
Das Atelierhaus am Käuzchensteig 8 - 12 ist derzeit eine Baustelle. Es wird denkmalgerecht um- und zurückgebaut. Foto: Gogol
Das einstige Staatsatelier des Bildhauers Arno Breker und Sitz der Bernhard-Heiliger-Stiftung wird zum Kunsthaus Dahlem umgebaut. Im Sommer kommenden Jahres soll das Museum eröffnen.
Noch kann man kaum glauben, dass binnen weniger Monate das Museum entstehen soll, denn im Moment bestimmen Bauschutt und Staub die Szenerie am Käuzchensteig 8 – 12.
Am 18. August haben die Arbeiten begonnen, berichtete Architekt Johannes Morell am Dienstag bei einem Rundgang über die Baustelle. Zwischenwände und Decken, die in den 1970 Jahren eingezogen wurden, werden abgerissen, um den Grundriss des Atelierhauses freizulegen. Bis jetzt stieß man dabei auf ein paar kleine, nicht ganz unerwartete Überraschungen – gute und weniger gute. Die gute Überraschung waren die historischen Türen, die man während der Abrissarbeiten fand. Sie waren in den 1970er Jahren zugemauert worden. Durch ein Abklopfen der Wände waren sie nicht auszumachen gewesen, so Morell, da sie hinter 24 Zentimeter dickem Mauerwerk verschwunden waren. Drei Türen hat man bereits gefunden, mit einer vierten rechnen die Bauleute noch. Die Türen werden erhalten. Entdeckt wurde während der Arbeiten auch Originalputz. Nun muss sondiert werden, ob er ebenfalls erhalten werden kann.
Die weniger gute Überraschung waren verschiedene Schadstoffe, die in den Baumaterialien gefunden wurden, allerdings nichts Gravierendes wie Asbest, beruhigte. Architekt Dr. Paul Kahlfeldt.
Beim Rückbau sind die Architekten auf wenige Bestandspläne und ein paar Fotos angewiesen, es gibt nur wenige Dokumente aus der Anfangszeit des Hauses, so Dorothea Schöne, Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Kunsthauses Dahlem.
Das von Hans Freese entworfene Atelierhaus wurde 1938 bis 1942 für den Bildhauer Breker gebaut. Breker gehörte zu den Lieblingskünstlern Adolf Hitlers. Auf dessen persönlichen Wunsch hin wurde das Gelände von den Stadt Berlin für den Bau des Hauses zur Verfügung gestellt. Der Gebäudekomplex mit seinen vier Ateliers gehört zu den wenigen Künstlerhäusern des NS-Zeit. Mit dem Rückbau wolle man den „Impetus der nationalsozialistischen Kunstförderung erlebbar“ machen, so Schöne.
Nach Ende des Krieges wurde das Gebäude zunächst von den amerikanischen Besatzern genutzt, 1949 zog der Bildhauer Bernhard Heiliger im Ostflügel ein. Auch weitere Künstler nutzten in den Folgejahren in die Ateliers, die der Akademische Austauschdienst und der Berliner Kultursenat Künstlern aus aller Welt zur Verfügung stellten, darunter Emilio Vedova, Armando, Jimmi Durham, Dorothy Iannone und Emmett Williams.
Wenn das Kunsthaus Dahlem fertig ist, wird es sich der deutschen Nachkriegsmoderne in der Zeit zwischen 1945 und 1961 widmen. Diesen Schwerpunkt habe man bewusst gewählt, so Schöne, weil es kein anderes Haus diesen habe. Gerade diese Zeit sei im künstlerischen Bereich kaum aufgearbeitet.
Insgesamt wird es drei Ausstellungsräume geben. Im Hauptsaal wird die Berliner Bildhauerei und ihr Umgang mit dem menschlichen Körper im Mittelpunkt stehen. In einem weiteren Raum wird das Kunsthaus anlässlich des 100. Geburtstages Bernhard Heiligers dessen Schaffen nach Ende des Zweiten Weltkrieges beleuchten. Beide Ausstellungen sind als Dauerausstellungen konzipiert. Auf der Galerie werden grafische Arbeiten und Gemälde einen Eindruck von der urbanen Szenerie, der Ruinenlandschaft der Stadt Berlin aber auch den Zukunftsvisionen der jungen Künstler jener Zeit verschaffen. Diese Ausstellungen werden quartalsweise wechseln.
Der Um- und Rückbau des Hauses wird finanziert durch das Land Berlin und die Lotto-Stiftung Berlin. Getragen wird das Kunsthaus Dahlem von der Atelierhaus Dahlem gGmbH, einer Tochtergesellschaft der Bernhard-Heiliger-Stiftung.
(go)












Symbolbild: Der unvergessene "Zick-Zack-Radweg" in der Leo-Baeck-Straße in Zehlendorf (2018). | Foto: Baumann[/caption]
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