
Thomas Seibt, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Steglitz, Norbert Kopp, Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, und Dr. Johannes Krug, Superintendent des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf, (von links) putzten den Stolperstein von Max Cantor. Foto: Bavandi
Im Gedenken: Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf gedenkt den schrecklichen Ereignissen der Progromnacht von 9. auf 10. November 1938 mit der symbolischen Reinigung eines Stolpersteins in Zehlendorf und der Kranzniederlegung an der Spiegelwand des Hermann-Ehlers-Platzes in Steglitz.
„Die Stadt ist voll. Voll mit Freude anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls in Berlin. Doch an diesem 9. November liegt auch besonders viel Schrecken“, ruft Dr. Johannes Krug, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Steglitz-Zehlendorf, in Erinnerung. Er hat sich gemeinsam mit Norbert Kopp (CDU), Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, und Thomas Seibt, Superintendent des Kirchenkreises Steglitz, am Sonntag, 9. November 2014, am Mexikoplatz an der Limastraße 2 zur symbolischen Reinigung des Stolpersteines für Dr. Max Cantor mit weiteren Gedenkgästen verabredet.
„Wir wissen nicht viel von Dr. Max Cantor“, berichtet Michael Rohrmann vom Projekt Stolpersteine im Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf. Dennoch weiß er ein wenig über das Leben des Opfers des NS-Regimes bei dem symbolischen Stolperstein-Putzen des Cantor-Steines zu erzählen: Dr. Max Cantor wurde am 11. September 1870 in Mainz geboren. Wann und wie der studierte Chemiker nach Berlin gekommen ist, ist nicht bekannt. Cantor war bei der IG-Farben beschäftigt und als Mieter in der Lothringerstraße 82 in Mitte, der heutigen Torstraße, gemeldet. Am 17. Februar 1944 wollte sich Cantor das Leben nehmen, wurde jedoch lebend von den Nationalsozialisten aufgefunden und in das Krankenhaus in der Iranischen Straße gebracht. „Das ist pervers“, meint Michael Rohrmann, denn nach dessen Rettung sollte er deportiert und schließlich ermordet werden. „Cantor ist aber im Krankenhaus verstorben“, so Rohrmann.

Mit einer Kranzniederlegung gedachten der Bezirk und die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf den Opfern der Nationalsozialisten. Foto: Bavandi
Das November-Progrom des nationalsozialistischen Regimes jährt sich an diesem 9. November zum 76. Mal. Die Stolpersteine in ganz Berlin markieren Erinnerungszeichen an den Beginn der Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. „Daher wollen wir zum Putzen aufrufen, damit wir stolpern, um nicht zu vergessen“, sagt Dr. Krug. Im Anschluss an das gemeinsame und symbolhafte Putzen des Cantor-Steines wurden weitere Stolpersteine für Carl, Lotte-Johanna und Marie Fuchs, Bruno und Karoline Mannheim, Lieselotte und Käthe Neumann in der Argentinischen Allee 4 verlegt, für Elsbeth-Luise Epstein in der Argentinischen Alle 20 und für Käthe und Emil Block sowie für Anna Landé in der Schweitzerstraße 27. „Somit sind es weit mehr als 160 Stolpersteine in Zehlendorf“, sagt Michael Rohrmann.
Ein stilles Gedenken anlässlich der Wiederkehr des Jahrestages der nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen und Greueltaten am 9. November 1938 nahmen die Bezirksverordnetenversammlung, das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf und viele Menschen aus der Nachbarschaft mit der Kranzniederlegung an der Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz, welche die Namen und Anschriften der deportierten und ermordeten Steglitzer Bewohner und Bewohnerinnen trägt, vor.
(MiBa)













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