
Einen Zeitungsausschnitt über "Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof" hatte Horste Bosetzky mitgebracht. Fotos: Gogol
Blut und Gehirnmasse spritzten am Freitagabend im Stadtbad Steglitz. Welcher Ort ist wohl geeigneter für eine Krimi-Lesung, als das ehemalige Stadtbad? Die Zuhörerschaft wird über einen dunklen Hof, durch schwach beleuchtete, verschlungene Pfade geführt, um dann im Alten Brunnenhaus Platz zu nehmen, wo der Putz von den Wänden bröckelt und Horst Bosetzky auf Grund seines Hustens jede Menge Schimmel in den Wänden vermutete. Dort empfängt der Krimiautor Bosetzky die Zuhörer zur ersten Runde der Lesung im Rahmen des Berliner Krimimarathons. Eine wahre Geschichte, ein wenig angereichert mit Erfundenem, präsentiert Bosetzky: Die Geschichte von „Berlins erfolgreichstem Serienkiller“ Karl Großmann, der in den 1920er Jahren die Stadt zwischen Engelbecken und Schlesischem Bahnhof in Angst und Schrecken versetzte.
Ihn als Soziologe interessiere natürlich auch, wie au Karl Großmann der Serienmörder wurde. Und so beginnt Bosetzky seine Lesung in der Kindheit Großmanns in Neuruppin. Früher habe er viel in Neuruppin gelesen, erzählt der Autor, bis er mal den Vorschlag gemacht habe, dem dritten großen Sohn der Stadt – neben Theodor Fontane und Karl Friedrich Schinkel –, Karl Großmann, ein Denkmal zu setzen. Solch kleinen Einschübe finden großen Anklang bei den Zuhörern, sorgten für kleine Lacher. Dann beginnt Bosetzky vorzulesen, wie Karl Großmann von Vater und Lehrer geprügelt wurde und wie berauschend er es fand, Tiere zu töten, welcher Schauer ihn dabei überlief. Kein Wunder, dass Großmann den Beruf des Schlachters erlernte. Die folgenden Jahre fasst Bosetzky kurz zusammen: Großmann geht nach Berlin, schlägt sich als Kleinkrimineller durch, geht dann nach Süddeutschland, wo er unter anderem im Zuchthaus landet, weil er eine Minderjährige missbrauchte und tötete. Ab 1914 ist Großmann wieder in Berlin. Dann springt Bosetzky in die 1920er Jahre, als die Mordserie beginnt und Leichenteile im Luisenstädtischen Kanal schwimmen und die Polizei recht hilflos agiert. Schließlich wird Großmann doch erwischt, durch einen Nachbarn.
Nach 45 Minuten – Bosetzky ist Fußball-Fan – beendet der Autor pünktlich mit einem „Halbzeitpfiff“. Die Pause nutzen die Zuhörer, um mit Bosetzky und Gunnar Kunz, der anschließend lesen wird, ins Gespräch zu kommen, Bücher zu kaufen und sie sich signieren zu lassen.
Gunnar Kunz ist Autor einer Krimiserie, die in der Weimarer Republik spielt. Für die Lesung hat der den dritten Teil ausgesucht, „Inflation“. Und der beginnt sehr anschaulich. Genau beschreibt er, wie ein erschlagen wird, das Blut spritzt und sich das Opfer noch ein wenig eigene Hirnmasse vom Anzug schnippt, als letzte Tat auf Erden. Doch das ist nur die Einleitung. Genau beschreibt Kunz ins einem Roman, was Inflation bedeutet. Wenn ein Brot plötzlich 240.000 Mark kostet und ein Stück Butter 180.000 Mark. Wenn man stundenlang in der Schlange beim Kaufmann stehen muss, um dann nicht mehr das zu bekommen was man brauchte oder das Geld nicht akzeptiert wird. Und so ist sich auch Hendrik Lilienthal, Philosophieprofessor nicht zu schade, in Großbeeren und in der Genshagener Heide auf „Hamsterfahrt“ zu gehen, um vergessene Kartoffeln vom Feld zu sammeln. So wie hunderte andere auch. Dabei wird eine Leiche gefunden.
Kunz präsentiert den Zuhörern an diesem Abend ein Gemälde der Zeit, sehr detailgetreu und sorgsam recherchiert. Wer der Mörder ist – und ob der Mord etwas mit dem Geld in den Schuhen des Getöteten zu tun hat – das will der Krimiautor nicht verraten. Dafür unterhält er mit unterschiedlichen Stimmen, mit denen er seine Protagonisten charakterisiert. Etwa den etwas dümmlich wirkenden, stotternden Dorfpolizisten oder den sehr vornehm sprechenden Kommissar.
Wer von Krimis nicht genug hat: In Walthers Buchladen, Bismarckstraße 71 , liest Martin Krist am Sonnabend, 10. November, um 19 Uhr aus „Die Mädchenwiese“. Eintritt kostet fünf Euro.
(go)













Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Die Hallenbäder öffnen, am Wannsee stehen wieder Faß-Saunen. Auch das Stadtbad Schöneberg geht wieder in Betrieb.
Derzeit öffnen nach und nach 25 Hallenbäder für die Öffentlichkeit. Das frisch sanierte Stadtbad Schöneberg steht ab dem 9. September wieder zur Verfügung. Da die Bäderbetriebe dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern, erhält am Eröffnungstag jeder 30. Badegast an der Kasse vor Ort freien Eintritt.
Das Bad war zuvor seit Anfang 2024 teilsaniert worden: Die Technik wurde erneuert und die Heizungsanlage. Auch Teile der Fassade wurden saniert und die Becken neu gefliest. Die Arbeiten kosteten 14,5 Millionen Euro.
Da das Personal jetzt in den Hallenbädern benötigt wird, weil dort mit Schuljahresbeginn das Schulschwimmen startet, schließen nach und nach die 14 Sommerbäder. Das Strandbad Wannsee hat bis zum 13. September geöffnet, das Sommerbad am Insulaner bis zum 11. September.
Das Strandbad bleibt zum Sonnenbaden und Saunieren noch bis zum 04. Oktober geöffnet. Zwei Fass-Saunen mit 85°C und 95°C stehen hierfür zur Verfügung. Im regulären Eintrittspreis ist die Nutzung der Strandkörbe mit inbegriffen. Wer das Sauna-Angebot mit nutzen will, zahlt am Eingang für eine Sauna-Tageskarte 11,50 Euro. Öffnungszeiten: in der Woche von 12 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10-18 Uhr. Die Tickets fürs Sonnenbaden und Saunieren sind direkt an der Kasse vor Ort erhältlich.
Einen Gesamtüberblick über alle offenen Bäder mit ihren jeweiligen Öffnungszeiten nach Tagen sortiert gibt es