Obst aus dem Park, Müsli vom Bürgersteig

Obst aus dem Park, Müsli vom Bürgersteig

Der Lenz ist da, und der Bärlauch sprießt – wie hier im Steglitzer Bäkepark. Viele Infos und Rezepte zu den würzigen Blättchen gibt es derzeit aktuell auf der Mundraub-Webseite., Foto: Daniela von Treuenfels

 

Deine Stadt ist essbar! Unter diesem Motto weist Mundraub.org den Weg zu Kräutern, Nüssen und Beeren. Veranstaltungen und Publikationen öffnen die Augen für Leckereien in Parks und Waldgebieten.

Es begann mit einer schlichten Online-Karte. 2009 ging mundraub.org online: Jeder Interessierte konnte hier Orte finden, an denen Beerensträucher, Obstbäume, Kräuter oder Nüsse wachsen. Wer wollte, konnte einfach einen Standort hinzufügen. Das ist auch heute noch so, und nahezu täglich kommen Fundorte hinzu – weltweit. Nach wie vor bezieht sich der allergrößte Teil der Einträge auf Deutschland. Die Karte ist heute immernoch das Herz des Projekts mit mittlerweile mehr als 53.000 Hinweisen auf öffentlich zugängliches Obst.

Die Nutzer können sich miteinander vernetzen und Einträge kommentieren und bewerten. Seit 2017 sind auch Daten aus kommunalen Baumkatastern in die Plattform integriert. Allein 20.000 Fundorte kommen aus Datenbeständen von sechs deutschen Großstädten und der österreichischen Hauptstadt Wien.

Alle Einträge kennzeichnen öffentlich zugängliche Orte, das ist die Grundregel bei Mundraub. Bäume und Sträucher stehen also nicht auf privatem Gelände. Ernten ist dort erlaubt – für den eigenen Bedarf. Genaueres kann man hier nachlesen: mundraub.org/regeln.

Die Saison beginnt im April mit Bärlauch und Waldmeister und endet im November mit Hagebutten, Schlehen und Nüssen sowie mit Quitten und den letzten Birnen. Wo sie sich finden lassen und was man damit alles machen kann, vermitteln die Mundräuber in Workshops, Touren und Aktionen. Aktuelle Hinweise finden sich auf der Webseite.

Ist das eigentlich gesund, dieses Großstadtobst? Ja, sagt eine Studie der TU Berlin, die auch auf der Mundraub-Seite nachzulesen ist. Die Konzentrationen von Blei und Cadmium in Stadtobst sind demnach mehrheitlich vergleichbar oder sogar deutlich geringer als in Obst aus dem Supermarkt. Dabei speichern Beeren durchschnittlich mehr Schwermetalle als Stein- oder Kernobst. Nüsse akkumulieren am wenigsten. Die Mundräuber empfehlen: „Du kannst dir also gern Müsli vom Bürgersteig sammeln.“

Mundraub sieht sich als großes soziales Experiment, als Plattform zu allen Themen rund um öffentliche Essbarkeiten, deren Verarbeitung und Verwertung. Die bislang hauptsächlich deutschsprachige Community führt gemeinsame Pflanz-, Pflege- und Ernteaktionen durch oder engagiert sich in regionalen Gruppen. Das gemeinsame Ziel: die „Gestaltung der Kulturlandschaft des 21. Jahrhunderts“.

Alle Infos, Publikationen, Fundorte, Termine… : mundraub.org

 

Daniela von Treuenfels

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf berlin-familie.de. Die Autorin ist Herausgeberin des Elternportals. Zudem gehört sie dem Redaktionsteam der Stadtrand Nachrichten an.

 

 

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Unter den Eichen: Radweg-Rückbau erfolgt nicht sofort

[caption id="attachment_104422" align="aligncenter" width="622"] Ehemaliger Rad- und Fußweg Unter den Eichen - geht jetzt alles auf Anfang? Back to the Roots? | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]   Die umkämpfte rund 600 Meter lange Radspur auf der B1 entlang des Botanischen Gartens bleibt bis auf Weiteres bestehen. Eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses der BVV geriet zum wahlkampfgeprägten Schlagabtausch. Die Bezirksverwaltung sieht vor einer Umsetzung des von der Senatsverwaltung angeordneten Rückbaus der Radwegeanlage auf der Straße Unter den Eichen (die Stadtrand-Nachrichten berichteten) rechtliche Bedenken. Weil die Sicherheit der Fußgänger nicht gewährleistet sei, sehe sein Amt Haftungsrisiken, so Stadtrat Urban Aykal (Grüne) in einer von der CDU beantragten Sondersitzung des Ausschusses für Mobilität, Verkehr und Ordnung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Hinzu komme, so Aykal, dass der Bezirk keine Mittel für die Arbeiten zur Verfügung habe. Die Maßnahme würde 65.000 Euro kosten, die auch bei der Senatsverwaltung angefordert worden seien. Auf eine Reaktion der übergeordneten und für das Hauptstraßennetz zuständigen Behörde warte man nun seit einem Monat. „Sobald das Geld da ist, schreiben wir aus“, so der Stadtrat. Der Radstreifen war 2022 von der Senatsverwaltung unter der damaligen Senatorin Bettina Jarasch (Grüne) angelegt worden. Die Begründung damals: der damalige Radweg sei zu schmal und zu kaputt. Das ist er auch heute noch, hier hat sich nichts verändert – außer der Einschätzung der Verwaltung unter der jetzigen Senatorin Ute Bonde (CDU). Wenn die Radfahrer auch den Fußweg zugeschlagen bekommen, heißt es in der Rückbauanordnung, passe die Breite. Das ist dünnes Eis – und für Urban Aykal kein rechtskonformer Weg. Der lasse sich nur erreichen, wenn entlang des Botanischen Gartens die Bäume gefällt werden. „Das wäre die Vollkatastrophe, das würde ich nicht mitmachen“, so der Stadtrat. Thorsten Hippe bezweifelte, dass die Mittel für den Rückbau nicht im Bezirksetat vorhanden seien. Auch der Hinweis der zuständigen Verwaltungsmitarbeiterin, dass der Etat für dieses Jahr entweder ausgegeben oder verplant sei, überzeugte den CDU-Fraktionsvorsitzenden nicht. Er werde das überprüfen. Das BVV-Urgestein Hippe hat seine ganz besondere Abneigung gegen Urban Aykal, die er besonders in den Sitzungen des Bezirksparlamentes auslebt. Da kommt es schon mal vor, dass der scharfzüngige Jurist den Dezernenten in der laufenden Debatte körperlich bedrängt, indem er, sich vor dem Redepult aufbauend, den Stadtrat in ein Zwiegespräch verwickelt. Wenn nun also Torsten Hippe, der eigentlich dem Verkehrsausschuss gar nicht angehört, in einer Sondersitzung den Wortführer seiner Fraktion gibt, geht es nur am Rande um pragmatische Lösungen. Hippe hat seine eigene Agenda, und die heißt Aykal. Daher muss sich der Ausschussvorsitzende Jens Kronhagel (CDU) für die formal ungenügende und aggressiv formulierte Tagesordnung entschuldigen, die er „Eins zu Eins“ von seiner Fraktion übernommen hatte. Hippes Angriffe zerschellten am Dienstag zum einen an einem sonst eher defensiven Aykal, der mehrfach und unmissverständlich deutlich machte, dass er nicht die Absicht habe, sich vorführen zu lassen. Außerdem hatte der CDU-Politiker Schwierigkeiten, Zweifel an den Aussagen des Stadtrates zu säen. Seine Mitarbeiter erläuterten bei Bedarf die Überlegungen des Amtes und ordneten die rechtliche Situation ein. Die Bezirksverordneten sind unter anderem gewählt, um die Verwaltung zu kontrollieren. Man darf nun gespannt sein, ob die CDU in den Winkeln des Bezirkshaushaltes irgendwo noch 65.000 Euro für den Rückbau der Radwegeanlage Unter den Eichen findet.

Daniela von Treuenfels

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