Das Standortmanagement Kranoldkiez verabschiedet sich

Das Standortmanagement Kranoldkiez verabschiedet sich

Kranoldplatz, Foto: Stephan Voß

 

Die Standortstrategie für ein wirtschaftlich lebendiges Zentrum rund um den Kranoldplatz in Lichterfelde Ost steht, nun ist die Politik am Zug. Am Samstag, den 24. Juni gibt es einen letzten Infostand auf dem Kranoldplatz.

Nach mehr als zweieinhalb Jahren Projektarbeit verlässt das Standortmanagement Kranoldkiez das Zentrum von Lichterfelde Ost. Im Auftrag der Wirtschaftsförderung des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf hat das Büro für Stadt- und Regionalentwicklung die raumplaner gmbh das im Mai 2020 vom Bezirksamt beantragte und aus Mitteln der Europäischen Gemeinschaft geförderte Projekt „Management für ein wirtschaftlich lebendiges Zentrum rund um den Kranoldplatz in Lichterfelde Ost“ umgesetzt.

Laut Projektantrag war es Ziel des Projekts, in einem partizipativen Prozess unter anderem eine bedarfsgerechte und attraktive Angebotsstruktur im Zentrum von Lichterfelde Ost zu erarbeiten und umzusetzen sowie die Aufenthaltsqualität im Geschäftszentrum Kranoldplatz durch die Umgestaltung des Kranoldplatzes und verkehrsberuhigende Maßnahmen zu verbessern. Zugleich sollte die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen gestärkt sowie die Kommunikationsstruktur und der Informationsfluss zwischen allen Beteiligten sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern vor Ort sichergestellt werden.

Mit dem Projekt hat der Bezirk auch auf die strukturellen Veränderungen im Kranoldkiez durch die Immobilienkäufe der HGHI Holding GmbH des Investors Huth reagiert, die nicht nur beim Einzelhandel, den Markthändlerinnen und -händlern, sondern auch in der Nachbarschaft für Unruhe sorgten. Steigende Gewerbemieten und zunehmender Leerstand wurden ebenso befürchtet, wie die inzwischen längst erfolgte Schließung des Ferdinandmarktes und die Ansiedlung weiterer Großfilialisten.

Zur Realisierung der Projektziele hat das Standortmanagement vielerlei Aktivitäten unternommen, zu denen unter anderem eine „Gewerbliche Bestandsanalyse Kranoldkiez“, eine Befragung zu den Entwicklungschancen und Problemlagen von Klein- und Mittelunternehmen in Lichterfelde Ost/Kranoldplatz, eine Befragung zum Thema Aufenthaltsqualität im Kranoldkiez, eine Befragung der Kundschaft sowie die entsprechenden Auswertungen gehörten. Zur Frage der Aufenthaltsqualität rund um den und auf dem Kranoldplatz wurden mehrere Kiezspaziergänge durchgeführt und ausgewertet sowie eine AG Aufenthaltsqualität eingerichtet, in der die Verwaltung ämterübergreifend gemeinsam mit Beteiligten vor Ort Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität diskutiert haben. Gemeinsam mit der Nachbarschaft und Initiativen wurde im Juni 22 das Event Kranoldplatziertsichneu auf dem Kranoldplatz organisiert, an dem sehr viele Menschen teilgenommen und ihre Vision vom Kranoldplatz der Zukunft zur Diskussion gestellt haben.

Im September 2022 hat das Standortmanagement seine aus diesen und weiteren Aktivitäten gewonnenen Erkenntnisse in einer „Standortstrategie für ein wirtschaftlich lebendiges Zentrum rund um den Kranoldplatz in Lichterfelde Ost“ zusammengefasst.

Mit Blick auf die Aufenthaltsqualität besteht aus Sicht des Standortmanagements Handlungsbedarf. Dieser bezieht sich sowohl auf kleinteilige und kurzfristige Maßnahmen als auch auf solche im Kontext eines Gesamtkonzeptes für den Kranoldkiez. Wegen der sehr unterschiedlichen Ansprüche an den Kranoldplatz empfiehlt das Standortmanagement „die gemeinschaftliche Erarbeitung eines Nutzungskonzepts“. Auch sei die Verkehrssicherheit im gesamten Gebiet zu erhöhen. Dazu bedürfe es eines ganzheitlichen Verkehrskonzepts, an dessen Erstellung sämtliche relevanten Gruppen zu beteiligen seien. Es gelte Straßenräume neu aufzuteilen, um „insbesondere dem Fuß- und Radverkehr mehr Raum und Sicherheit geben zu können“.

Empfohlen wird auch die partizipative Erarbeitung eines Marktkonzepts, mit dem sich der allseits beliebte Kranoldmarkt möglichen Herausforderungen z. B. durch Umbaumaßnahmen am und rund um den Platz zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität oder durch den Umbau von Verkehrsflächen auf Grund des Mobilitätsgestzes erfolgreich stellen kann. Auf eine aus der Sicht des Standortmanagements offenbar mögliche und von dem Investor Huth offensichtlich auch beabsichtigte „Angebotserweiterung durch einen großflächigen Vollsortimenter in unmittelbarer Nachbarschaft“ – BIO COMPANY wird seinen Standort in Lichterfelde Ost in der zweiten Jahreshälfte verlassen – könnte durch eine stärkere Fokussierung auf die Marktfunktionen Begegnung, Aufenthalt und Atmosphäre reagiert werden.

Was die Qualifizierung des Angebotes bzw. des Branchenmixes im Zentrum von Lichterfelde Ost angeht, werden die Bestandsicherung und die Ansiedlung „höherwertiger und weiterer individueller Angebote im Einzelhandel, ergänzt um Gastronomien“ als vordringlich angesehen.

Mit der Formulierung dieser Standortstrategie hat das Standortmanagement einen wichtigen Schritt in Richtung Standortsicherung, -optimierung und -profilierung getan.

Es ist nun die Aufgabe des Bezirks, gemeinsam mit den Menschen vor Ort, die Empfehlungen des Standortmanagements zu bewerten und mit bereits vorliegenden Konzepten zur Umgestaltung des Kranoldplatzes und seiner Umgebung (Studie der TU Berlin, Vision der Initiative Lebenswerter Kranoldplatz) abzugleichen. Danach gilt es, konkrete Maßnahmen für die Entwicklung eines nicht nur wirtschaftlich lebendigen Zentrums rund um den Kranoldplatz in Lichterfelde Ost zu formulieren und umzusetzen – eine dringliche Aufgabe auch vor dem Hintergrund der bereits erfolgten Schließung des Ferdinandmarktes, der bevorstehenden Ansiedlung eines weiteren Großfilialisten in unmittelbarer Nähe zum Kranoldplatz sowie vor dem Hintergrund weiterhin gestiegener Gewerbemieten und der damit verbundenen Zunahme des Leerstandes von Gewerberäumen.

Wer mit dem Team des Standortmanagements noch einmal persönlich sprechen möchte und sich über die „Standortstrategie für ein wirtschaftlich lebendiges Zentrum rund um den Kranoldplatz in Lichterfelde Ost“ informieren möchte, kann dies am Samstag, den 24.06.23 von 9 bis 14 Uhr am Infostand des Standortmanagements auf dem Kranoldmarkt tun.

 

 

Stephan Voß

Der Autor ist ehrenamtliches Mitglied des Redaktionsteams der Stadtrand Nachrichten.
Er ist außerdem Gründungsmitglied der Initiative Lebenswerter Kranoldplatz.


Weitere Informationen und die Standortstrategie zum Download gibt es bis zum 10.11.2023 hier:
https://www.standortmanagement-lichterfelde-ost.de/service/downloads/

Viele Downloads werden nach Abschaltung der Projektwebsite auf der Seite der Standortgemeinschaft mein LiLa e.V. zu finden sein:  https://www.meinlila.de/

Die Studie der TU Berlin zu einem möglichen Verkehrskonzept rund um den Kranoldplatz: https://www.static.tu.berlin/fileadmin/www/10002265/Lehre/Ergebnisse_der_Lehre/NahmobSoSe22_Projektbericht.pdf

Die Vision der Initiative Lebenswerter Kranoldplatz:
https://www.lebenswerterkranoldplatz.de/zukunft

 

 

 

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„Perspektiven der Kinder und Jugendlichen machen unsere Entscheidungen besser“

[caption id="attachment_103286" align="aligncenter" width="400"] Johanna Martens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]   Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament. Das hat die BVV in der vergangenen Woche beschlossen. Wir dokumentieren die Rede von Johanna Martens, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, im Wortlaut: Wir haben vor anderthalb Jahren einstimmig beschlossen, ein Beteiligungsgremium für Kinder und Jugendliche auf den Weg zu bringen. Seitdem ist viel passiert: Es gab einen strukturierten Beteiligungsprozess, Gespräche in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und mit Fachkräften. Und vor allem mit den jungen Menschen selbst. Wir haben uns bewusst nicht vorab auf eine Struktur für ein solches Gremium festgelegt und diese den Kindern- und Jugendlichen vorgesetzt, sondern den Beteiligungsprozess ernst genommen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Die Kinder und Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf wollen ein Kinder- und Jugendparlament. Das Kinder- und Jugendparlament wird demokratisch gewählt, breit zusammengesetzt aus Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereinen und weiteren Organisationen. Es gibt klare Regelungen zur Repräsentanz und zur Einbindung verschiedener Gruppen im Bezirk. Und mit der Änderung der Geschäftsordnung integrieren wir dieses neue Gremium in unsere Arbeit in der BVV: Das Kinder- und Jugendparlament wird zu den Sitzungen eingeladen, kann eigene Anträge in die BVV einbringen und erhält eine nachvollziehbare Rückmeldung, wenn Anträge abgelehnt werden sollten. Auch Rederechte sind vorgesehen. Das sind notwendige strukturelle Veränderungen, die echte Mitwirkung ermöglichen. Warum ist das so wichtig? Weil wir damit zeigen, dass wir die Anliegen junger Menschen ernst nehmen. Weil wir damit Vertrauen in die Bezirkspolitik schaffen. Und weil wir somit ganz konkret in und mit diesem Gremium etwas gegen Politikverdrossenheit tun. Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Politik über sie hinweg entscheidet, sie nicht ernst nimmt. Doch wer früh erlebt, dass die eigene Stimme gehört wird und Einfluss hat, entwickelt Vertrauen in demokratische Prozesse. Mit diesem Beschluss heute können wir zeigen: Eure Perspektiven sind nicht nur willkommen – sie haben Gewicht. Gleichzeitig profitieren auch wir als Bezirksverordnete und der Bezirk selbst: Kinder und Jugendliche nehmen ihren Bezirk anders wahr als wir Erwachsene, haben oft einen anderen Blick auf ihren Alltag: auf Schulwege, Freizeitangebote oder öffentliche Räume. Sie sehen Probleme, die wir vielleicht übersehen würden und haben Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden. Diese Perspektiven machen unsere Entscheidungen als BVV besser. Deshalb geht es heute auch um Vertrauen: Vertrauen darin, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können und wollen. Und dass sie uns als Bezirkspolitik vertrauen können. Und es geht um Respekt: Respekt vor der Zeit, dem Engagement und den klaren Forderungen, die im Beteiligungsprozess formuliert worden sind. Ich möchte mich deshalb im Namen der Grünen Fraktion ausdrücklich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben: bei allen Kindern und Jugendlichen, die sich eingebracht haben, bei den Einrichtungen, Fachkräften und der Verwaltung, die diesen Prozess getragen haben. Sie haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute diesen Schritt gehen können.

Johanna Martens

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