Das StraßenABC setzen wir fort mit dem Buchstaben M – wie Martin-Buber-Straße. Die Straße liegt in Zehlendorf-Mitte und führt von der Anhaltinerstraße und Teltower Damm bis Potsdamer Straße. Bevor sie 1966 nach dem Religionsphilosophen Martin Buber benannt wurde, hieß die Straße Kaiserstraße und war um das Jahr 1886 angelegt worden.
Martin Buber wurde 1878 in Wien geboren. Er studierte Philosophie, Germanistik, Kunstgeschichte, Psychiatrie und Psychologie. Nachdem er um 1900 Theodor Herzl kennengelernt hatte, schloss er sich der zionistischen Bewegung an.
Buber war Mitbegründer des Jüdischen Verlags, arbeitete unter anderem als Lektor im Verlag Rütten & Loening und war an der Gründung des Sozialistischen Bundes beteiligt. Von 1924 bis 1933 war Buber Lehrbeauftragter und Honorarprofessor für jüdische Religionslehre und Ethik an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt (Main). Seine Professur legte er 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten nieder, um einer Aberkennung zuvorzukommen. 1938 konnte Buber nach Jerusalem ausreisen. Dort lehrte er bis 1951 Antropologie und Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Er pflegte zahlreiche Kontakte zu europäischen Intellektuellen wie dem Philosophen Felix Weltsch, dem Schriftsteller Max Brod und dem Politiker Hugo Bergmann. 1955 war Buber an der Gründung des Leo-Baeck-Instituts, einem Dokumentations- und Forschungszentrum für die Geschichte deutschsprachiger Juden, in New York beteiligt. Buber starb 1965 in Israel. Seit 1968 werden Menschen, die sich für den christlich-jüdischen Dialog einsetzen, mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt.
Die ersten Wohnhäuser an der Martin-Buber-Straße gelten als Kulturdenkmale. So wie das Mietshaus mit der Hausnummer 1, das 1898 von Hermann Polkow entworfen wurde. Dieses sowie „die folgenden Landhäuser Nr. 2, 3, 4A, 5 aus den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts bilden ein Ensemble. Aus städtebaulich-historischer Sicht kommt diesem Ensemble Bedeutung zu, da hier im Anschluß an das Ortszentrum neue, großbürgerliche Wohnhäuser südlich und südwestlich der Potsdamer Straße entstanden“, begründet die Senatsverwaltung die Einordnung der Häuser als Denkmal. Im Haus mit der Nummer 2 ist heute die Abteilung Wirtschaft, Gesundheit und Verkehr des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf zu finden.
Gegenüber dem Ensemble steht das alte Postamt, das bis 2011 auch noch als solches genutzt wurde. Um das Jahr 1900 wurde das markante Gebäude mit seiner Gründerzeitfassade errichtet. Wo einst Briefe sortiert und Briefmarken verkauft wurden, werden heute unter anderem hochwertige Möbel verkauft, es wird Yoga praktiziert und gewohnt.
Etwa ebenso viele Jahre auf dem Buckel hat die Gottfried-Benn-Bibliothek. Die wurde bereits 1892 gegründet. Das Gebäude am Nentershäuser Platz, in dem sie heute beheimatet ist, ist allerdings wesentlich jünger. 1962 wurde es errichtet. 80.000 Medien sind in der Bibliothek zu finden, in deren ersten Stock auch eine Abteilung mit Kinder- und Jugendbüchern zu finden ist. Im Sommer können es sich Besucher im großen Garten gemütlich machen und in den Büchern stöbern. Auch zu Lesungen und anderen Veranstaltungen lädt die Bibliothek regelmäßig ein.
Nur ein paar Meter neben der Bibliothek dreht sich alles um Musik, in der Villa der Leo-Borchard-Musikschule. Die kommunale Musikschule ist die größte Europas mit vielen Standorten im Bezirk. Unterrichtet wird dort Klassik, Jazz, Rock, Pop auf traditionellen und elektronischen Instrumenten sowie Gesang. Rund 600 Schüler nehmen das Angebot wahr.
Das Gebäude gleich nebenan wird wahrscheinlich nicht ganz so gerne aufgesucht, denn dort ist das Finanzamt Zehlendorf untergebracht.
Ebenfalls an der Martin Buber-Straße befindet sich das Rathaus Zehlendorf, dessen Haupteingang an der Kirchstraße liegt. Das Rathaus wurde 1929 als „erstes modernes Verwaltungsgebäude in Groß-Berlin“ feierlich eröffnet. Geplant wurde das neue Rathaus aber bereits seit 1914, weil die Räume der Verwaltung in der alten Schule zu klein wurden. 1923 wurde der Neubau dann beschlossen. Dafür mussten zwei Bauernhäuser abgerissen und mit dem Magistrat um die Finanzierung gerungen werden. Der Bau orientierte sich an verschiedenen Stilen. So nehmen Bürgersaal, BVV-Saal und die Bezirkskasse Motive mittelalterlicher Rathäuser auf, die Dreiflügelanlage mit vorspringender Pfeilerarkade am Eingang erinnert an klassizistische Bauten. Erweitert wurde das Rathaus in den Jahren 1953/54 und 1971. Seit 1995 steht es unter Denkmalschutz. Ihren Sitz haben in dem sanierungsbedürftigen Haus die Abteilungen Personal und Finanzen, Bauen, Stadtplanung und Naturschutz sowie Jugend, Schule und Umwelt. Der Eingang zum Ratskeller liegt an der Martin-Buber-Straße. Auch als Drehort hielt das Rathaus schon her, etwa für die Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ mit Kate Winslet.
An der Kreuzung von Martin-Buber- und Kirchstraße findet sich eine Brunnenplastik von Ursula Sax aus dem Jahre 1974. Sax war unter anderem Professoren an den Hochschulen der (Bildenden) Künste in Berlin, Braunschweig und Dresden.
Wer auf kirchlichen Beistand setzt, findet an der Kreuzung Kirch- / Martin-Buber-Straße die Pauluskirche. Sie wurde von 1903 bis 1905 im Rahmen des kaiserlichen Kirchenbauprogramms errichtet. Vorgeschrieben war als Baustil „märkischer Backsteinbau“, zudem sollte die Kirche 800 Gläubigen Platz bieten. Errichtet wurde die Kirche auf einem Grundstück, welches Sidonie Scharfe der Kirchengemeinde am 30. April 1894 für den Bau einer neuen Kirche und eines neuen Pfarrhauses zum Geschenk machte. In den 1950er und 80er Jahren wurde die Kirche renoviert, es kamen Nebenräume hinzu, in denen sich zum Beispiel die Anonymen Alkoholiker treffen oder im Winter warmes Essen ausgegeben wird. Derzeit bekommt die Kirche zwei neue Orgeln.
Die Martin-Buber-Straße endet am Sderot-Platz mit seinem bronzenen „Zeli-Brunnen“, auch Märchen- oder Dorfbrunnen genannt, der Künstlerin Brigitte Stamm aus dem Jahre 1982. Am 8. Juni 2009 wurde der kleine, namenlose Platz zwischen Martin-Buber- und Potsdamer Straße nach der israelischen Partnerstadt benannt. Die Stadt Sderot entstand 1951, als sich dort Flüchtlinge aus Persien und Kurdistan niederließen. Heute hat die Stadt rund 20.000 Einwohner. Seit 1975 ist Sderot, was übersetzt „Boulevard“ heißt, Partnerstadt von Zehlendorf.
(go)













Grafik: Kinder- und Jugendbüro[/caption]