
Foto: Deutsches Kinderhilfswerk
Spielstraßen, Tempo 30, Schulzonen, geschütztes Radfahren – auch im Berliner Südwesten setzen sich Eltern und Kinder für Sicherheit im Straßenverkehr ein.
So nehmen insgesamt 40 Nachbarschaftsinitiativen in allen zwölf Bezirken an den berlinweiten Spielstraßenaktionstagen teil. Sowohl am Weltkindertag ( Samstag, 20.9.), als auch am Internationalen autofreien Tag (Montag, 22.9.), werden jeweils 20 Straßen von 15-19 Uhr bespielt. Mit dabei sind Initiativen im Sprungschanzenweg in Dahlem und in der Gritznerstraße in Steglitz.
Das Bündnis Temporäre Spielstraßen initiierte die Aktion vor sieben Jahren, bisher mit (auch finanzieller) Unterstützung des Senats. Ob das so bleibt, ist ungewiss. „Denn im Senatsentwurf des Berliner Doppelhaushalts 2026/2027 ist für die temporären Spielstraßen kein konkreter Betrag ausgewiesen“, teilt das Bündnis mit. Für das laufende Jahr stünden noch 150.000 Euro zur Verfügung. Dieser Betrag sei vor allem für die übergeordnete Organisation, für die Beschilderung sowie für Beratung und Unterstützung von Bezirken und Initiativen nötig.
Gabi Jung, Sprecherin des Bündnis Temporäre Spielstraßen, erklärt: „Mit überschaubaren finanziellen Mitteln wird über die ganze Stadt viel erreicht. Menschen vor Ort werden unterstützt, den Straßenraum zeitweise für Spiel und Begegnung zu nutzen, die Nachbarschaft wird gefördert und Berlin ein Stück lebenswerter gemacht. Dies ist nur durch die finanzielle Unterstützung des Senats möglich. Deshalb fordern wir, dass die Mittel auch in den folgenden Jahren erhalten bleiben.“
Am Freitag fand auch zum 20. Mal der internationale Parking Day statt, in Berlin beteiligen sich seit 2016 mehrere Initiativen. In Steglitz-Zehlendorf war die Grundschule am Insulaner mit einem besonderen Schulfest dabei: die Schulgemeinschaft setzt sich für eine Schulstraße ein. Ziel ist die temporäre Sperrung der Straße zu den Stoßzeiten, also zu Schulbeginn und zu den Abholzeiten. Politiker von Grünen, SPD und Linken bekundeten ihre Sympathie und sicherten Unterstützung zu.
„Ein buntes Programm und der Sponsorenlauf haben gezeigt, wie lebendig und sicher eine geschützte Schulstraße genutzt werden kann“, sagt beispielsweise Matthias Kollatz (SPD). Tempo 30 vor Schulen sei „nicht nur wünschenswert, sondern notwendig“. Und: „Sicherheit für Kinder geht vor. Deshalb setzen wir uns auch für Tempo 30 auf der Albrechtstraße ein.“
Die Absicht des Senates, auf der Albrechtstraße (und weiteren 21 Berliner Straßen) wieder Tempo 50 anzuordnen, stößt im Bezirk auf Kritik. „Die Entscheidung der Senatsverwaltung gefährdet die Gesundheit und das Leben von Hunderten Kindern in Steglitz“, sagt Rico Leifheit vom Netzwerk Schulwegsicherheit, einer Arbeitsgruppe des Bezirkselternausschusses. Die Albrechtstraße sei ein zentraler Verkehrsweg im Herzen von Steglitz. „Im unmittelbaren Umkreis von 500 Metern befinden sich mehrere Schulen und zahlreiche Kitas. Täglich queren und befahren Hunderte von Kindern diese Straße – zu Fuß und mit dem Fahrrad. Gerade auf dem Abschnitt ohne Radwege sind sie bei einem Tempolimit von 50 km/h massiv gefährdet.“
Um Druck zu machen, haben die Eltern einen Einwohnerantrag formuliert, für den nun Unterstützungsunterschriften gesammelt werden. Denn um ein Thema in die BVV zu tragen, wo dann darüber diskutiert und entschieden wird, braucht es mindestens 1000 Bürger, die das Anliegen ebenso auf der Tagesordnung des Bezirksparlaments sehen möchten.
Die Ziele der Eltern: „Wiedereinführung von Tempo 30 auf der Albrechtstraße zum frühestmöglichen Zeitpunkt, Konsequente Umsetzung der StVO, die Tempo 30 auf hochfrequentierten Schulwegen vorsieht, Sichere Wege für Kinder, ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln“. Wer den Einwohnerantrag unterstützen möchte, findet hier die Unterschriftenliste:
Aktuell gehen auch jene wieder auf die Straße, die sich für sicheres Radfahren für Kinder im Straßenverkehr einsetzen. „Kidical Mass“ nennt sich das seit fünf Jahren bestehende Aktionsbündnis, das sich in diesen Tagen wieder bundesweit für sichere Straßen einsetzt. In Berlin organisiert der Verein Changing Cities Fahrraddemos in den Bezirken. In Steglitz-Zehlendorf startet eine Protestfahrt am Samstag, den 27. September, um 15 Uhr am Rathaus Steglitz.
Infos hier: https://changing-cities.org/kampagnen/kidical-mass-berlin/
Daniela von Treuenfels
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Johanna Mertens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]
Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament. Das hat die BVV in der vergangenen Woche beschlossen.
Wir dokumentieren die Rede von Johanna Martens, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, im Wortlaut:
Wir haben vor anderthalb Jahren einstimmig beschlossen, ein Beteiligungsgremium für Kinder und Jugendliche auf den Weg zu bringen. Seitdem ist viel passiert: Es gab einen strukturierten Beteiligungsprozess, Gespräche in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und mit Fachkräften. Und vor allem mit den jungen Menschen selbst.
Wir haben uns bewusst nicht vorab auf eine Struktur für ein solches Gremium festgelegt und diese den Kindern- und Jugendlichen vorgesetzt, sondern den Beteiligungsprozess ernst genommen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Die Kinder und Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf wollen ein Kinder- und Jugendparlament.
Das Kinder- und Jugendparlament wird demokratisch gewählt, breit zusammengesetzt aus Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereinen und weiteren Organisationen. Es gibt klare Regelungen zur Repräsentanz und zur Einbindung verschiedener Gruppen im Bezirk.
Und mit der Änderung der Geschäftsordnung integrieren wir dieses neue Gremium in unsere Arbeit in der BVV: Das Kinder- und Jugendparlament wird zu den Sitzungen eingeladen, kann eigene Anträge in die BVV einbringen und erhält eine nachvollziehbare Rückmeldung, wenn Anträge abgelehnt werden sollten. Auch Rederechte sind vorgesehen. Das sind notwendige strukturelle Veränderungen, die echte Mitwirkung ermöglichen.
Warum ist das so wichtig? Weil wir damit zeigen, dass wir die Anliegen junger Menschen ernst nehmen. Weil wir damit Vertrauen in die Bezirkspolitik schaffen. Und weil wir somit ganz konkret in und mit diesem Gremium etwas gegen Politikverdrossenheit tun.
Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Politik über sie hinweg entscheidet, sie nicht ernst nimmt. Doch wer früh erlebt, dass die eigene Stimme gehört wird und Einfluss hat, entwickelt Vertrauen in demokratische Prozesse. Mit diesem Beschluss heute können wir zeigen: Eure Perspektiven sind nicht nur willkommen – sie haben Gewicht.
Gleichzeitig profitieren auch wir als Bezirksverordnete und der Bezirk selbst: Kinder und Jugendliche nehmen ihren Bezirk anders wahr als wir Erwachsene, haben oft einen anderen Blick auf ihren Alltag: auf Schulwege, Freizeitangebote oder öffentliche Räume. Sie sehen Probleme, die wir vielleicht übersehen würden und haben Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden. Diese Perspektiven machen unsere Entscheidungen als BVV besser.
Deshalb geht es heute auch um Vertrauen: Vertrauen darin, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können und wollen. Und dass sie uns als Bezirkspolitik vertrauen können. Und es geht um Respekt: Respekt vor der Zeit, dem Engagement und den klaren Forderungen, die im Beteiligungsprozess formuliert worden sind.
Ich möchte mich deshalb im Namen der Grünen Fraktion ausdrücklich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben: bei allen Kindern und Jugendlichen, die sich eingebracht haben, bei den Einrichtungen, Fachkräften und der Verwaltung, die diesen Prozess getragen haben. Sie haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute diesen Schritt gehen können.