Kein gefährliches Pflaster. Der Kranoldplatz ist sicherer als die meisten denken. Archiv-Foto: sv

Der Kranoldplatz ist sicherer als wohl die meisten Anwohner glauben – zumindest nach den Worten von Polizeirätin Mona Haverstreng, stellvertretende Leiterin des zuständigen Polizeiabschnitts 46. Mit zwei Kollegen war sie am Dienstagabend auf Einladung des CDU-Ortsverbandes Lilienthal in das Restaurant Stellwerk gekommen, um mit Anwohnern darüber zu diskutieren, wie sicher oder unsicher der Kranoldplatz denn nun ist.

„Wir kennen die Sorgen und Nöte rund um den Kranoldplatz“, sagte Haverstreng. Viele Bürger würden es so empfinden, dass die Kriminalitäts- und Ordnungslage sich stark verschlechtert habe, es sogar eine „Verwahrlosungstendenz“ gebe. Doch aus Sicht der Polizei sei das nicht zu bestätigen. Sie habe sich die Kriminalitätsstatistik angeschaut. Demnach sei die Zahl von Straftaten von Januar bis Mai 2013 etwa nur halb so hoch wie im vergangenen Jahr im gleichen Zeitraum.

Hinsichtlich der Verkehrslage sei dies ähnlich. Zwar sei die Verkehrssituation gefährlich, weil es so unübersichtlich sei – vor allem für Radfahrer. Aber der Kranoldplatz sei kein Unfallschwerpunkt, so Haverstreng. An der Kirche in Lankwitz etwa seien die Unfallzahlen deutlich höher. Allerdings gebe es eine hohe Anzahl von Rangierunfällen auf dem Parkplatz.

Mit diesen kurzen einleitenden Worten war dann die Diskussion eröffnet.

Wie stehe es denn mit Obdachlosen, wollte die CDU-Ortsvorsitzende Cornelia Seibeld wissen. Sie sei bereits mehrfach von Bürgern angesprochen worden, dass sie belästigt worden seien. Vor allem eine Frau sei dabei aufgefallen. Dass die Frau dort bekannt sei, bestätigte der Kontakbereichsbeamte Ralf Polski. Die Frau sei zwischen Lankwitz Kirche und Kranoldplatz regelmäßig unterwegs, um nach einem Schlafplatz zu suchen. Das sei aber keine Straftat. Es handele sich vielmehr um eine hilflose Person. Dass man sich bedroht fühle und sich ängstige, könne er verstehen, aber das sei ein subjektives Empfinden. „Damit muss man in einer Großstadt leben“, fand er. Und auch Haverstreng betonte, dass man Obdachlose nicht einfach so kriminalisieren könne.

Viele Einbrüche, wenig Gewalt

„Es ist eine Menge los“ in Sachen Kriminalität, fand Erdal Balli, Inhaber des gleichnamigen Imbiss und des Stellwerks. Dass ihm die Pflanzen am Eingang gestohlen worden, sei nur ein kleines Übel. Dreimal sei er in den vergangenen acht Jahren überfallen worden, auch mit Messer habe man ihn schon bedroht. Seit die Bar weg sei, habe es sich allerdings ein wenig gebessert. Aber Balli räumte auch ein, dass er sich im Bezirk sicher fühle.

Hauptstraftaten in Lichterfelde seien Eigentumsdelikte – Einbrüche in Einfamilienhäuser, Diebstähle aus Autos, erklärte Haverstreng, Gewalttaten hingegen gebe es im Ortsteil weniger.

Wenig zufrieden mit den Ausführungen der Polizeirätin zeigte sich ein Anwohner des Oberhofer Weges. Die Zahl der Einbrüche habe in den vergangenen 20 bis 30 Jahren zugenommen, fand er. Und verwies dabei auf die steigende Zahl von Immigranten. Da gab es Protest aus dem Publikum und auch Haverstreng wollte diesen Zusammenhang genauso wenig bestätigen wie die Zunahme von Einbrüchen.

Mehr Kontrollen für Radfahrer

Neben diesen große Straftaten gebe es aber auch die kleinen Delikte auf der Straße, die in keine Statistik einfließen. Er sei sehr erschreckt, wie häufig der Fußweg von Radfahrern widerrechtlich genutzt werde, sagt ein Friedenauer, der sehr häufig am Kranoldplatz unterwegs ist. Es gebe viele Beinahe-Unfälle. Das müsste strenger kontrolliert, Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung mehr verfolgt werden, fand nicht nur er.

Mit dafür verantwortlich für die Situation sei auch der „völlig insuffiziente Fahrradweg“, der einfach irgendwann ende, sagte er CDU-Bezirksverordnete Oliver Rolle. Ob die Einrichtung eines Fahrradstreifens möglich sei und der Autoverkehr dann nur noch über eine Spur geführt werden kann, werde von verschiedenen Stellen unterschiedlich beantwortet.

Ein weiteres Thema brachte dann Kathrin Backhaus noch zur Sprache. An Markttagen würden Gehwege von den Fahrzeugen der Markthändler so zugeparkt, dass Menschen mit Rollstuhl und Rollatoren, ja selbst Mütter mit Kinderwagen nicht mehr durchkämen. Rolle bestätigte, dass das Ordnungsamt in diesen Fällen etwas zurückhaltender kontrolliere, weil man Sorge habe um den Bestand des florierenden Marktes – was für Backhaus nach einer Art Freifahrtsschein klang.

Sorgen aber auch Anregungen nahmen an diesem Abend nicht nur die Polizeibeamten mit, sondern auch die Mitglieder der Bürgerinitiative Kranoldpaltz, die mit im Publikum saßen und eine Umgestaltung des Platzes vorantreiben.

 (go)