Alleinerziehende sind nicht allein

Alleinerziehende sind nicht allein

Austausch, Vernetzung und gemütliches Beisammensein: Das Sommerfest bot einen entspannten Rahmen für Alleinerziehende und ihre Themen. Foto: ©DWSTZ e.V.

 

Das Sommerfest für Einelternfamilien zeigte die Angebote für Alleinerziehende in Steglitz-Zehlendorf in seiner ganzen Breite, Familien stehen ganzjährig Treffpunkte und Beratungsangebote zur Verfügung. Nächstes Ziel der Koordinierungsstelle ist eine Webseite mit allen wichtigen Informationen.
 
Es gibt viele Gründe ein Fest zu veranstalten. Doch nicht jeder findet Zeit um ausgelassen zu feiern. Der Job, die Kinder, der Haushalt. Alles muss unter einen Hut gebracht werden. Elternteile, die ihre Kinder allein großziehen, haben es mit ihrer Zeiteinteilung besonders schwer. Damit auch Einelternfamilien die Möglichkeit haben, einmal ausgelassen zu feiern, organisierte die Koordinierungsstelle des Netzwerks für Alleinerziehende im Bezirk Steglitz-Zehlendorf am vergangenen Freitag ein Sommerfest. Im interkulturellen Familienzentrum Familien-RING im Selerweg 17 wurde dabei Einiges geboten, auch um ein Signal der Wertschätzung an die Alleinerziehenden zu senden. Während sich die rund 100 Mütter und Väter in einer Wellness-Area mit kostenlosen Massagen erholen und stylen lassen konnten, gab es für die Kinder eine Hüpfburg, ein Puppentheater sowie Tanz- und Kreativworkshops.
 
Außerdem war der Berliner Beirat für Familienfragen, der den Berliner Senat in Fragen der Familienpolitik berät, vor Ort und nahm Anliegen und Wünsche der Eltern entgegen. Dessen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben nicht nur zugehört. Das Erzählte wird Eingang in den nächsten Familienbericht finden, den der Beirat in jeder Legislaturperiode im Auftrag des Berliner Senats erstellt. Auf diese Weise können die Anliegen der Alleinerziehenden auch in politischen Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden.
 
Um die dreißig Netzwerkpartner fasst das Netzwerk für Alleinerziehende. Viele von ihnen nutzten das Sommerfest, um über Angebote und Beratungsmöglichkeiten im Bezirk zu informieren. Dörte Scheurich, Koordinatorin des Netzwerks, war das besonders wichtig. Sie sagt: „Das Sommerfest hat einen Mehrwert sowohl für die alleinerziehenden Mütter und Väter als auch für die mitwirkenden Fachkräfte aus dem Netzwerk. Die Solo-Eltern erfahren von Angeboten wie beispielsweise dem Sonntagsfrühstück für Alleinerziehende im Gutshaus Lichterfelde oder der flexiblen Kinderbetreuung im Familienzentrum JeverNeun und lernen Eltern in einer ähnlichen Lebenssituation kennen. Aber auch die Netzwerkpartner nutzen die Chance, um sich untereinander besser kennenzulernen und sich für künftige Vorhaben zu vernetzen.“ Eine gemeinsame Webseite, die die Angebote aller Netzwerkpartner bündelt, gibt es bisher nicht, sei aber nach Angaben von Scheurich bereits in Planung.
 
Zum Netzwerk gehört seit diesem Jahr auch die Anlaufstelle für Alleinerziehende. In der Albrechtstraße 82 in Steglitz berät Madlen Schröder vertraulich und kostenlos Alleinerziehende bei allen Fragen, die sich ihnen stellen. Das Angebot richtet sich an Eltern, die bereits alleinerziehend sind, Eltern, die an eine Trennung denken oder sich bereits im Trennungsprozess befinden sowie an Schwangere, die voraussichtlich alleinerziehend sein werden. Die Themen sind vielfältig. Schröder beantwortet unter anderem Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, finanziellen Leistungen wie zum Beispiel Bürgergeld oder Elterngeld, über die Kommunikation mit Ämtern bis hin zur Freizeitgestaltung und Vernetzung. Gefördert wird die Anlaufstelle, dessen Träger das Diakonische Werk Steglitz und Teltow-Zehlendorf ist, aus Mitteln der Senatsverwaltung. Die Beratung ist eine Ergänzung zu den bereits etablierten Newslettern der Koordinierungsstelle, die Alleinerziehende mit gebündelten, zielgruppenrelevanten Informationen und Hinweisen versorgen.
 
Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gibt es aktuell circa 7800 Alleinerziehende, ungefähr neunzig Prozent von ihnen sind berufstätig. Zu ihnen gehört auch die 31-jährige Maria K. (Name von der Redaktion geändert). Sie ist mit ihrem fünfjährigen Sohn Oskar auf dem Sommerfest, der ausgelassen auf der Hüpfburg herumspringt. Das gefalle ihr besonders. Maria sagt: „Auf einem anderen Sommerfest vor Kurzem hat er sich nicht getraut. Hier geht es weniger wild zu und er hat nur einen Anlauf gebraucht, um in die Hüpfburg zu klettern.“ Außerdem fühle sie sich auf Veranstaltungen für Familien, die sich nicht speziell an Alleinerziehende richten, oft ausgegrenzt. Das sei hier ganz anders, meint sie. Maria ist berufstätig und lebt getrennt von Oskars Vater. „Er kann sich nicht regelmäßig um Oskar kümmern, dazu ist er leider nicht in der Lage. Vielleicht irgendwann“, erzählt sie. Auf Grund der Umstände ist der Alltag der alleinerziehenden Mutter zeitlich eng getaktet, sodass wenig Zeit zum Durchatmen bleibt. Auf dem Sommerfest hat Maria vom Angebot des Stadtteilzentrums Steglitz erfahren, das alle vierzehn Tage mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr in den Räumen des Nachbarschaftsladen Leonie in der Leonorenstraße 85 in Lankwitz eine flexible Kinderbetreuung für Kinder von Alleinerziehenden im Alter von vier bis zehn Jahren anbietet. Sie freut sich und sagt: „Das werde ich bestimmt nutzen. Dann kann ich endlich mal wieder zum Sport gehen.“ Eine ähnliche Betreuungsmöglichkeit gibt es im Jugend- und Familienzentrum JeverNeun in Steglitz im Rahmen der Familienförderung für Kinder zwischen drei und zehn Jahren jeden Dienstag zwischen 15 und 18 Uhr.
 
Angebote der vielen weiteren Netzwerkpartner und aktuelle Informationen für Alleinerziehende erhalten Interessierte aus dem Newsletter der Koordinierungsstelle. Um diesen zu abonnieren, bedarf es einer einfachen Anfrage per E-Mail an die Netzwerk-Koordinatorin Dörte Scheurich.
 
Kontakt und Ansprechpartner: 
 
Koordinierungsstelle Netzwerk für Alleinerziehende Steglitz-Zehlendorf beim Diakonischen Werk Steglitz und Teltow-Zehlendorf: 
 
Ansprechpartnerin: Dörte Scheurich
 
Adresse: Albrechtstraße 82, 12167 Berlin
 
E-Mail: ks-alleinerziehende@dwstz.de
 
Telefon: 0176/ 56 82 66 69
 
Anlaufstelle für Alleinerziehende beim Diakonischen Werk Steglitz und Teltow-Zehlendorf: 
 
Ansprechpartnerin: Madlen Schröder
 
Adresse: Albrechtstraße 82, 12167 Berlin
 
E-Mail: beratung-alleinerziehende@dwstz.de
 
Telefon: 0159/ 06 80 04 63
 
Kinderbetreuung im Nachbarschaftsladen Leonie für Kinder von 4-10 Jahren (Anmeldung erforderlich) 
 
Ansprechpartnerin: Katrin Reiner (Familienförderung im Stadtteilzentrum Steglitz)
 
E-Mail: reiner@stadtteilzentrum-steglitz.org
 
Telefon: 0160/ 96 20 94 72
 
Kinderbetreuung im Jugend- und Familienzentrum JeverNeun für Kinder von 3-10 Jahren (Anmeldung erforderlich) 
 
Ansprechpartnerin: Anna Bräkling (Familienförderung im JeverNeun)
 
E-Mail: Familienbildung-sz@nbhs.de
 
Telefon: 030/ 79 74 78 04
 
Weitere berlinweite Informationen der Landeskoordinierungsstelle des Berliner Netzwerks für Alleinerziehende unter: https://alleinerziehend-berlin.de/ 
 
 
 
Junia Greb-Georges 

 

 

 

 

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„Perspektiven der Kinder und Jugendlichen machen unsere Entscheidungen besser“

[caption id="attachment_103286" align="aligncenter" width="400"] Johanna Martens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]   Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament. Das hat die BVV in der vergangenen Woche beschlossen. Wir dokumentieren die Rede von Johanna Martens, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, im Wortlaut: Wir haben vor anderthalb Jahren einstimmig beschlossen, ein Beteiligungsgremium für Kinder und Jugendliche auf den Weg zu bringen. Seitdem ist viel passiert: Es gab einen strukturierten Beteiligungsprozess, Gespräche in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und mit Fachkräften. Und vor allem mit den jungen Menschen selbst. Wir haben uns bewusst nicht vorab auf eine Struktur für ein solches Gremium festgelegt und diese den Kindern- und Jugendlichen vorgesetzt, sondern den Beteiligungsprozess ernst genommen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Die Kinder und Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf wollen ein Kinder- und Jugendparlament. Das Kinder- und Jugendparlament wird demokratisch gewählt, breit zusammengesetzt aus Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereinen und weiteren Organisationen. Es gibt klare Regelungen zur Repräsentanz und zur Einbindung verschiedener Gruppen im Bezirk. Und mit der Änderung der Geschäftsordnung integrieren wir dieses neue Gremium in unsere Arbeit in der BVV: Das Kinder- und Jugendparlament wird zu den Sitzungen eingeladen, kann eigene Anträge in die BVV einbringen und erhält eine nachvollziehbare Rückmeldung, wenn Anträge abgelehnt werden sollten. Auch Rederechte sind vorgesehen. Das sind notwendige strukturelle Veränderungen, die echte Mitwirkung ermöglichen. Warum ist das so wichtig? Weil wir damit zeigen, dass wir die Anliegen junger Menschen ernst nehmen. Weil wir damit Vertrauen in die Bezirkspolitik schaffen. Und weil wir somit ganz konkret in und mit diesem Gremium etwas gegen Politikverdrossenheit tun. Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Politik über sie hinweg entscheidet, sie nicht ernst nimmt. Doch wer früh erlebt, dass die eigene Stimme gehört wird und Einfluss hat, entwickelt Vertrauen in demokratische Prozesse. Mit diesem Beschluss heute können wir zeigen: Eure Perspektiven sind nicht nur willkommen – sie haben Gewicht. Gleichzeitig profitieren auch wir als Bezirksverordnete und der Bezirk selbst: Kinder und Jugendliche nehmen ihren Bezirk anders wahr als wir Erwachsene, haben oft einen anderen Blick auf ihren Alltag: auf Schulwege, Freizeitangebote oder öffentliche Räume. Sie sehen Probleme, die wir vielleicht übersehen würden und haben Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden. Diese Perspektiven machen unsere Entscheidungen als BVV besser. Deshalb geht es heute auch um Vertrauen: Vertrauen darin, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können und wollen. Und dass sie uns als Bezirkspolitik vertrauen können. Und es geht um Respekt: Respekt vor der Zeit, dem Engagement und den klaren Forderungen, die im Beteiligungsprozess formuliert worden sind. Ich möchte mich deshalb im Namen der Grünen Fraktion ausdrücklich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben: bei allen Kindern und Jugendlichen, die sich eingebracht haben, bei den Einrichtungen, Fachkräften und der Verwaltung, die diesen Prozess getragen haben. Sie haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute diesen Schritt gehen können.

Johanna Martens

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