Familiendemo für die Demokratie

Familiendemo für die Demokratie

Schüler demonstrieren gegen die AfD am 28. Februar auf der Schloßstraße | Foto: Daniela von Treuenfels

 

Am Sonntag sind Kinder, Eltern und Großeltern aufgerufen, für eine offene Gesellschaft auf die Straße zu gehen. Am Bahnhof Lichterfelde gibt es ab 15 Uhr ein kleines kindgerechtes Programm. 

Die Organisatorinnen gehen von rund 400 Teilnehmern aus, die eingeladen sind, sich für die Werte einer demokratischen Gesellschaft zu versammeln. Geplant sind Redebeiträge einer Grundschülerin, einer Mitwirkenden von „Parents for Future“ sowie von der Pfarrerin der Johannesgemeinde. Auch kleinere musikalische Darbietungen soll es geben. 

„Ich mache das zum ersten Mal“, sagt eine der Mütter. Wie viele andere in diesen Tagen hat das Bekanntwerden des Treffens von Rechtsextremen mit Politikern und Unternehmern in Potsdam sie erschreckt und mobilisiert. „Bei uns zuhause war die bei diesem Treffen diskutierte ´Remigration´ ein großes Thema“, sagt die dreifache berufstätige Mutter. Die älteste Tochter sei darüber sehr wütend geworden. Sie habe erfasst, welche ihrer Nachbarn und Freunde gehen müssten, würden diese Pläne Wirklichkeit. „Mein Kind war wirklich fassungslos“, erzählt die Lichterfelderin, die daraufhin beschlossen hat, sich zu wehren. 

Mit ihrer Familie hat sie bereits Demonstrationen in Mitte und Lichterfelde Ost besucht. Das sei gut und richtig und wichtig gewesen – aber wenig familientauglich. Nun soll es eine kindgerechte Veranstaltung geben, vor allem für die Eltern mit jüngeren Kindern. Eingeladen seien aber grundsätzlich alle aus dem Kiez, die sich für die Werte des Grundgesetzes einsetzen: Menschenwürde, Gerechtigkeit, Solidarität und Rechtsstaatlichkeit. 

Dass Schulen und Eltern Kinder dazu ermuntern, sich den rechtsextremen Gegnern der Verfassung entgegenzustellen, trifft, wenig überraschend, bei der AfD und ihren außerparlamentarischen Netzwerken nicht auf Begeisterung. Sie unterstellen den Erziehenden Manipulation und staatlich gelenkte Indoktrination. Die Parlamentarier und rechte Aktivisten reagieren mit Einschüchterungsversuchen (wir berichteten).  

Die Lichterfelder Neu-Aktivistin sieht das gelassen. Selbstverständlich müsse man in der Kommunikation mit den Kindern darauf achten, dass das Interesse vom Kind ausgehe. Fragen beantworten, Neugier befriedigen, Ängste nehmen. „Werteerziehung ist doch keine Beeinflussung“, sagt sie, „und eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass wir die Werte unserer Verfassung verteidigen.“ 

Auch das Kollegium der Lichterfelder Clemens-Brentano-Grundschule unterstützt die Einbeziehung der Kinder. Die Schulleiterin wird am Sonntag dabei sein, wenn „ihre“ Kinder eine Rede halten oder die im Kunstunterricht gestalteten Plakate hochhalten. 

 

Grundschulkinder bei einer Demonstration in Lichterfelde Ost gegen eine Veranstaltung der sogenannten „Staatsreparatur“ am Jungfernstieg mit dem Rechtsextremisten André Poggenburg im Februar. | Foto: Daniela von Treuenfels

 

Unterstützung aus der Bezirkspolitik 

Rückendeckung für diese Art staatlicher Demokratieerziehung kommt aus der Politik: Die Grünen, die SPD und die FDP, die in der Bezirksverordnetenversammlung eine sogenannte Ampel-Zählgemeinschaft bilden, begrüßen das Engagement von Schülerinnen und Schülern für die Demokratie. „Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Wir danken allen jungen Menschen für ihre Courage, ihren Einsatz und ihren Mut.“, sagt beispielsweise Ulrike Kipf, schulpolitische Sprecherin der BVV-Fraktion der Grünen. 

Am Mittwoch werden sich die Bezirksverordneten außerdem mit einem Antrag der Linken befassen. Der Wortlaut:  

„Die BVV Steglitz-Zehlendorf dankt den Schüler*innen im Bezirk, die in den letzten Wochen für Frieden, Freiheit und Demokratie demonstriert haben. Die Schüler*innen in unserem Bezirk sollen wissen: Die BVV verteidigt gemeinsam mit ihnen das Recht auf freie Meinungsäußerung.
Die Angriffe der AfD auf einzelne Schulleitungen sowie das offensichtliche Filmen einer Schüler*innendemonstration in der Schloßstraße durch mehrere Vertreter*innen der AfD Steglitz-Zehlendorf wertet die BVV als Einschüchterungsversuch seitens der AfD gegenüber missliebigen Meinungen. Dass die AfD nicht davor zurückschreckt, Kinder und Jugendliche ins Visier zu nehmen, macht ihre Handlungen besonders verachtenswert.“ 

 

Daniela von Treuenfels 

 

 

 

 

 

 

 

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Bildungsfahrt nach Krakau: Vier Jugendeinrichtungen laden ein

[caption id="attachment_103333" align="aligncenter" width="350"] Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]   Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren können vom 19. Bis 23. Oktober an einer Fahrt nach Krakau und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau teilnehmen. Interessierte können sich bis zum 22. Juni anmelden. In einem gemeinsamen Projekt wollen vier Steglitz-Zehlendorfer Jugendeinrichtungen ein „starkes Zeichen für die Stärkung der Erinnerungskultur und die Förderung der Gedenkstättenpädagogik“ setzen. Vom 19. Oktober bis 23. Oktober findet eine Bildungsfahrt nach Krakau statt, bei der die Teilnehmenden die historischen Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besuchen sowie eine Stadtführung in Krakau erleben werden. Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren, die durch diese Reise nicht nur wertvolles Wissen über die Geschichte des Holocaust erlangen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich aktiv mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Zivilcourage auseinanderzusetzen.   Geplant sind zwei Exkursionen mit fachkundigen Führungen in das Auschwitz Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau mit der Chance auf tiefe Einblicke in die Geschichte und die Auswirkungen des Holocaust. In Krakau steht eine Stadtführung auf dem Programm, bei der die Teilnehmenden mehr über die kulturellen und historischen Hintergründe der Stadt und die jüdische Community erfahren. Wichtig: die Anmeldefrist endet am 22. Juni. Alle Infos:  

Treuenfels/PM

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