
Archivbild: Herbst 2022 auf der Domäne Dahlem | Foto: Daniela von Treuenfels
Ohne ihre Freunde gäbe es die Domäne Dahlem heute nicht. Der Verein feiert sein Landgut und zivilgesellschaftliche Beharrlichkeit in diesem Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen.
Das ehemalige Rittergut hat mit seiner rund 800jährigen Geschichte eine lange Tradition, doch die heutige Nutzung als landwirtschaftlicher Betrieb mit Museum und zahlreichen Veranstaltungen ist alles andere als selbstverständlich:
Die erstmals 1375 urkundlich erwähnte Domäne ging 1841 in staatlichen Besitz über. Ab der Jahrhundertwende wurde das Gelände zum erheblichen Teil für den Ausbau Berlins als Wissenschafts- und Kulturstandort und als Siedlungsfläche verwendet. Das ehemalige Gut schrumpfte von ursprünglich 500 Hektar auf rund ein Zehntel der Fläche. Auch der Bau der U 3, die 1913 fertiggestellt wurde, sollte den Wert des Baulandes steigern.
In den 70er Jahren wurden die Berliner Stadtgüter, damals Besitzer der Domäne, abgewickelt. Es drohte der Verkauf aller Flächen und Gebäude. Dass die Privatisierung abgewendet wurde, ist der 1977 gegründeten Bürgerinitiative „Freunde der Domäne Dahlem e.V.“ zu verdanken. Eine Gruppe von anfangs 30 Ehrenamtlichen begann, auf den verbliebenen 12 Hektar Gesamtfläche ein Konzept für ein landwirtschaftliches Freilichtmuseum zu entwickeln und umzusetzen.
10 Jahre später gab es die ersten Fördermittel des Berliner Senats, über die Jahrtausendwende war die Domäne 13 Jahre lang Teil der Stiftung Stadtmuseum. Seit 2009 sind Landgut und Museum eine Stiftung bürgerlichen Rechts.
Seit der Vereinsgründung am 7. Oktober 1976 hat sich die Domäne Dahlem zu einem überregional bekannten Kultur- und Geschichtsort entwickelt: als Museum für Agrar- und Ernährungskultur mit ökologischem Schwerpunkt, als Lernort für alle Altersgruppen und als offener Treffpunkt für die Stadtgesellschaften. Das Jubiläum stellt die langjährige Verbindung von Engagement und kultureller Arbeit in den Mittelpunkt.
Vereinsvorsitzende Anke Otto: „Was 1976 als Rettungsaktion begann, ist heute ein lebendiger Ort für Zukunftsthemen wie nachhaltige Lebensmittelproduktion und gesunde Ernährung. Das Jubiläumsjahr erinnert uns daran, wie viel wir gemeinsam erreicht haben und wie wichtig dieses Engagement für die kommenden Jahre bleibt.“
2026 feiern der Verein der Freunde der Domäne Dahlem und das Museum gemeinsam ihr 50-jähriges Bestehen, mit einem vielfältigen Programm aus Gesprächen, Ausstellung, Bildungsangeboten und Fest.
Kostenfreie Veranstaltungen im Jubiläumsjahr
Hofgespräche
zur „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ mit Zeitzeugen, Vereinsmitgliedern und Experten:
- 18. März, 18–20 Uhr: Feste und Proteste – Erinnerungen an 50 Jahre zivilgesellschaftliches Engagement für die Domäne Dahlem
- 15. Juni, 18–20 Uhr: Wer trägt das Gemeinwohl? Engagement in Zeiten knapper Kassen
- 9. September, 18–20 Uhr: 50 Jahre Engagement – Zukunft gemeinsam gestalten
Fachtagung
Bürgerschaftliches Engagement im Wandel: Herausforderungen, Grenzen und Chancen am 15. & 16. Juni: Zweitägige Tagung zur Rolle ehrenamtlichen Engagements in Zeiten knapper öffentlicher Kassen. Eingeladen sind Institutionen aus den Bereichen Ernährung, Kultur, Umwelt, Nachhaltigkeit und dem karitativen Bereich.
Jubiläumsfest
11. Oktober, 11–18 Uhr: Großer Festtag mit Bühnenprogramm, Vorträgen, Familienprogramm und Eröffnung der Sonderausstellung im Herrenhaus.
Sonderausstellung
50 Jahre Verein – 50 Jahre Erinnerung
Ab Mai sind im Außenbereich des Landguts erste Ausstellungselemente zu sehen: Interviews mit Zeitzeugen aus Vergangenheit und Gegenwart erzählen die Geschichte des Vereins und würdigen das zivilgesellschaftliche Engagement mehrerer Generationen. Teil 2 der Ausstellung wird am Jubiläumsfest im Oktober im Barocken Saal des Museums im Herrenhaus eröffnet.
Bildungsprogramm
Hier wächst was – 50 kostenfreie Projekttage
Ganzjährig erarbeiten Kinder- und Jugendgruppen Themen zu Naturschutz, Landwirtschaft, Geschichte und Engagement, im Schulkontext und in der Freizeit. Das Programm richtet sich an Klassen und Jugendgruppen im Alter von 12 bis 20 Jahren mit jeweils 12 bis 18 Teilnehmenden. Anmeldung unter: buchung@domaene-dahlem.de
Alle Infos
zum Jubiläumsjahr gibt es hier: https://www.domaene-dahlem.de/jubilaeumsseite/
Daniela von Treuenfels
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Bach, Öl auf Leinwand, 2023, 125x125 cm. Foto: Elvy Lütgen[/caption]
In der Petruskirche am Oberhofer Platz ist derzeit die Ausstellung „Natur ist Atmen“ mit Werken der Künstlerin Elvy Lütgen zu sehen.
Zur Vernissage sprach Ulrike Meyer.
Wir veröffentlichen die Laudatio im Wortlaut:
Es ist, als weht ein Hauch von Frühling durch die Petruskirche. Ein Hauch, der die Sinne kitzelt, Düfte, Farben und Licht mit sich bringt. Die Anfangszeilen von Eduard Mörikes Frühlingsgedicht kommen einem in den Sinn: „Frühling lässt sein blaues Band / wieder flattern durch die Lüfte“.
Und es ist in der Tat das Blau in seinen mannigfaltigen Schattierungen sowie die vielen Grüntöne, die in der Petruskirche die Atmosphäre prägen – das Blau des Himmels und des Wassers, das Grün der Blätter und Gräser und auch das zarte Weiß der Blüten.
Seit mehr als 45 Jahren widmet sich Elvy Lütgen ohne Unterbrechung ihrer Kunst. Dran bleiben, dabei bleiben und sich weiter entwickeln, das ist ihr Motto. Nach diesen langen Jahren ist ihr innerer Zwang malen zu müssen, verknüpft mit ihrem starken Willen und mit einem hohen Maß an Disziplin, ungebrochen. Aus diesem inneren Zwang heraus, einem existentiellen Bedürfnis gleich, wird – wie die Künstlerin selbst sagt - ihre künstlerische Kraft geboren.
Diesen Drang, sich malerisch auszudrücken zu müssen, hatte Elvy Lütgen bereits als Kind. Es war ihre Mutter, die das Talent ihrer Tochter erkannt und es auch gefördert hat. Und so führt der Weg schließlich nach Hamburg und Berlin, um an den Kunstakademien Malerei zu studieren. Zu ihren Stationen gehören später unter anderem New York und Kalifornien, Petersburg und Schweden. Seit 1980 lebt und arbeitet Elvy Lütgen als freiberufliche Malerin in Berlin und hat in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland ihre Werke präsentiert.
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Fasziniert vom "Löschteich", Öl auf Leinwand, 2022, 140x140 cm. Foto: Ulrike Meyer[/caption]
Ihre Bildsprache, so Elvy Lütgen, sei der zeitgenössische Impressionismus, ihr vorherrschendes Thema die Natur. So wie die französischen Malerinnen und Maler des Impressionismus stimmungsvolle, flüchtige Momente festhielten, mit hellen Farben malten, das Licht, die Natur und ihre eigenen Wahrnehmungen wiedergaben, so fängt auch Elvy Lütgen malerisch die Natur in ihrem eigenen impressionistischen Stil ein. Sie malt nicht szenisch, nicht deskriptiv, nicht in einer 1:1 Wiedergabe, nicht in der freien Natur.
Ihre Bilder entstehen aus der Erinnerung heraus in ihrem Atelier. Dort versucht sie jedoch mehr als nur die Beobachtung in der Natur wiederzugeben. Bei Elvy Lütgen geht es um die Gefühle, die als erste Reaktionen bei Spaziergängen oder während Naturbetrachtungen ausgelöst werden. Mittels Introspektion spürt Elvy Lütgen ihren tiefen Naturempfindungen nach. Sie will die eigentliche Empfindung des Sehens sinnlich erfahrbar machen, den Erkenntnisgewinn im Moment des Sehens wiedergeben und will nur das auf die Leinwand bannen, was sich jeglicher Rationalität entzieht – eben das unmittelbare Erleben des Sehens selbst.
Es geht um diese einzigartige Millisekunde, wenn sich im Sonnenlicht die Linien, Flächen, Formen und Farben auflösen; diese einzigartige Millisekunde, wenn die Natur im Licht zergeht, sich verflüchtigt; diese einzigartige Millisekunde, wenn das Licht auf das Auge trifft und sich dabei die Wahrnehmung mit einem intensiven Gefühl verknüpft. Häufig ist dieses intensive Gefühl mit einem sehr tiefen und hörbaren Aufatmen verbunden, bei dem sich die Brust und das Herz weiten – ein Augenblick der Befreiung. Daher auch der Titel der Ausstellung „Natur ist Atmen“. Wenn das geschieht, dann „korrespondiert unsere Seele unbewusst mit diesem Augenblick“ - so beschreibt es Elvy Lütgen. Es ist dieser, man könnte es den Seelen-Moment nennen, den die Malerin Elvy Lütgen in ihrem Atelier auf die Leinwand bannt und mit diesem Verständnis ist für sie die „Kunst ein Spiegel“ der Seele.
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Besucherin vor „Seeufer“, 2023, Öl auf Leinwand, 2023, 120x120 cm. Foto: Ulrike Meyer[/caption]
Eine Blüte oder ein Blatt findet daher auf der Leinwand auch keine reale Entsprechung. Es sind angedeutete Fragmente einer Erinnerung, sie erscheinen unfertig, skizzenhaft, ausgelöst von einem Blitz der Erkenntnis oder einem kleinen Detail, das die Seele der Malerin berührt hat. Diese fragmentierten Erinnerungen auf der Leinwand komplementieren die Menschen, automatisch vervollständigen sie das Bild. So erkennen die Betrachtenden das, was Elvy Lütgen als etwas Imaginäres darstellt - beispielsweise Steine, die aber nur das unspezifische Abbild von Steinen sind. Wellen, die lediglich mit den Formen der Wellen spielen oder Blüten, Blätter, Gräser, die es an einem wirklichen Ort geben hat, die aber davon losgelöst als eine Komposition aus Strichen oder Flächen in den Bildern Elvy Lütgens ein Eigenleben führen. Es gibt keine harten Konturen oder starke Kontraste, die Übergänge sind weich und sanft, sie fügen sich spielerisch in ihre Kompositionen aus Öl ein. Wie leichte Federstriche erscheinen die Details, es sind reduzierte, zarte Andeutungen eines großen Ganzen, der Natur.
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Ehepaar vereint vor der „Baumkrone“, 2024, Öl auf Leinwand, 2023, 150x150 cm. Foto: Ulrike Meyer[/caption]
Mit ihren Bildern hat Elvy Lütgen ihre eigene Schule des Sehens kreiert. Sie möchte den Blick auf die Schönheit der Natur lenken, plädiert mit ihrer Kunst für Achtsamkeit gegenüber der gebeutelten Umwelt. Fordert auf, inne zu halten und mit der Natur zu atmen - ihre Arbeiten sind durchaus auch Appell und Mahnung zugleich. Die Bilder von Elvy Lütgen werben für den Schutz der Natur, warnen vor ihrer Zerstörung und fixieren mit ihrem impressionistischen Stil ihre Schönheit.
So wie Elvy Lütgen sich bis ins tiefste Innerste von der Natur berühren lässt, tief durchatmet und innehält, so lädt sie die Menschen dazu ein, ebenfalls innezuhalten und mit allen Sinnen offen zu sein, für die Schönheit der Natur mit ihrem Licht, ihren Farben und Formen.
Dafür stehen die Bilder von Elvy Lügen, die fröhlich und leicht wirken, die uns den Hauch von Frühling spüren lassen, der durch die Petruskirche weht.
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Laudatorin Ulrike Meyer eröffnet die Vernissage in der Petruskirche, Foto: Diether Münzberg[/caption]