Jeder vierte Einwohner in Steglitz-Zehlendorf hat einen Migrationshintergrund. Die Vertreter der größten Gemeinden waren am Montagabend ins Rathaus Zehlendorf gekommen, um beim 2. Interkulturellen Dialog miteinander und mit den Zuhörern ins Gespräch zukommen. Allen gemein war: Sie wollen und fördern den Austausch mit den Deutschen.
Besonders deutlich wird das im Namen des Deutsch-Griechischen Fördervereins (DGF), für den Georgios Bakalios auf dem Podium saß. Er ist seit 1964 in Deutschland. Bereits seit 26 Jahren gibt es den DGF. „Wir wollen Begegnung ermöglichen“, sagte Bakalios, und gemeinsam Probleme bearbeiten. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen für Griechen und Deutsche, „um die Integration in die Köpfe und die Herzen zu kriegen“, so der Vereinsvorsitzende. Dazu dienst auch der Austausch von Einwohnern aus Steglitz-Zehlendorf und der griechischen Partnergemeinde Sochos. Dass es ein langer Prozess war, die Menschen füreinander zu öffnen, zeigte er am Beispiel eines Besuches bei griechisches Mönchen 1981. Bei diesen waren die Vorurteile gegen die Deutschen sehr groß, durch gegenseitige Besuche aber konnten diese abgebaut werden.
Vorurteile abbauen wollen auch Maria Oikonomidou und Aliki Gkerlioti von der Hellenischen Gemeinde Berlin, die in der Mittelstraße in Steglitz ihr Kulturzentrum betreibt. Seit 22 Jahren fördere man dort den interkulturellen Dialog, sagte Oikonomidou. 14 Vereine haben in dem Kulturzentrum ihren Sitz, zudem sei das Haus berlinweit die einzige Anlaufstelle für Neuankömmlinge aus Griechenland. Ihnen helfe man bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, bei der Anerkennung von Studienabschlüssen, begleite sie bei Behördengängen und gebe ihnen Deutschunterricht. Das Zentrum sei aber auch für Deutsche gedacht, die sich für die griechische Kultur und Sprache interessieren, so Gkerlioti. Zudem bekämpfe man Rassismus. Kurze Zeit war das Kulturzentrum in Gefahr, denn trotz steigenden Zulaufs, verursacht durch die Wirtschaftskrise, wurde die finanzielle Unterstützung durch den Senat nicht erhöht. Gemeinsam aber mit dem Bezirk und anderen Vereinen habe man eine Schließung verhindern könne, berichtete Günther Schulze, Vorsitzender des Beirats für Integration und Migration in Steglitz-Zehlendorf, der den Abend moderierte.
Begegnungen ermöglichen will auch das deutsch-polnische Forum. Der Mitbegründer Andreas Nosal war 1981 als Aussiedler nach Deutschland gekommen und selbst Teil des polnisch-deutschen Austauschs, wie er sagt. Mit seinem Forum will er dies beleben und vor allem klar machen, dass es „die Polen“ nicht gibt. Es habe verschiedene Auswanderungswellen nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben. Direkt nach dem Krieg kamen Menschen, die nicht einmal polnisch sprachen und trotzdem als Polen galten. Es gebe auch Unterschiede zwischen einem Einwanderer etwa aus Warschau oder vom Land. „Wir wollen, dass die Menschen zusammenkommen“, betone Nosal. Und vor allem will er Vorurteile abbauen, die es besonders bei Deutschen gegenüber seinem Heimatland gebe, wie er festgestellt hat. “Polen ist nicht wie Deutschland – und das soll es auch gar nicht sein. Es gibt eine andere Sprache, eine andere Kultur. Aber es ist ein ganz normales Land“, betonte Nosal. Das Forum arbeitet unter anderem zusammen mit dem Verein Mittelhof und dem Familienzentrum „Familien-Ring“ am Selerweg.
Das Familienzentrum dort, getragen vom Mitra e.V., ist seit langer Zeit die erste Einrichtung für russischsprachige beziehungsweise postkommunistische Einwanderer, wie Dmitri Stratievski erzählt. Der Politologe und Historiker kam aus der Ukraine nach Berlin . Rund 20.000 Mitglieder zähle seine Community in Steglitz-Zehlendorf.
Dass es keinen türkischen Verein oder Verband im Bezirk gibt, wunderte Schulze. Doch es gebe dafür keinen Bedarf, erklärten Hatice Sayin und Nalan Arkat. „Wir brauchen keine Anlaufstelle, wir sind Teil der Gesamtgesellschaft“, so Arkat. Es sei wichtig, gemeinsam Probleme anzugehen, „das ist es weniger wichtig, woher ich komme, sondern wo ich mich zugehörig fühle“. Es ginge nicht mehr um Integration, sondern mittlerweile im Partizipation, betonte Sayin.
So ähnlich klang das auch bei James C. Moss, der 1961 als Soldat aus North Carolina nach Berlin kam: „Ich bin zu Hause in Berlin, Amerikaner, aber voll integriert“, sagte er.
Zwei Kontinente waren auf dem Podium vertreten, dass es beim nächsten mal drei oder sogar vier sind, das regte ein Gast aus dem Publikum an. Er kam aus Indien nach Lichterfelde und fand sich in der gesamten Runde als einziger Asiate wieder.
Nach den Vorstellungsrunden gab es vom Publikum nur wenig Diskussionsbedarf. Allerdings nutzten einige Zuhörer anschließend die Möglichkeit, mit den Vertretern der einzelnen Vereine und Communities ins Gespräch zu kommen.
(go)














Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]