Frühzeitige Bürgerbeteiligung für Parks Range hat sich das Steglitz-Zehlendorfer Bezirksamt auf die Fahnen geschrieben und lud deshalb zur Anwohnerversammlung ein, um den im April vergangenen Jahres begonnenen Bürgerdialog fortzusetzen.
Zwar waren am Dienstagabend nicht alle Plätze in der Carl-Schuhmann-Sporthalle besetzt, doch der Andrang war groß. Er hätte aber noch größer sein können, denn einige der Anwesenden bemängelten, das sie gar keine Einladung bekommen hätten und nur durch das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Ost oder andere Zufälle von dem Termin erfahren haben.
Bevor jedoch die Bürger selbst ihre Fragen stellen und Hinweise geben konnten, war zunächst das Bezirksamt an der Reihe, den derzeitigen Planungsstand in Form des Masterplans vorzustellen. Man habe versucht, jene Schwerpunkte, die bei der ersten Anwohnerversammlung herausgearbeitet wurden, einzubinden, erklärte Sabine Lappe, die Leiterin des Stadtplanungsamtes Steglitz-Zehlendorf. Dort war unter anderem eine zurückhaltende Bebauung gefordert worden, die sich nun in der Einrichtung von einander abgegrenzten Wohnquartieren wiederfinden soll. Wie genau die Bebauung erfolgen soll, muss noch geklärt werden, doch vorgesehen sind laut Lappe jeweils hin zur Straße Gebäude mit bis zu sechs Geschossen, deren Anzahl in Richtung Park auf zwei abnehmen soll. Zwischen den Quartieren soll es eine grüne Vernetzung geben. Der Bahnhof Lichterfelde Süd soll nach dem Masterplan an das Gelände angebunden werden. Der Bezirk wünscht sich dort einen Stadtplatz, soziale Einrichtungen, ein Nahversorgungszentrum.
Probleme bereite der Lärmschutz entlang der Bahn und der Osdorfer Straße. „Wir wollen keine Abschottung durch Lärmschutzwände“, beteuerte Lappe, die hofft, dafür eine städtebauliche Lösung zu finden.
Gebraucht würden für das neue Wohnquartier 350 Kita-Plätze, eine Schule mit dreieinhalb Zügen, Sport-, Spiel- und Erholungsflächen. Bisher noch keine Lösung habe man für die Gewerbetreibenden gefunden, gab die Stadtplanerin zu.
„Grüne Mitte“
Sicher hingegen ist, dass eine grüne Mitte entstehen soll. Das ergebe sich aus dem Naturschutzgutachten, welches dem einstigen Militärübungsplatz eine hohe Bedeutung für den Naturschutz attestierte, wie Dr. Andreas Ruck, Leiter des Umwelt- und Naturschutzamtes Steglitz-Zehlendorf, erläuterte. Seltene und schützenswerte Pflanzen und auch Tiere haben sich auf dem Gelände angesiedelt. „Es ist bereits ein Landschaftspark“, erklärte Ruck, mit einem Zustand wie vor tausend Jahren.
Das bewährte Grundkonzept mit den Pferden des Holderhofes als Naturpfleger habe sich bewährt und solle fortgesetzt werden, betonte Ruck. Doch es gebe auch noch viele Fragen zu klären. Etwa, wer die Trägerschaft für den Park übernimmt, wie die Kosten für Pflege und Unterhaltung finanziert werden können und welche weiteren Maßnahmen auf dem Gelände initiiert werden sollten.
Einer geforderten sofortigen Öffnung des Geländes erteilte Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) an diesem Abend eine deutliche Abfuhr. Die Gefahr, dass der schützenswerte Park zu einem Hundeauslaufgebiet verkomme, sei ihr zu groß. Wer sich das Areal anschauen möchte, könne dies bei geführten Wanderungen, den der Holderhof regelmäßig anbiete, so die Bezirksstadträtin.
„Wir planen ja noch gar nicht“
Immer wieder Thema war die Zahl der Wohnungen, die entstehen soll. Im kritisierten „letter of intent“, der Absichtserklärung von Bezirksamt und Investor, der Groth Gruppe, wird ein Korridor von 2.200 bis 2.700 Wohnungen genannt. Das seien viel zu viele, das seien ja noch mehr als in der Thermometersiedlung, scholl die Kritik mehrfach aus dem Publikum. Doch Lappe und auch Bezirksstadtrat Norbert Schmidt (CDU) betonten immer wieder, dass diese Zahl noch nicht feststehe. Die genaue Zahl werde erst im Laufe der Planungen ermittelt, es könnten auch weniger Wohnungen entstehen. „Wir sind noch in den Vorbereitungen. Wir planen ja noch gar nicht“, betonte Lappe. Dazu gehört auch die Änderung des Flächennutzugsplans. Der derzeitige ziehe eine Baumaske über das gesamte Gebiet. „Es würde alles zerstört, wenn dieser Plan umgesetzt wird“, erklärte Lappe.
Von dem Wohnraum der entstehen soll, haben die Anwohner bereits Vorstellungen. Bezahlbaren Wohnraum forderte etwa Helmut Schmidt vom Aktionsbündnis. Auch ein Mix aus Miet- und Einfamilienhäusern sowie Einrichtungen für generationsübergreifendes Wohnen wurden als Ideen ins Spiel gebracht, um eine gute Durchmischung des neues Wohngebiets zu erreichen.
Ein Thema, das die Zuhörer ebenfalls sehr bewegte, war der Verkehr. Schon jetzt komme er kaum mit seinem Auto auf die Osdorfer Straße, berichtete ein Anwohner der Celsiusstraße aufgebracht, vor allem am Wochenende „wenn die Brandenburger einreiten“, sei die Straße überfüllt. Von ähnlichen Erfahrungen berichteten auch weitere Zuhörer. Wie das mit noch mehr Anwohnern und noch mehr Autos werden soll, konnten sie sich kaum vorstellen. Sie verlangten eine großräumige Planung, um einen Verkehrsinfarkt zu verhindern.
Eine andere Anwohnerin gab zu bedenke, dass der Zuzug auch Folgen für den Busverkehr habe – ein Einwand, den man bisher noch nicht bedacht habe und für die Planungen mitnehme, versicherte Schmidt.
Keine Planungssicherheit für Gewerbebetriebe
Immer wieder gab es Fragen zu den Gewerbetrieben und deren Zukunft. Nicht nur die Gewerbetreibenden wollten Aussagen hören, ob sie an dem Standort planen können. Auch Anwohner betonten, wie wichtig die Gewerbetreibenden dort seien. Sie sei behindert und auf die Werkstatt dort angewiesen, erklärte eine Frau aus dem Publikum. Und sie sei nicht die einzige. Es gebe viele ältere Leute, die die Leistungen dort in Anspruch nehmen.
Erst spät in der Diskussion nahm auch Klaus Groth dazu Stellung. Er führe mit allen Gewerbetreibenden dort Gespräche. Ob die Betriebe aber auch über das Jahr 2015 – dann soll Planungsrecht für Parks Range geschaffen sein – dort bleiben können, könne auch er nicht sagen. Das hänge davon ab, ob sich die jeweiligen Gewerbe mit Wohnungsbau vertragen, etwa hinsichtlich Lärm- und Staubbelastung. Conny Meise, die dort ein Gewerbe betreibt, betonte, dass keiner dort umziehen möchte. Doch bisher sei bei ihnen allen nur angekommen, dass Ende 2015 Schluss sei für alle Betriebe. Als eine mögliche Lösung brachte sie eine „Gewerbeinsel“ ins Gespräch.
Die Einrichtung von Kitas, der Bau einer Schule, Schaffung von sozialen Einrichtungen waren weitere Themen, die an diesem Abend angeschnitten wurden.
Fortgesetzt und vertieft werden sollen die Themen bei einer Bürgerwerkstatt am 23. November. Anschließend sind drei Fachworkshops geplant, bei denen die Themen „Grüne Mitte“, Stadtplanung und Architektur besprochen werden sollen. Eine große Informationsveranstaltung, bei denen die Ergebnisse der Workshops präsentiert werden sollen, ist für Sommer 2014 geplant.
Kritik an dem Verfahren kam aus den Reihen der Piraten und der Linken, denen dies zu wenig Bürgerbeteiligung ist.
(go)












Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]
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In einem gemeinsamen Projekt wollen vier Steglitz-Zehlendorfer Jugendeinrichtungen ein „starkes Zeichen für die Stärkung der Erinnerungskultur und die Förderung der Gedenkstättenpädagogik“ setzen. Vom 19. Oktober bis 23. Oktober findet eine Bildungsfahrt nach Krakau statt, bei der die Teilnehmenden die historischen Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besuchen sowie eine Stadtführung in Krakau erleben werden.
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Wichtig: die Anmeldefrist endet am 22. Juni. Alle Infos: