Für Familie Krüger heißt es nun Abschied zu nehmen von der Domäne Dahlem. Archiv- Foto: Wendlandt

Nach rund anderthalb Jahren ist der Rechtsstreit zwischen der Domäne Dahlem und Eva Marie Krüger beendet.  Nach 23 Jahren muss die Blaudruckerei von Familie Krüger nun wirklich das Landgut verlassen. Bis 5. September ist die Werkstatt zu räumen.

Ein harter Schlag für die Familie. „Sie haben uns zum Sozialfall gemacht“, sagt Krüger in Richtung des Vorstands der Stiftung der Domäne Dahlem.

Seit 1988 arbeiten Krüger und ihr Mann auf dem Landgut. Die Blaudruckerei ist ein altes Handwerk, deutschlandweit gibt es nur noch eine handvoll Betriebe, die diesem nachgehen. Krügers öffneten ihre Werkstatt für Besucher, erläuterten Schulklassen ihre Arbeit. Als Gegenleistung mussten sie keine Kaltmiete zahlen, allerdings seien einmal jährlich Umlagen hinzugekommen, mitunter in dreistelliger Höhe, so Krüger.  2001 beschloss dann das Land Berlin, keine eigenen Grundstücke mehr kostenfrei abzugeben. Weil aber die Werkstatt in einem schlechten Zustand war, konnten Krügers vorübergehend ohne Miete zu zahlen bleiben.

2011 begannen die Sanierungen auf der Domäne. Da habe man ihr einen Rahmenvertrag vorgelegt, den sie auch unterschrieben habe, sagt Krüger. Nach Abschluss der Arbeiten habe ihr die Stiftung der Domäne Dahlem einen neuen Vertrag gegeben – und der habe nicht mehr mit dem Vorvertrag übereingestimmt. Neue Kosten und Bedingungen seien hinzugekommen. „Knebelverträge“ nennt Krüger das, was man ihr anbot. Ihr Betrieb sei ein musealer und nicht auf Rendite angelegt. Sie habe versucht, mit den Stiftungsvorständen zu reden, doch das sei einfach nicht möglich gewesen. Deshalb sah sie sich zur Klage gezwungen, weil sonst die Kündigung durch die Stiftung rechtswirksam geworden wäre.

Stiftungsvorstand Dr. Peter Lummel sieht das anders. Man habe der Blaudruckerei einen „extrem niedrigen Mietzins“ angeboten, „kulturfreundliche 3,50 Euro pro Quadratmeter“, statt der zehn Euro pro Quadratmeter, die die Stiftung als Pacht an das Land zahlen müsse. Das hätte für die Familie eine Miete von 172 Euro im Monat bedeutet. Doch Krügers hätten sich geweigert, überhaupt etwas zu bezahlen, so Lummel, obwohl man ihre Werkstatt für knapp 42.000 Euro saniert habe. Deshalb habe man der Familie gekündigt.

Den Vorwurf, nichts zahlen zu wollen, weist Krüger entschieden zurück. Die 3,50 Euro pro Quadratmeter wäre sie bereit zu zahlen, aber es würden nach neuem Vertrag zusätzliche Kosten hinzukommen, so dass sich eine monatliche Miete von knapp 500 Euro ergeben würde. „Wir wollen Miete zahlen, wir wollen der Domäne auch nicht schaden. Mein Herz hängt an der Domäne“, betont sie noch einmal.

Wie es mit ihrer Blaudruckerei weitergehen soll, weiß Krüger noch nicht. Sie hat sich jetzt an den Petitionsausschuss des Senats gewandt. Der ist ihre letzte Hoffnung, sagt sie.

Dass die Domäne-Stiftung im Fall von Krügers so hart vorgegangen ist, sieht Hofschmied Torsten Theel darin, dass die Familie sich an die Presse gewandt hatte. „Das haben sie ihr nicht verziehen“, ist sich Theel sicher. Er selbst habe viel aggressiver mit dem Stiftungsvorstand diskutiert als Eva Marie Krüger, sagt er.

Sechs Euro pro Quadratmeter habe die Domäne von ihm als Mietzins haben wollen. Theel erinnerte die Vorstände daran, dass die Handwerksbetriebe für die Domäne auch Leistungen erbringen, indem sie ihr Handwerk Besuchern zeigen und Schulklassen betreuen. Das alles tun sie jedoch unentgeltlich. Wenn man ihm nur eine Stunde seiner Öffentlichkeitsarbeit für die Domäne pro Woche bezahlen würde, hätte er auch die verlangte Miete zahlen können, so Theel. Doch das habe die Domäne abgelehnt.

Dass er noch da ist, verdanke er unbekannten Fürsprechern, anders kann sich der Hofschmied nicht erklären, dass der Staatssekretär plötzlich seinen Mietzins festlegte.

Er bedauere es zutiefst, dass Krügers gehen müssen, sagt der Hofschmied. Er würde es gern sehen, wenn die Familie zurückkommen könnte, denn sie habe eine gute Arbeit geleistet – und das sei doch das Einzige, das zähle.

Nach der Stellmacherei ist die Blaudruckerei der zweite Handwerksbetrieb, der auf der Domäne Dahlem schließt.

Lummel ist froh, das der Rechtsstreit vorbei ist. Was mit der Werkstatt der Krügers passieren soll, weiß er bereits. So soll sie während der Sanierung des Pferdestalls als Ausweichquartier für die pädagogischen Angebote der Domäne dienen. Anschließend soll dort wieder ein traditionelles Handwerk einziehen. Welche Art, kann Lummel noch nicht sagen, es soll aber ein ländlichen Handwerk sein, das in die Domäne passe. Dazu werde es bundesweite Ausschreibungen geben.

 (go)