Thielallee: Hickhack um einen Radweg

Thielallee: Hickhack um einen Radweg

Viel Uni, viel Parkplatz und trotzdem kein Radweg: Senat und Bezirk sind uneins über die Notwendigkeit einer Radverkehrsanlage auf der Thielallee in Dahlem. | Foto: Daniela von Treuenfels

 

Geplant, geprüft, angeordnet – obwohl für einen Radstreifen in der Dahlemer Thielallee alle Ampeln auf grün stehen, erteilt  die Senatsverkehrsverwaltung keinen Auftrag zur Umsetzung. Am Mittwoch wird demonstriert. 

„Der Vollzug ist gegenwärtig ausgesetzt“, teilt die Behörde in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Politikerin Oda Hassepaß mit. Begründung: „Es liegen keine Anhaltspunkte für eine besondere Dringlichkeit der Ausführung einer Radverkehrsanlage in der Thielallee vor.“  

Die Argumentation folgt einer Priorisierung, die von der Verwaltung vor rund einem Jahr veröffentlicht wurde. Demnach werden solche Radwegeprojekte nicht mehr weiter verfolgt, die „mit Wegfall einer überschaubaren Anzahl von Parkplätzen“ verbunden sind.  

In der Thielallee würden rund 60 Parkplätze durch die Anlage eines Radweges wegfallen. Etwa 45 davon, sagt Verkehrsstadtrat Urban Aykal, könnten durch neue Parkflächen am Dahlemer Weg und Unter den Eichen kompensiert werden. Er sieht keinen Grund, den bereits fertig geplanten Radweg nicht zu bauen – im Gegenteil: Er und seine Partei schließen sich dem Protest von Radfahrinitiativen an, die am 29. Mai zum wiederholten Mal für das Projekt demonstrieren wollen.  

Auf den ersten Blick ist diese Bereitschaft zum „Kompromiss“ wenig verständlich. Bei einer kurzen Stippvisite am gestrigen Montagmittag gab es entlang der gesamten Strecke freie Parkflächen im Überfluss, was offenbar auch die Caravaning-Community erkannt hat: Zahlreiche Wohnmobile stehen am Straßenrand, viele offensichtlich seit längerer Zeit.   

Der Parkplatz-Luxus wird allerdings bald ein Ende haben, frühestens dann, wenn der Senat seine Pläne für eine temporäre Flüchtlingsunterkunft in die Tat umsetzt. Auf dem Grundstück Thielallee 63 soll eine Containeranlage für 260 Menschen entstehen, eine von insgesamt 16 in ganz Berlin. Bisher wird die Fläche als Parkplatz genutzt. Doch es gibt Widerstand: Die FU will dort bauen, die Anwohner sind wenig begeistert. Dass die Universität und wohlhabende Dahlemer sich am Ende durchsetzen und die Unterkunft verhindern, ist nicht unwahrscheinlich. Spätestens mit dem (bisher unbekannten) Baubeginn des neuen FU-Gebäudes stellt sich die Frage nach Parkplatz-Alternativen jedoch erneut.  

Bleibt die Frage: Ist Radfahren in Dahlem wirklich gefährlich? Wir erreichen die Thielallee nach einer Fahrt über einen unsäglichen Radweg auf der Straße Unter den Eichen. Mit dem Einbiegen in die Thielallee haben wir glatten Asphalt unter den Rädern, herrlich. Insgesamt gibt es wenig Autoverkehr, auch Radfahrer sind nur wenige unterwegs. Kaum Fußgänger. Die Straße ist insgesamt so breit, dass wir uns von den PKW nicht bedrängt fühlen. Mit Kindern hier entlangzufahren, käme allerdings nicht in Frage. 

Die Fahrradaktivisten, die am Mittwoch für einen Radweg an der Thielallee demonstrieren wollen, sehen ein erheblich höheres Gefährungspotential. „Für Radfahrende ist die Thielallee eine gefährliche Zumutung“, sagt Ragnhild Sørensen, Sprecherin der Initiative changing cities. Auch die Senatsverwaltung sieht die Notwendigkeit einer Radverkehrsanlage, wie es im Verwaltungssprech heißt: „Die angeordneten Maßnahmen sind dazu geeignet, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, weil der Rad- und sonstiger Fahrverkehr räumlich voneinander getrennt werden. Vor allem die anliegenden zentralen Einrichtungen der Freien Universität Berlin führen zu einem Quell- und Zielverkehr mit erhöhtem Radverkehrsaufkommen“, ist der oben genannten Anfrage im Abgeordnetenhaus zu entnehmen.  

Die Verkehrsexperten der Verwaltung sehen also einen Bedarf, deren Umsetzung nun die Radfahrer fordern: „Das Mobilitätsgesetz schreibt vor, dass hier ein geschützter Radweg entstehen soll. Es wäre eine schnell umzusetzende Maßnahme, mit der die Ziele des Mobilitätsgesetzes in Berlin wenigstens teilweise erreicht werden könnten.“   

Wir verlassen Dahlem über die Habelschwerdter Allee Richtung Lichterfelde. Hier gibt es bereits einen grün markierten Fahrradstreifen bis zur Kreuzung Unter den Eichen. Die Fahrt ist sehr entspannt, auch wenn LKW überholen. Hier mit Kindern entlangfahren? Jederzeit. 

 

Fahrraddemo Thielalle 

vom Netzwerk Fahrradfreundliches Steglitz-Zehlendorf, der ADFC-Stadtteilgruppe Steglitz-Zehlendorf und Changing Cities
am Mittwoch, den 29. Mai um 18 Uhr
Treffpunkt: Habelschwerdter Allee/Ecke Thielallee vor der FU Berlin

Daniela von Treuenfels 

 

 

1 Kommentar

  1. Infrastruktur muss für die Schwächsten ausgelegt sein! Kinder müssen auch in der Thielallee sicher fahren können. Die Verbindung zwischen den Radwegen am Dahlemer Weg und in der nördlichen Thielallee ist längst überfällig.

    Im Gegensatz zu eurer Beobachtung fahre ich teilweise auch im Berufsverkehr in der Thielallee. Eine absolute Zumutung, da man immer mit weniger als 1,5 Metern überholt wird. Hier zu fahren macht keinen Spaß. Und trotzdem sind viele Studenten unterwegs. Mit sicherem Radweg bestimmt noch mehr.

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[caption id="attachment_103362" align="aligncenter" width="300"] Grafik: Kinder- und Jugendbüro[/caption]
 
 

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