Die Verwaltungskosten des Bezirks Steglitz-Zehlendorf liegen im Berliner Durchschnitt, das zeigt die neue Broschüre „Was kostet wieviel?“, die die Senatsverwaltung für Finanzen jetzt herausgegeben hat. Gegliedert wurden die Kosten in acht verschiedene Bereiche wie Bürger- und Ordnungsangelegenheiten/Wirtschaft/Verwaltung, Gesundheit/ Umwelt/Verbraucherschutz und Jugend/Familie/Sport. Allerdings liegen der Ausgabe Zahlen von 2010 zu Grunde.
„Knöllchen“ sind in Steglitz-Zehlendorf am günstigen – wenn auch nicht unbedingt für den Falschparker. Die Verwaltungskosten pro Verwarnung liegen bei 10,13 Euro. Berlinweit sind es durchschnittlich 14,25 Euro. Auch die Beratung im Bürgeramt liegen mit 13 Euro unter den durchschnittlichen 15 Euro. Dafür sind im Bezirk die Eheschließungen teurer als im Rest der Hauptstadt. 137 Euro fallen für Eheschließung und die Beurkundung von Lebenspartnerschaften, das Anlegen des Familienbuches sowie das Ausstellen von Urkunden aus dem Heirats- beziehungsweise Familienbuch und dem Lebenspartnerschaftsbuch an.
Um die Unterhaltsansprüche Minderjähriger gegen die Eltern durchzusetzen wendet Steglitz-Zehlendorf pro Fall und Jahr 458 Euro auf und nimmt damit den Spitzenplatz berlinweit ein (Durchschnitt 405 Euro). Dafür sind die Verwaltungskosten für die ambulanten Hilfen zur Erziehung, beispielsweise eine intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung, soziale Gruppenarbeiten oder sozialpädagogische Familienhilfen, mit 20 Euro pro Fall und Tag so niedrig wie sonst nirgendwo in der Stadt (Durchschnitt 25 Euro).
Auch im Bereich Schule/Bildung/Kultur schwankt der Bezirk zwischen Spitzenpositionen in die eine wie in die andere Richtung. So sind die Kosten für Essen im Schulhort, wozu die Kosten für Bereitstellung, Personal und Infrastruktur gehören – obwohl sie im Vergleich zum Vorjahr um fünf Cent gesunken sind – mit 2,10 Euro recht hoch (Durchschnitt: 1,90 Euro). Dafür werden in keinem anderen Bezirk Bibliotheksbesucher so günstig betreut und informiert wie in Steglitz-Zehlendorf (1,31 Euro; Durchschnitt: 2,03 Euro). Auch die Ausleihkosten pro Medium liegen mit 1,64 Euro unter dem Berliner Durschnitt von 2,05 Euro.
Wer genauer wissen will, wofür die eigenen Steuergelder verwendet wurden und wie Steglitz-Zehlendorf in Vergleich zu den anderen Bezirken abschneidet, findet die Broschüre „Was kostet wieviel?“ als Download auf der Homepage der Senatsverwaltung für Finanzen.
(go)













Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine Radwegeanlage wird zurückgebaut. Die Verantwortlichen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, Verkehrsteilnehmer bewusst gegeneinander aufgebracht zu haben. Das Ergebnis ist ein verkehrspolitischer Stillstand.
Wer mit der Gegend um den Kreisel, Schloßparktheater und Gutshaus Steglitz vertraut ist, konnte ahnen, dass die Sache mit dem Radweg schiefgeht. Der Verkehr, der sich hauptsächlich von der Autobahn 103 und zu einem geringeren Teil aus der Schloßstraße und zu einem noch geringeren Teil aus dem Wolfensteindamm in Richtung der Straße Unter den Eichen ergießt, staute sich schon immer an der Kreuzung Schloßstraße/Hindenburgdamm. Weil Abbieger die linke Spur blockieren, fädeln sich die geradeaus Fahrenden in die rechte Spur ein, der Verkehr staut sich. Auf dem aktuellen
Klare Sache: Radweg kaputt. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Wer sich vor vier Jahren um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer in diesem Gebiet sorgte, hätte eigentlich den Blick auf den Hindenburgdamm lenken müssen. Wer dort mit dem Rad zwischen Gardeschützenweg und Drakestraße unterwegs ist, fährt nicht nur durchgehend auf einem schmalen und kaputten Streifen, der zwischendurch auch mal komplett fehlt. Radfahrer müssen jederzeit mit unberechenbaren Hunden, Kindern und unvorsichtigen Erwachsenen rechnen. Baugerüste rechts, Straßenbaustellen links. Einzelhandel, Dienstleister und Bushaltestellen – mit jeder Menge Publikumsverkehr.
Das Anliegen, auf dem Hindenburgdamm eine Bus- und Radspur einzurichten, stand sogar kurz vor der Umsetzung. Der Plan einer Busspur zwischen Klingsorstraße und Gelieustraße wurde 2024 wegen rechtlicher Bedenken zurückgestellt, aber nach der dafür notwendigen und vollzogenen Änderung der Straßenverkehrsordnung nicht wieder aufgenommen. Auf dieser Strecke verkehren drei Buslinien – an der gut 600 Meter langen Radwegeanlage Unter den Eichen fährt nur eine Buslinie, die M48.
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Doch keine klare Sache: Schadstellen lassen sich problemlos umfahren. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zurück also an den Botanischen Garten, an dessen Zaun entlang sich der außer Betrieb gesetzte Geh- und Radweg befindet. Fußgänger sind hier fast nicht anzutreffen, und vereinzelt kann man hier Radfahrer beobachten. Letztere finden hier weitaus bessere Bedingungen als am Hindenburgdamm. Der Weg ist gut befahrbar, und schadhafte Stellen lassen sich auf dem menschenleeren Fußweg gut umfahren. Das sieht mittlerweile auch die Senatsverkehrsverwaltung so. Der Fußverkehr sei „überschaubar“, begründet sie ihre Volte, und damit sei genug Platz für Radfahrer.
Diese Sichtweise kommt nicht gut an.
Der zur Umsetzung verpflichtete Bezirksstadtrat Urban Aykal (Grüne) gibt sich empört, die Anordnung des gemeinsamen Geh- und Radweges sei „sehr fragwürdig“. Der Bezirk habe Ende April 2026 im Rahmen einer Anhörung eine ausführliche Stellungnahme abgegeben. „Unsere darin fundiert begründeten Bedenken werden weggewischt“, so Aykal. Eine Nachfrage zur Einsicht in die Stellungnahme blieb ohne Antwort.
Die Verkehrsverwaltung verweist auf die Frage nach den Gegenargumenten auf die Begründung der Weisung an den Bezirk, den Radweg Unter den Eichen zurückzubauen. Das Dokument bezieht sich ausschließlich auf die Bus- und Radspur. Wie eine Sanierung des Gehwegs, der nun wieder Radweg werden soll, ausgeführt werden soll, wird nicht thematisiert.
„Mitunter“, heißt es in der Anordnung vom 29. Juli, gebe es aufgrund der „Einengung für die Radverkehrsanlage Höhe Botanischer Garten“, „Schwierigkeiten an der Kreuzung mit der BAB 103“. Die „Schwierigkeiten“ werden nicht näher benannt. Die „Stauwurzel“ an der Straßenkreuzung Am Fichtenberg ist laut Diagnose der Verwaltung die Mutter aller Probleme. Die beiden folgenden Fußgängerampeln am Begonien- und Asternplatz seien für die Überlastung nicht die Ursache.
Neben der Behinderung des Busverkehrs wird die Situation an der Kreuzung Schloßstraße / Hindenburgdamm aufgezeigt, die durch Fehlverhalten der Autofahrer entsteht: Obwohl der Stau deutlich erkennbar ist, überfahren einige Fahrer die Ampel. In der Folge stehen die Autos auf der Kreuzung und auch auf der Fußgängerquerung. Der Knotenpunkt liegt auf den Schulwegen zahlreicher Kinder, die drei naheliegende Schulen besuchen.
Die Lösung ist für die Verkehrsverwaltung die Herstellung des ursprünglichen Zustandes, fast jedenfalls: Um auf die gesetzlich vorgeschriebene Breite von 2,50 Meter zu kommen, wird dem alten Radweg der Gehweg zugeschlagen. 1,75m Gehweg plus 80 bis 100cm Radweg – passt. Wo die Fußgänger dann laufen sollen, bleibt offen.
Ob diese Linie vor Gericht Bestand hat, muss sich zeigen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bereits angekündigt, die geplante Abschaffung des Radwegs auf dem Rechtsweg zu stoppen. Die Organisation war bereits in einigen Berliner Verkehrsstreitsachen erfolgreich, zuletzt verhinderte die DUH die Abschaffung von Tempo 30 in der Albrechtstraße (