Dieter Hallervorden im Kreise von Schauspielern und Regisseuren, mit denen er in die sechste Spielzeit startet. Foto: Gogol

Viel gelobte Inszenierungen aber wenig Geld in der Kasse. Seit fünf Jahren hält Dieter Hallervorden mit viel Mühe und Engagement sein Schlosspark Theater in Steglitz am Laufen. Am Montag hatte er zum Start in die sechste Spielzeit zur Jahrespressekonferenz geladen, um einen Blick auf die vergangenen Monate zurückzuwerfen, aber auch einen Ausblick auf die kommenden Inszenierungen zu geben.

Knapp 100.000 Besucher zählte das Schlosspark-Theater in der vergangenen Spielzeit, so Hallervorden. Die Auslastung lag damit bei rund 62 Prozent – höher als in der vergangenen Spielzeit. Und das trotz Fußball-Weltmeisterschaft. „Die WM hat uns gebeutelt. Gegen Fußball ist kein Kraut gewachsen“, sagte Hallervorden und ergänzte: „Ich freue mich diebisch, dass im nächsten Sommer weder WM noch EM ist“.

Für das trotzdem gute Ergebnis sorgten vor allem die „Sunny Boys“ und „King’s Speech“. Einen Schub habe es auch durch den Erfolg seines Films „Das letzte Rennen“ und den Deutschen Filmpreis für ihn als „besten Schauspieler“ gegeben, so Hallervorden.

Um aber das Theater halten zu können, brauche er finanzielle Unterstützung. Die kam in der vergangenen Spielzeit von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie. „Ich zweifle, dass wir ohne deren Hilfe hier noch stehen würden“. Die Stiftung gibt auch in der beginnenden Spielzeit wieder Geld, ein neuer Antrag läuft. Doch auch vom Senat erhofft sich der Intendant finanzielle Zuwendung. Er führt Gespräche mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Finanzsenator Ulrich Nußbaum. Zudem forderte er alle Politiker, die über den Haushalt beraten auf, sich vor Ort anzuschauen, worüber sie eigentlich entscheiden.

Dieter Hallervorden stellte das Programm der neuen Spielzeit vor. Foto: Gogol

Zwar gibt es seit 2012 pro Spielzeit eine Unterstützung des Senats in Höhe von 230.000 Euro, doch das sei ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Wenn sie uns 40 Prozent von dem zugestehen, was anderen seit Jahren gewährt wird“, dann könne das Schlosspark Theater überleben. „Andere“ das ist zum Beispiel das Renaissance Theater. Mit ihm sowie anderen namenhaften Häusern in der Stadt könne man sich, was die Qualität betrifft, durchaus messen, verwies Hallervorden auf die durchweg guten Kritiken in der vergangenen Spielzeit. Durch die Randlage allerdings und die geringere Zahl an Sitzplätzen sei man schlechter gestellt als diese – und das bei gleich hohen Gagen und Produktionskosten. Zudem zeige das Schlosspark Theater Stücke, die an anderen Boulevard Theater keine Chance hätten.

Während er berichtete, wie viel er tue, um Geld für sein Theater zu akquirieren, gestand Hallervorden wie wenig ihm dieses Klinkenputzen liege. Aber: „Ich liebe dieses Theater und ich will, dass es lange erhalten bleibt.“

Kritikern, die ihm vorhalten, dass er angekündigt hatte, das Theater ohne Subventionierungen führen zu wollen, antwortete er, dass dies eine Fehleinschätzung gewesen sei, für die er lange genug abgestraft worden sei. Fünf Jahre lang habe er für das Haus kostenlos gearbeitet. Doch irgendwann sei eine Grenze erreicht, er könne nicht seine Altersvorsorge aufbrauchen.

Um noch mehr Zuschauer zu gewinnen, hat das Schlosspark Theater auch für die neue Spielzeit wieder ein vielseitiges und anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Die erste Premiere ist „Die Selbstanzeige“ mit Wigald Boning und Thomas Koschwitz am 6. September. Er habe das Stück in Frankreich gesehen und es sich „sofort gekrallt“, so Hallervorden. Aber auch an den ersten Klassiker will sich das Haus wagen, an Molières „Der Bürger als Edelmann.“ Die Komödie, in der der Hausherr selbst mitspielt, wird gemeinsam mit dem Ernst-Deutsch-Theater Hamburg  inszeniert und an beiden Spielstätten gezeigt. Weitere Premieren sind „Misery“ nach dem Roman von Steven King mit Jörg Schüttauf in der Hauptrolle, der erstmals im Schlosspark Theater auf der Bühne stehen wird. Gute alte Bekannte sind hingegen Brigitte Grothum und Achim Wolf in „Geliebter Lügner“. Für „Das Lächeln des Barrakuda“, das sich mit dem Wahlkampf in den USA beschäftigt, und „Die Nervensäge“ wird derzeit noch mit Schauspielern verhandelt.

Längerfristig will Hallervorden den Schwerpunkt seines Theaters auf klassische Stücke verlagern, sagte er. „Minna von Barnhelm“ etwa soll aufgeführt werden, geplant ist aber auch eine Inszenierung von „Amadeus“.

(go)