
Unter den Augen der Kita-Kinder und ihrer Eltern verlegte Gunter Demnig am Amortasweg 17 die Stolpersteine für Frida und Henriette Will. Fotos: Gogol
Ein ungewöhnlich junges Publikum hatte sich vor dem Haus mit der Nummer 17 am Amfortasweg versammelt, um bei der Verlegung von zwei Stolpersteinen zuzusehen. Viele Fünf- und Sechsjährige sowie deren Eltern warteten auf Künstler Gunter Demnig, der die Steine für Frida Will und ihre Mutter Henriette verlegte. Die beiden Frauen hatten gemeinsam dort in einer der Wohnungen gewohnt und waren 1942 nach Riga deportiert und ermordet worden.
Die Eltern der Kinder sowie die Erzieherinnen der katholischen Rosenkranz-Kindertagesstätte hatten die beiden Steine gemeinsam finanziert – als Abschiedsgeschenk für Erzieherin Silke Glückstein, die nach 14 Jahren die Kita verlassen hatte.
Vor drei Jahren hatte es das erste Mal Fragen von Kindern zu den Stolpersteinen gegeben, erinnerte sich Glückstein. Kindgerecht habe man versucht, den Kindern die Geschichte hinter den Steinen zu erklären. Vor einem Jahr, als die Kinder gemeinsam mit ihrer Erzieherin ihre soziokulturelle Umgebung erkundeten, wurden sie auf einen Stolperstein vor dem Haus Althoffstraße 1 aufmerksam. Wieder habe es Fragen gegeben, was das sei, erzählte die Erzieherin.
Als Glücksteins Abschied anstand, wünschte sie sich einen Stolperstein. „Ich wollte mir kein Parfum wünschen oder einen Buchgutschein“, sagt sie. „Es ist eine Haltung, die ich habe“, erklärt sie. Und die teilt sie anscheinend auch mit den anderen Erzieherinnen und Eltern. „Es ist eine schöne Idee“, findet zum Beispiel Sylvia Baumgärtner, die als Mutter den Stein mitfinanzierte. Das zusammen mit kleinen Kindern an die Vergangenheit erinnert wird, gefällt ihr.
Dass die Eltern und Erzieherinnen die Steine von Frida und Henriette Will finanzierte, sei Zufall, so Glückstein. „Es geht um das Gedenken. Ich habe keine Verbindung zu den Personen und deren Schicksal.“ In einer kleinen Rede erinnerte sie an das Leben und den Tod der beiden Frauen. Mit der Verlegung der Stolpersteine sei die „gerechte Ordnung“ wiederhergestellt, fand sie. Gemeinsam sprachen alle ein „Vater unser“.
Die Steine für Frida und Henriette Will waren nur zwei von insgesamt acht neuen Stolpersteinen, die vom Netzwerk Erinnerungskultur des Kirchenkreises Steglitz am Sonnabend in Lichterfelde und Steglitz verlegt wurden.
Zwei weitere erinnern ab sofort an der Finckensteinallee 90 an den Chemiker Dr. Albert Friedländer und seine Tochter Jula. Sie hatten Ende der dreißiger Jahre vergeblich versucht, nach Südafrika zu emigrieren, wo der Sohn und Bruder Heinz bereits lebten. 1941 wurden beide nach Lodz/Litzmannstadt deportiert und ermordet.
Vor der Kommandantenstraße 9 erinnert ein Stolperstein an Betty Johanna Kierski, die im Rotherstift lebte, ehemals ein „Versorgungsinstitut für unverheiratete Töchter verstorbener Staatsdiener“. Konfirmanden der benachbarten Johannes-Kirchengemeinde haben sich mit der Geschichte dieser getauften Jüdin auseinandergesetzt, die im Selbstmord endete. Die Jugendlichen trugen während der Feier einen fiktiven Tagebucheintrag zusammen mit ihrer Sicht auf das Leben von Betty Kierski vor. Ein Bewohner des heutigen Rotherparks war Initiator der Verlegung, der Beamtenwohnungsverein als Träger der Einrichtung übernahm die Kosten für den Stein.
Vor dem Haus Teltowkanalstraße 5 wurde ein Stein für Elsa Wöllner verlegt, Am Stadtpark 3 für Ida Johanna Singer . An der Albrechtstraße 38 wurden bereits im vergangenen Herbst Stolpersteine für Elfriede und Ludwig Blumenthal verlegt. Nun konnte die Enkelin der beiden, Esther Glik, durch Unterstützung der Evangelischen Markus-Kirchengemeinde zum ersten Mal von Israel nach Berlin reisen. Sie war bei der Verlegung eines Steins für Rosalie Herbst anwesend, die im selben Haus wie ihre Großeltern lebte.














Symbolbild: Der unvergessene "Zick-Zack-Radweg" in der Leo-Baeck-Straße in Zehlendorf (2018). | Foto: Baumann[/caption]
Der ADFC will’s wissen: Bis zum 30. November können Radfahrerinnen und Radfahrer bewerten, wie fahrradfreundlich Berlin ist.
Wie ist der Zustand der Radwege? Wie viel wird fürs Radfahren schon getan? Macht Radfahren Spaß oder ist es eher Stress? Wie bewerten die Menschen das Fahrradklima in Berlin? „Die Ergebnisse zeigen, wo Berlin beim Radverkehr wirklich steht und wo noch nachgebessert werden muss. Wir rufen alle Radfahrerinnen und Radfahrer dazu auf, bei der großen Umfrage mitzumachen“, sagt Marlene Alber, Politische Referentin des ADFC Berlin. Die Erhebung wird seit 2012 alle zwei Jahre durchgeführt und vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Im Jahr 2024 beteiligten sich rund 213.000 Menschen in über 1000 Orten in Deutschland. Das bundesweite Ranking der fahrradfreundlichsten Städte und weitere Ergebnisse der Befragung werden im Frühjahr 2027 vorgestellt.
Zum ersten Mal widmet der ADFC Kindern und Jugendlichen eine eigene Umfrage im ADFC-Fahrradklima-Test. Was brauchen junge Menschen, um selbstständig mit dem Rad unterwegs zu sein? Die Umfrage soll zeigen, was beim Radfahren gut funktioniert, was Schwierigkeiten macht und was sich verändern muss, damit Kinder und Jugendliche gerne oder überhaupt auf das Fahrrad steigen.
Wie sicher fühlt sich Radfahren an? Sind die Radwege breit genug und in einem guten Zustand? Wie häufig wird das Fahrrad genutzt? Die Online-Befragung zum ADFC-Fahrradklima-Test besteht aus 27 Fragen, dauert rund zehn Minuten und läuft bis zum 30. November 2026.
Infos zum ADFC Fahrrad Klima Test:
was hat das mit gerecher Ordnung zu tun ?
Ich denke, es gemeint, dass damit den Opfern Gerechtigkeit widerfährt, Gerechtigkeit wieder hergestellt wird.