
1928 errichtete Hans Poelzig für die Ausstellung „Bauen und Wohnen“ Wohnhäuser in der Siedlung Am Fischtalgrund in Berlin-Zehlendorf. Nummer 72 A ist eines davon. Das Gebäude wurde grundlegend saniert. Fotos: Kirsten Hertzberg, GAGFAH, Denkmalschutzbehörde
Die Häuser, die den Fischtalpark auf der Nordseite säumen, haben geneigte Dächer und stehen traufständig (Firste verlaufen parallel zur Straße). Ihre ziegelroten Biberschwanzdeckungen schließen bündig mit den Giebelwänden ab (Kanten- oder Ortgangsteine gab es nicht). Die straßenseitigen Dächer zeigen kaum Öffnungen, auf den Gartenseiten finden sich kleinteilige Gauben. Die Fassaden sind entweder hell geputzt oder das Mauerwerk zeigt seine Struktur unter einer beigen Schlämme. Knie- bis mannshohe Mauern verbinden die Häuser und trennen die privaten Gärten von den zur Straße offenen Rasenflächen. Einige Hauseingänge und Terrassen werden überfasst von hölzernen Dachkonstruktionen und Pergolen. Viele Fenster sind kleinteilig und von Sprossen gegliedert.
Der traditionsverhaftete Stil ist nicht zu übersehen und spiegelt bis heute die Idee für den Bau der Siedlung: Bezahlbarer Wohnraum für den Mittelstand, variierende Größen und Formen, zweckmäßige Ausstattung, freie Grundrissgestaltung. Eine bevorzugte Wohnlage am Fischtalpark sollte Angestellten möglich gemacht werden. Bedingung Nr. 1 jedoch war das geneigte (Sattel-) Dach.
Für das Bauprogramm ließ die GAGFAH (Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Angestellten-Heimstätten, gegr. 1918) 1928 eben jene Versuchssiedlung Am Fischtalgrund bauen. 17 namenhafte Architekten stellten sich dieser Aufgabe unter der selbst gewählten Oberleitung Heinrich Tessenows.
Zeitgleich ließ die Gehag (Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft, gegr. 1924) gegenüber eine avantgardistisch orientierte Siedlung bauen. Unter der Leitung von Bruno Taut zusammen mit Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg entstand die dank intensiver Farben und ihrer Flachdächer bekannte Onkel-Tom-Siedlung.
Damit war der Grundstein für den legendären „Zehlendorfer Dächerkrieg“ gelegt: Spitzdach gegen Flachdach, Tradition versus Moderne!
Die Form des Daches wurde zu einem Synonym für dezidierte Erwartungshaltungen. Sehnsucht nach Geborgenheit und flächenverschwenderisches Bauen unterstellte man dem Satteldach, auch die Verweigerung, die grassierende Wohnungsnot entschärfen zu wollen. Das Flachdach hingegen stand für das Neue Bauen, Aufgeschlossenheit, Moderne und Fortschritt.
Im Zentralblatt der Bauverwaltung vom November 1928 kritisiert Gustav Lampmann die Fischtalsiedlung in Grund und Boden. Ähnlich negativ äußert sich Hugo Häring und zieht mit Berechnungen und Vergleichen kritisch Bilanz. Die Bauwelt widmet (Heft 34, 23.08.1928) der Siedlung gar eine ganze Ausgabe, inklusive Dokumentation der einzelnen Häuser. In einem Atemzug wird die Anlage mit berühmten Siedlungen der jüngeren Baugeschichte genannt (tatsächlich vergleichbar waren die jeweils verhältnismäßig eng begrenzten Rahmenbedingungen, die Beteiligung verschiedener Architekten unter frei gewählter künstlerischer Oberleitung, dessen Name zu einem Synonym für die bauliche Haltung wurde und vor allem der jeweilige Ausstellungscharakter mit didaktisch werbender Absicht). Z.B. die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt von 1901 unter der Leitung von Joseph Maria Olbrich oder die Weißenhof-Siedlung 1927 in Stuttgart unter Mies van der Rohe. In Darmstadt und Stuttgart setzte man bewusst auf neue Mittel und Formen, am Fischtalgrund hingegen auf handwerkliche Solidität und Tradition.
Allerdings stehen am Fischtal Moderne und Tradition durchaus auch nebeneinander. Das Büro von Walter Gropius (Direktor am Dessauer Bauhaus) entwarf und baute mit Adolf Sommerfeld die transportable Ausstellungshalle für die Modelle und das Restaurant sowie das Eingangsgebäude der Ausstellung (September bis Oktober 1928). Deutlich auf Fotos zu erkennen: ein Haus mit flachem Dach. Krasser Gegensatz zu den übrigen Ausstellungshäusern, der so manchen Kommentar provozierte.
Trotz des Siedlungsthemas wurde jedes Haus zu einem Unikat, so auch das Doppelhaus von Hans Poelzig. In der Stuttgarter Weißenhofsiedlung unterwarf Poelzig sich noch der Avantgarde, Am Fischtalgrund setzte er konservative Forderungen um, die er dann schriftlich zu erläutern suchte. Genauer betrachtet jedoch, vereint sein Entwurf beide Richtungen. Poelzig bewies, dass die klaren Vorgaben zu Material und Dachform nicht notgedrungen Heimatstil bedeuten, sondern durchaus Raum für Kreativität und Eigenständigkeit bieten: symmetrische Gliederungen, klaren Linien, die Betonung der Horizontalen in der Reihung der Fenster, die sehr flach und lang gezogenen Gauben, eine ununterbrochen durchlaufende Traufkante, die über die komplette Breite geschlossene Balkonbrüstung, der Einsatz von Klinkerkonturen im Sockel und als verbindendes Band, das den Giebel rahmt und die Fassaden seitlich abschließt.
Das Doppelhaus von Hans Poelzig erfuhr in seiner Nutzungsgeschichte Überformungen, die die ursprüngliche Haptik und Proportion ignoriert haben. Doch neuerlich überzeugt zumindest die rechte Hälfte wieder als ureigener Poelzig! Nummer 72 A wurde grundlegend saniert. Die beschriebenen Details des Poelzig-Entwurfs sind wieder lesbar. Eine gelungene Sanierung, die Ansporn für weitere Wiederentdeckungen Am Fischtalgrund sein möge
Dr. Jörg Rüter/Denkmalschutzbehörde












Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Damit auch alles glatt läuft für die Radfahrer, wurde jetzt das Kopfsteinpflaster abgefräst.
Vor gut einem halben Jahr wurde auf dem Tietzenweg zwischen Unter den Eichen und Gardeschützenweg die Fahrradstraße fertiggestellt. Hier haben Radfahrer Vorrang, Kraftfahrzeuge werden als Anlieger weiterhin zugelassen. Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen nebeneinander fahren, für alle gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung auf maximal 30 km/h. Ausnahmen gelten für Müllfahrzeuge, Rettungswagen sowie für Polizei und Feuerwehr.
Eine Weiterführung der Vorrangstraße für Radfahrer ist ab dem Gardeschützenweg perspektivisch bis zum Hindenburgdamm vorgesehen. Damit Radfahrer in Richtung Augustastraße weiter komfortabel unterwegs sein können, wird derzeit das Kopfsteinpflaster geglättet. Zunächst hat sich die große Maschine durch den Tietzenweg zwischen Gardeschützenweg und Viktoriastraße gescheppert. Derzeit wird das nächste Teilstück bis zur Augustastraße fertiggestellt.
Im Zuge dessen wird die Kreuzung Tietzenweg/Sophienstraße/Viktoriastraße asphaltiert und barrierefrei ausgebaut. Gehwegvorstreckungen sollen die Wegebeziehungen verbessern und Übergänge sicherer machen.
Die Kosten für die bisherigen Maßnahmen liegen bei rund 800.000 Euro. Nach Angaben des zuständigen Stadtrats Urban Aykal (Grüne) wurden für den ersten Abschnitt 155.000 Euro ausgegeben. Für den zweiten Teil werden insgesamt 650.000 Euro fällig, davon alleine 300.000 Euro für das Abfräsen des Pflasters.
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Frisch gefrästes Kopfsteinpflaster: eben und mit kleinen Rillen. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In einem dritten Abschnitt soll im nächsten Jahr der dritte Bauabschnitt bis zum Hindenburgdamm fertiggestellt werden. Das Ziel ist es, so Stadtrat Aykal, „eine sichere Radverbindung von Lankwitz und Lichterfelde zur FU und zur City West zu schaffen“. Auch vor dem Hintergrund, dass an der Drakestraße aufgrund der geringen Breite kein Radweg angelegt werden könne, sei das „sehr wichtig“.
Als Urban Aykal die Ideen im Juni vergangenen Jahres erstmals im Rahmen des Runden Tisches vorstellte, sprach er von einem „Campus Lichterfelde West“. Gemeint sind verkehrliche Maßnahmen für die dortigen 10 Schulen und zahlreichen Kitas mit ihren rund 10.000 Kindern und Jugendlichen.
Der Tietzenweg, der Teil des Berliner