Auf den Fluren des Rathauses Steglitz wird auf 26 Tafeln die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert erzählt. Foto: Gogol

Zwei Weltkriege, der Untergang von Monarchien, Teilung und Wiedervereinigung – die Geschichte Europas im 20 Jahrhundert war wechselhaft. Nun widmet sich die Ausstellung “Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme. Streiflichter auf die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert” im Rathaus Steglitz diesen Themen.

Die Ausstellung, die noch bis zum 19. September, zu sehen ist, wurde vom Münchner Institut für Zeitgeschichte, vom Deutschlandradio Kultur und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur entwickelt. Sie erzählt Europas 20. Jahrhundert als dramatische Geschichte zwischen Freiheit und Tyrannei, zwischen Demokratie und Diktatur. Sie lädt so zu einer historischen Ortsbestimmung ein, zu der das Jahr 2014 herausfordert.

Im Flyer zur Ausstellung heißt es: “26 großformatige Plakate zeigen, wie die ‘Urkatastrophe’ des 1. Weltkriegs mit ihrer Gewalterfahrung den Aufstieg der totalitären Bewegungen im 20. Jahrhundert begünstigt; und wie die neuen Demokratien, die nach Kriegsende um Stabilität ringen, bald in die Defensive geraten. In Russland kommen die Kommunisten, in Italien die Faschisten an die Macht. In Ostmitteleuropa etablieren sich teilweise autoritäre Regime. Nationalismus, Linksradikalismus, Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungstheorien sind nicht nur in Deutschland verbreitet. Doch hier gelangen 1933 die Nationalsozialisten an die Macht. Zielstrebig bereiten sie einen neuen Krieg vor. Währenddessen wütet in Stalins Sowjetunion der Massenterror. 25 Jahre nach Ausbruch des 1. Weltkriegs entfesselt Deutschland 1939 mit dem Überfall auf Polen den 2. Weltkrieg, den es im Osten als Vernichtungskrieg führt. Zugleich eskaliert der Rassenantisemitismus des NS-Regimes zur systematischen Ermordung der europäischen Juden.

Das Europa der Diktaturen und der 2. Weltkrieg sind ohne den 1. Weltkrieg nicht zu erklären. Die Errichtung neuer, kommunistischer Diktaturen in Ostmitteleuropa nach 1945 sowie die Teilung Deutschlands, Europas und der Welt sind wiederum Folgen des 2. Weltkriegs. Demokratie, Freiheit und Völkerverständigung, die nach 1945 in Westeuropa Schritt für Schritt Allgemeingut werden, bleiben in Ostmitteleuropa vier weitere Jahrzehnte verwehrt.

Erst mit den Umbrüchen und Revolutionen des Jahres 1989 gewinnen die Menschen Ostmitteleuropas ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Die Revolutionen sind nicht nur die Voraussetzung, um die europäische und deutsche Teilung zu überwinden, sondern auch für die europäische Integration. Nach dem Vertrag von Maastricht von 1992 erreicht sie im Jahre 2004 mit der ersten Osterweiterung der EU einen vorläufigen Höhepunkt. Die in die Europäische Union eingebundenen Völker und Staaten haben Lehren aus der Geschichte gezogen. Sie haben sich verpflichtet, Konflikte im Konsens zu lösen und gemeinsam zum Wohle der Staatengemeinschaft zu wirken.”

(sn)