Zoran Drvenkar begeisterte das Zuhörer. Foto: Gogol

„Ich kenne die Leute und ich mag sie. Sie reißen sich hier echt den Arsch auf“, begründet Zoran Drvenkar, warum er jedes Jahr wieder zum Steglitzer Literaturfest kommt. Schon beim ersten war er dabei. „Im ersten Jahr hatten sie nicht mal Geld für die Lesungen“, weiß er. Was er nicht sagt, aber Initiatorin Birgit Murke von der Berliner Literaturinitiative (BLI) verrät: Es war Drvenkar, der damals auf sein Honorar verzichtete. Und seinem Vorbild folgten dann die anderen Autoren. „Er ist der gute Engel des Literaturfestes“, so Murke. Natürlich war Drvenkar auch an diesem Sonnabend wieder dabei – beim zehnten Steglitzer Literaturfestival. Er las aus „Die Kurzhosengang“ und „Die Nacht in der meine Schwester den Weihnachtsmann entführte“, was bei den großen und kleinen Zuhörern für große Erheiterung und anschließend für lange Schlangen am Autogrammtisch sorgte.

Er selbst gehe nicht zu Lesungen, erzählte Drvenkar, denn er könne nicht zuhören, seine Gedanken driften dann immer weg.

Zum Glück ging es den Kindern und Eltern nicht auch so, die das Fest besuchten. Denn es gab jede Menge Lesungen, die es an diesem Tag zu besuchen gab – von 13.30 bis nach 20 Uhr.

Viel sei passiert in den vergangenen zehn Jahren, sagte Kirsten Ramm von der BLI. Der Rahmen ist größer geworden, die Kontakte zu den Verlagen wurden ausgeweitet. Früher habe man bei den Autoren betteln müssen, damit sie vorbeikommen, ergänzte Murke. Heute fragen die Schriftsteller selbst nach, einigen habe man sogar ausladen müssen, erzählt die Initiatorin. Nur „das Chaos lässt nicht nach“, so Drvenkar, der sich zwei Räume mehr wünscht, damit auch mehr Ruhe herrscht bei den Lesungen.

Ramm, die zum ersten Mal beim Literaturfest dabei war, war angetan von der Begeisterung der Kinder, die losstürmten und Bücher kauften. Es sei eine besondere Atmosphäre, durch die Autoren und Schauspieler, die ganz tolle Lesungen anbieten.

Das Besondere an dem Literaturfest ist, dass Schüler tragende Rollen übernehmen: Sie wählen die Bücher und Autoren aus, begrüßen und begleiten diese, stellen ihre Lieblingsbücher vor, übernehmen die Kasse. Und einige sind als „Rasende Reporter“ unterwegs, um Autoren und Gäste zu befragen. Wie Nathaly Schulz, die 12-Jährige war früher schon bei einer Kindergartenzeitung und freute sich besonders auf die Lesungen.

Ingrun Nehring hatte ebenfalls als Reporterin die Barbara Kindermanns Veranstaltung zu „Wilhelm Tell“ besucht und die Autorin anschließend interviewt. Sie fand die Idee schön als Kinderreporterin unterwegs zu sein, erzählte Ingrun, weil sie gern Leute interviewt, erzählte sie. Sie ist erst seit dem Sommer beim BLI und so war es das erste Literaturfest der 12-Jährigen, die sagte, dass sie „alles außer Horror“ lese. Insgesamt waren rund 50 Kinder und Jugendliche beim Fest aktiv.

Die Besucherzahlen hätten sich im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um ein Drittel gesteigert, freute sich Murke. Man erreiche auch immer mehr Schulen und vermehrt Schüler mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Familien. Und die Kinder, die schon länger dabei sind, unterstützen die neuen. Einige, die mittlerweile schon studieren, bieten zum Beispiel an den Schulen Kurse an. Es sei eben ein Fest von Kindern und Jugendlichen für Kinder und Jugendliche, so Murke.

 (go)