Wer soll Mieter werden für das Interreligiöse Zentrum am Hüttenweg. Foto: privat

Wie steht es um die Zukunft des Interreligiösen Zentrums am Hüttenweg? Warum gibt es noch immer keinen neuen Mietvertrag mit den dort ansässigen Gemeinden, obwohl der alte bereits im Februar 2014 endete? Schläft das Bezirksamt? Diese provokante Frage stellte die SPD-Fraktion am Mittwoch in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). „Nein, das Bezirksamt schläft nicht“, antwortete darauf Bezirksstadtrat Michael Karnetzki (SPD), doch die unterschiedlichen Interessen der Nutzer seien schwer unter einen Hut zu kriegen.

1999 hatte der Bezirk mit der katholischen „All Saints“-Gemeinde einen Mietvertrag für das Chaplain Center unterschrieben. Die wiederum schloss Untermietverträge mit weiteren Religionsgemeinschaften sowie einer Montessori-Kita.

Bereits Im September 2012 habe es erste Gespräche über die Verlängerung des Mietvertrages gegeben, erklärte Karnetzki. Die jüdische Gemeinde Sukkat Schalom hatte dabei zu verstehen gegeben, dass sie gerne die Hauptnutzung übernehmen möchte. Zudem hängt der Neubau einer Synagoge, für die die Bezirksverordnetenversammlung 2009 Grünes Licht gegeben hatte, in der Luft. Bisher teilen sich vier Religionsgemeinschaften einen Mehrzweckraum, der für die entsprechenden Gottesdienste umgestaltet werden muss.

Das Bezirksamt favorisiert eine Lösung, bei der sie nur einen Mietvertrag für das Haus abschließen muss. Deshalb hatte es die Gründung eines gemeinsamen Trägervereins aller Nutzer angeregt. Ein Haupt- statt viele Teilverträge wäre wegen des Verwaltungsaufwandes die bessere Lösung, so Karnetzki. Bei Teilverträgen müsste das Bezirksamt zudem bei Streitigkeiten zwischen den Religionsgemeinschaften vermitteln. Das sei für ihn mit einer Trennung von Staat und Kirche aber nicht vereinbar, erklärte der Bezirksstadtrat den Bezirksverordneten.

Auf den Vorschlag des Bezirksamtes hatte es widersprüchliche Rückmeldungen gegeben. Nun versuche man, die Situation durch eine Mediation zu klären, die von der Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) organisiert wird. Die versicherte, dass derzeit Gespräche stattfinden.

Der alte Mietvertrag ist zunächst zu den alten Bedingungen bis Ende des Jahres verlängert worden, um Raum für Diskussionen und Gespräche zu geben, so Karnetzki.

Inzwischen hat sich die Situation aber weiter verkompliziert. Sukkat Schalom hat das Interreligiöse Zentrum verlassen, aber signalisiert zurückkommen zu wollen. Zudem gab es eine Abspaltung. Die Unabhängige Synagogengemeinde Berlin – Bet Haskala gründete sich im März dieses Jahres und feiert ihre Gottesdienste ebenfalls im Interreligiösen Zentrum am Hüttenweg.

Renate Krohm (SPD) war wenig überzeugt, vor allem von den Ausführungen Markl-Vietos, der sie vorwarf, nicht mit den Gemeinden zu sprechen – was diese zurückwies. „Es passiert nichts“, so Krohm.

Torsten Hippe (CDU) erklärte, dass das oberste Ziel sei, alle religiösen Gemeinden an diesem Standort zufrieden zu stellen. Die Aufteilung des Zentrums, so dass jede Gemeinde ihr eigenes Areal hat, hielt er für sinnvoll, deshalb befürworte seine Fraktion auch den Bau einer Synagoge. Der Erhalt der Kita an diesem Standort sei hingegen zweitrangig. Georg Boroviczény (Piraten) sah das ein wenig anders. Dass alle Gemeinden sich den Platz teilen müssten, nötige sie zu einem toleranten Umgang miteinander, fand er. Die Kita solle zudem nicht ausgeklammert werden, denn im Gegensatz zu den Gemeinden, nutzen die Kinder das Gelände an fünf Tagen in der Woche. Zudem sei die Kita ein wichtiges Element einer interreligiösen Gemeinschaft, betonte Markl-Vieteo, der sehr am Verbleib der Kita liegt. Die Kinder der Mitglieder aller Gemeinden am Hüttenweg besuchten die Kita gemeinsam.

Trotz einer teilweise hitzig geführten Diskussion, waren sich die Bezirksverordneten darin einig, dass eine Lösung gefunden werden muss, mit der alle Beteiligten gut leben können.

 (go)