Bei ihrem Besuch informierten sich Senator Thomas Heilmann sowie die Abgeordneten Alexander Herrmann (links) und Cornelia Seibeld über die Arbeit der Klinik. Fotos: Gogol

Mit einem vorfristigen Weihnachtsgeschenk besuchten am Freitag Senator Thomas Heilmann (CDU) und die beiden Mitglieder des Abgeordnetenhauses Cornelia Seibeld und Alexander J. Herrmann (beide CDU) die Kleintierklinik in Düppel. Bei sich hatten sie nicht nur einen Korb mit Vogelfutter, sondern vor allem die Zusage, dass das Abgeordnetenhaus die Versorgung verletzter Wildtiere mit 100.000 Euro jährlich unterstützen wird. Für die kommenden zwei Jahre wurde das Geld bereits bewilligt.

Bisher habe die Klinik das Geld für die Versorgung aus dem eigenen Etat genommen, erläuterte Professor Dr. Leo Brunnenberg vom Fachbereich Veterinärmedizin. Das sei aber problematisch, da die Freie Universität das Budget zweckgebunden für Forschung und Lehre zur Verfügung stelle. So wuchs der Druck auf die Klinik. Deshalb war Brunnenberg umso erfreuter, dass endlich eine Finanzierung gefunden wurde.

Neben der Fördezusage hatte Senator Heilmann auch einen Korb voll Vogelfutter dabei.

Zwischen 1.200 und 1.500 verletzte Wildtiere werden jährlich in der Klinik behandelt, pro Fall fallen Kosten von rund 100 Euro an, erklärte Brunnenberg. Erst die Ankündigung, keine Wildtiere mehr aufnehmen zu wollen, brachte Bewegung in die Sache, erinnert sich der Tiermediziner. Herrmann und Seibeld, die den „Hilferuf vernommen“ hatten, suchten das Gespräch mit Senator Heilmann. Er sei von der ganzheitlichen Konzeption der Kleintierklinik begeistert, sagte er beim Besuch und war froh, dass die Finanzierung zunächst gesichert sei. Zwar gibt es noch ein kleine Deckungslücke, aber Professor Dr. Brunnenberg versicherte, „wir werden keinen abweisen, dafür sind wir Tierärzte“.

Auch der Naturschutzbund (Nabu) liefert regelmäßig Wildtiere in der Klinik in Düppel ein – rund 300 jährlich. Da dieser bereits die Bergung, den Transport sowie die anschließende medizinische Versorgung finanziell bestreite, sei es nicht möglich gewesen, auch noch die medizinische Versorgung zu übernehmen, erklärte der 2. Vorsitzende des Nabu-Landesverbandes Berlin, Rainer Altenkamp, in einer Pressemitteilung.

Vor allem Wildvögel werden in der Tierklinik von Bürgern oder Polizei abgegeben. So wie ein junger Habicht, der derzeit dort behandelt wird. Seit sechs Wochen ist er in Düppel und wartet darauf, dass sein gebrochener Flügel heilt. Wie er sich die Verletzung zugezogen hat, konnte Tierärztin Professor Dr. Barbara Kohn nicht sagen, aber vermutlich war er gegen eine Scheibe geflogen. Von der Klinik wird der Greifvogel dann für zwei bis drei Wochen in eine Pflegestation gehen, bevor er wieder in die Freiheit entlassen wird. Kohn war zuversichtlich, dass dies bei dem Tier ohne Probleme gelingen werde. Ebenfalls eine Fraktur hat sich ein Schwan zugezogen, der derzeit in der Tierklinik versorgt wird. Er war von der Wasserschutzpolizei eingeliefert worden.

Von den behandelten Tieren können 70 bis 80 Prozent wieder ausgewildert werden, so Kohn. Allerdings müssen die Ärzte manchmal auch Tiere einschläfern. Gerade bei Frakturen liege die Quote bei bis zu 50 Prozent. Der Grund dafür sei, dass die Tiere oft zu spät eingeliefert würden, manchmal erst, wenn schon Teile des Flügels abgestorben sind.

Wie lange ein Tier in der Klinik bleibt, ist sehr unterschiedlich, von wenigen Stunden bis zu acht Wochen. Neben Vögeln, die einen Großteil der Patienten ausmachen, sind es auch Eichhörnchen, Igel und Fledermäuse aber vereinzelt auch Amphibien, die in die Kleintierklinik gebracht werden.

(go)