Im März 1911 hatte Verleger Anton Kippenberg eine Idee: „Kunstfertig ausgestattete Bücher von literarisch wertvollsten Inhalt“ und das noch zu kleinen Preisen wollte er herausgeben. Ein Jahr später, im Mai 1912, erschienen sie dann: die ersten Insel-Bücher.

Der hundertjährigen Erfolgsgeschichte dieser kleinen Büchlein, von denen bis heute 1.600 Titel erschienen sind, kann man seit Montag in der Bibliothek der Freien Universität (FU) an der Garystraße nachspüren. 60 seiner 3.700 Bände hat der Leitende Universitätsverwaltungsdirektor a.D. und Insel-Bücher-Sammler Peter Kunze zu einer Ausstellung zusammengefügt.

Bibliotheksleiter Ulrich Naumann hatte erst nach dem Ausscheiden Kunzes von dessen Sammelleidenschaft erfahren, erzählte er in seiner kleinen Eröffnungsrede. Anlässlich des 100-jährigen Geburtstages der Buchreihe habe er dann Kunze gefragt, ob der nicht eine Ausstellung gestalten wurde – und der sagte Ja, obwohl er so etwas noch nie getan habe. „Ich habe das Maß der Arbeit wohl ein wenig unterschätzt“, gestand Kunze, denn der Ausstellungskatalog ist noch nicht ganz fertig, soll aber in den nächsten Tagen gedruckt werden.

Seit rund 40 Jahren sammelt Kunze die Insel-Bücher, erzählte er später. Wie er angefangen hat, das wisse er nicht mehr. Ein Freund oder Kollege habe ihn auf die Bücher aufmerksam gemacht, und er habe sie interessant gefunden. Was er an ihnen interessant fand? „Gute Autoren, gute Werke, eine sorgsame Ausstattung – gutes Papier, eine gute Typografie, dazu die Einbandpapiere, die Aufmerksamkeit erregten. Und das zieht sich durch die gesamte Geschichte der Insel-Bücher“, begründete Kunze seine Leidenschaft.

Die Geschichte des Verlages und der Bücher erzählt Kunze in vier Vitrinen. Er sei chronologisch vorgegangen, habe aber auch Schwerpunkte gesetzt, so der Kurator. Die Gründung, die beiden Kriege, die Trennung Deutschlands – diese Themen beleuchtet Kunze näher.

Ausgestellt ist auch der Band Nummer eins, Rainer Maria Rilkes „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“, der mit mehr als 60 Auflagen und rund 1,2 Millionen verkauften Exemplaren erfolgreichste Titel der Reihe. Kunze hat 17 verschiedene Bände des Werkes zusammengetragen.

Er habe sich nicht spezialisiert, sondern sammele „in aller Breite“. Allerdings sammele er Bände nur, wenn sie sich inhaltlich unterscheiden, also wenn etwa aus dem Vor- ein Nachwort wurde.

Auch wenn die Insel-Bücherei nun 100 Jahre alt ist, sie sei „alles andere als altbacken“, so Kunze in seiner Rede. Der Suhrkamp-Verlag, bei dem die Insel-Bücherei herausgegeben werden, konnte moderne Autoren gewinnen und experimentiere auch mit der Größe. Diese „Verjüngung“ birgt aber auch ungeahnte Herausforderungen für den Sammler. Denn die neuen Großbände der Reihe passen nicht in das Regal Kunzes, der das auf die Größe der „normalen“ Insel-Bücher angepasst hat.

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Die Ausstellung „100 Jahre Insel-Bücherei“ ist noch bis 1. Februar in der Universitätsbibliothek, Garystraße 39, im ersten Obergeschoss zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr.

(go)