitzende der SPD, Norbert Buchta. Wenn Grüne und CDU den Halbsatz, mit dem die Stellenbesetzungssperre verhängt werden soll, streichen würde, sei man dabei. So aber sei der Antrag nicht nachvollziehbar, vor allem weil es Personalengpässe im Bezirksamt gebe und es schwer sei, die Stellen überhaupt zu besetzen.
„Emotional kann ich Ihrem Vorschlag folgen, aber mein Restverstand hindert mich daran“, antwortet der CDU-Fraktionsvorsitzende Torsten Hippe auf den Änderungswunsch Buchtas. Man könne das Haushaltsdefizit doch nicht per Antrag wegschaffen, sagte er. Eine Aufhebung der Sperre mit Ausnahme der Stellenbestzungen sei haushaltärisch zu verantworten, weil die Kosten dafür überschaubar seien. Eine Aufhebung ohne Stellenbesetzungssperre sei es nicht, weil die Personalkosten einfach zu hoch seinen. Nur im Personalbereich seien signifikante Einsparungen möglich, pflichtete ihm Maren Schellenberg (Grüne) bei. Dem widersprach Martin Matz, der zu bedenken gab, dass nicht jede nicht besetzte Stelle Geld einspare, sondern auch Folgen habe, etwa wenn Projekte nicht umgesetzt werden und dadurch Geld nicht abgerufen werden könne.
Zu schlecht informiert über die Haushaltssperre – die Gründe, die Veränderungen, die Defizite – fühlte sich Eric Lüders, Fraktionsvorsitzender der Piraten. Bisher habe es dazu keine Analyse gegeben. „Wir wissen doch gar nicht, wo die Kosten entstehen“, wandte er ein. Ohne einen Analyse sei es unredlich, über diesen Antrag zu entscheiden. Zudem gab er zu bedenken, dass die teilweise Aufhebung vielleicht gar nicht möglich sei, weil die Kommunale Haushaltsordnung dies nicht zulasse.
Diese Bedenken hatten Grüne und CDU nicht und stimmten geschlossen für den gemeinsamen Antrag.











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (