Dem Standort Ladenstraße im U-Bahnhof neues Leben einzuhauchen, neue Projekte und Geschäftsideen zu entwickeln – mit diesen Aufgaben ging vor zwei Jahren das Projekt „Neue Arbeit im Zukunftskiez Onkel Toms Hütte“ an den Start. Am 31. Dezember 2013 geht es nun zu Ende.
„Es war unser großer Traum, einen Zukunftskiez zu entwickeln, mit Elektromobilität und regionalen Produkten“, erläutert Projektleiterin Heide Wohlers vom aha büro für zukunftsfähige Entwicklung und Kommunikation die Vision. Mit dem, was in den zurückliegenden 24 Monaten erreicht wurde, ist sie sehr zufrieden. „Es ist ein Riesenerfolg, dass wir ein Netzwerk mit allen Akteuren haben“, freut sich Wohlers. Obwohl das nicht immer einfach gewesen sei, die verschiedenen Beteiligten mit ihren unterschiedlichen Interessen an den Tisch zu bekommen, das habe vor allem die Eigentümer betroffen, erinnert sich Wohlers. Auf der anderen Seite aber habe es eine sehr aktive Nachbarschaft gegeben, die sich für ein grüneres und nachhaltigeres Leben einsetzte.
Der Standort Ladenstraße habe nicht mehr funktioniert, erzählt Wohlers. Es gab Leerstand und oft minderwertige Angebote. Doch man habe die Ladenstraße als Nahversorgungszentrum für die Anwohner und Nachbarn erhalten wollen, deshalb hätten sich auch das Bezirksamt und die Wirtschaftsförderung im Projekt engagiert.
Neben der Vernetzung gibt es aber auch noch andere Erfolge zu verbuchen. Zum Beispiel einen neuen Fahrradladen, der demnächst einzieht. Dort würden nicht „stinknormale“ Fahrräder angeboten, sondern Elektrofahrräder und – was Wohlers noch viel mehr begeistert – auch individuelle Zweiräder gebaut. Das sei auch eine Würdigung des Architekten Bruno Taut, da die Räder die bunten „Bruno-Taut-Farben“ erhalten sollen, so die Projektleiterin. Auch weitere neue Mieter konnten gewonnen werden, zu Beispiel die Volkshochschule, die dort Kurse anbieten will. „Die Ladenstraße ist nicht nur ein Nahversorgungsstandort, sondern mehr. Sie will auch ein Treffpunkt sein“, betont Wohlers.
Und deshalb gibt es auch noch einiges tun in der Ladenstraße. Geplant sind unter anderem ein Wochenmarkt mit frischen, regionalen Produkten, der das erste Mal öffnen soll, wenn die Bauarbeiten am Bahnhof abgeschlossen sind; ein Laden, in dem handgemachte regionale und internationale Spezialitäten angeboten werden; ein neuer Drogeriemarkt; die Themen Mode und Design sollen weiter bedient werden, um ein junges Publikum anzulocken. „Wir brauchen ein Bistro mit Außenplätzen, wo man gern sitzt und plaudert.“ Auch die Verbreitung der kulturellen Angebote der Ernst-Moritz-Arndt-Kirchengemeinde, der Bruno-Taut-Galerie und des Buchhändlers in der Passage müsste vorangebracht werden, zählt Wohlers auf. Und vor allem müsse die Ladenstraße schöner werden, beonders die Eingangsbereiche.
Darum wird sich nun ein Standortverein kümmern, der sich vor wenigen Tagen gegründet hat, um die im Projekt begonnene Arbeit fortzuführen. Die Kirchengemeinde, die Gewerbetreibenden, der Verein Papageiensiedlung, die Eigentümer und Anwohner – alle haben sich zusammengeschlossen. „Das ist ein Superergebnis“, freut sich Wohlers, dass das Projekt so positiv zu Ende geht, dass man es geschafft habe, die notwendigen Strukturen zu schaffen, um die Projektideen weizerführen zu können. Allerdings gibt es auch noch Hoffnung, dass es vielleicht noch einmal eine Förderung gibt, dieses Mal um ein Management für den Standort aufzubauen. Der Antrag des Bezirksamtes laufe, so Wohlers.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (