Das Haus des Theaterkritikers und Tagesspiegel-Herausgebers Walter Karsch an der Klopstockstraße 37 ist das Denkmal des Monats Mai.
Karsch hatte 1959 Georg Heinrichs, einen Verfechter der Nachkriegsmoderne, beauftragt, der konsequent den Formenapparat des Funktionalismus der Zwanziger Jahre aufnahm und umsetzte. Dabei vereinte er die horizontal dynamische Architektur Erich Mendelsohns mit der Rationalität Mies van der Rohes zu einer eigenen Architektursprache.
Der heute an der Clayallee lebende Heinrichs sagt von seinen Häusern, dass sie alle horizontal strukturiert und mit weißen oder dunkelblauen Fenstern ausgestattet sind. Die Horizontale sei eine Geste der Zurückhaltung und Bescheidenheit. Sie dominiere stets seine Entwurfshaltung. Die Farbe dunkelblau stehe für Ruhe und Ausgeglichenheit. Aggressive Vertikalen hingegen lehne er ab, ebenso das Quadrat, dem in seiner Zunft selbst ernannte Rationalisten viel zu häufig huldigten.
Stattdessen schieben sich in diesem Einfamilienhaus verschiedene Blöcke ineinander. Die in ihren Höhen variierenden Quader wachsen nach Süden an und werden mittig von einem Kamin überragt. Der eingeschossige Mauerwerksbau brilliert in seiner Ziegelqualität mit sehr lebendig wirkenden Farbnuancen. Die hohe Attika sowie die weißen Holzfenster sind ebenfalls typische Elemente des Architekten. Die Betonung der Horizontalen wird durch die rechteckig kassettierte Fensterbänder unterstrichen. Das Wiederaufgreifen des Funktionalismus durch die auch in Zehlendorf bereits in den Zwanziger Jahren verwendeten Stilmittel der Avantgarde ist typisch für die Bauauffassung Georg Heinrichs.
Das Haus ist in den natürlich belassenen Baumbestand eingebettet. Dadurch gestaltet Heinrichs einen reizvollen Kontrast aus stereometrischer Strenge und natürlicher Vegetation. Allein zwei Rundungen brechen die Geradlinigkeit der Fluchten. Ein konvexer Mauerschwung leitet auf der Nordseite zum Hauseingang, der auf der Südwestseite konkav ausschwingt, um dort die Gartenterrasse abzuschirmen. Haus, Außenanlagen und Einfriedung verschmelzen in der durchgehenden Verwendung des markanten Ziegelmaterials.
Haus Karsch ist für die Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts vor allem wegen seiner kubischen Architektursprache ein typischer Antipode zu dem sogenannten organischen Bauen. Es wurde 1998/99 für die Büronutzung einer Immobilienfirma saniert. Georg Heinrichs begleitete die Arbeiten in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde.
Eine außergewöhnliche Koinzidenz von Restaurierung und Autorenlesung mündeten in einem vorbildlichen Ergebnis. Vielfältig in der Fachpresse gewürdigt ließ auch Prof. Paul Kleihues ein Modell von Haus Karsch nachbauen, um es in seiner Ausstellung über das Einfamilienhaus zu präsentieren.
Georg Heinrichs wurde 1926 in Berlin geboren und arbeitete mit Werner Düttmann und Hans Christian Müller an dem städtebaulichen Konzept und der Gesamtplanung für das MärkischeViertel. Er plante die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße mit Gerhard und Klaus Krebs sowie das Forum Steglitz am Walter-Schreiber-Platz mit Finn Bartels und Christoph Schmidt-Ott. Von ihm stammt das Hotel Excelsior in der Hardenbergstraße. Und er war Alvar Aaltos Kontaktarchitekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung von 1957.
Die Villa Auerbach an der Clayallee, die Heinrichs seit 1973 bewohnt, ist übrigens ein Bau von Bruno Paul, dem Architekten der eleganten Ozeanliner der Zwanziger Jahre.
Michaele Brunk
Denkmalschutzbehörde












Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine Radwegeanlage wird zurückgebaut. Die Verantwortlichen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, Verkehrsteilnehmer bewusst gegeneinander aufgebracht zu haben. Das Ergebnis ist ein verkehrspolitischer Stillstand.
Wer mit der Gegend um den Kreisel, Schloßparktheater und Gutshaus Steglitz vertraut ist, konnte ahnen, dass die Sache mit dem Radweg schiefgeht. Der Verkehr, der sich hauptsächlich von der Autobahn 103 und zu einem geringeren Teil aus der Schloßstraße und zu einem noch geringeren Teil aus dem Wolfensteindamm in Richtung der Straße Unter den Eichen ergießt, staute sich schon immer an der Kreuzung Schloßstraße/Hindenburgdamm. Weil Abbieger die linke Spur blockieren, fädeln sich die geradeaus Fahrenden in die rechte Spur ein, der Verkehr staut sich. Auf dem aktuellen
Klare Sache: Radweg kaputt. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Wer sich vor vier Jahren um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer in diesem Gebiet sorgte, hätte eigentlich den Blick auf den Hindenburgdamm lenken müssen. Wer dort mit dem Rad zwischen Gardeschützenweg und Drakestraße unterwegs ist, fährt nicht nur durchgehend auf einem schmalen und kaputten Streifen, der zwischendurch auch mal komplett fehlt. Radfahrer müssen jederzeit mit unberechenbaren Hunden, Kindern und unvorsichtigen Erwachsenen rechnen. Baugerüste rechts, Straßenbaustellen links. Einzelhandel, Dienstleister und Bushaltestellen – mit jeder Menge Publikumsverkehr.
Das Anliegen, auf dem Hindenburgdamm eine Bus- und Radspur einzurichten, stand sogar kurz vor der Umsetzung. Der Plan einer Busspur zwischen Klingsorstraße und Gelieustraße wurde 2024 wegen rechtlicher Bedenken zurückgestellt, aber nach der dafür notwendigen und vollzogenen Änderung der Straßenverkehrsordnung nicht wieder aufgenommen. Auf dieser Strecke verkehren drei Buslinien – an der gut 600 Meter langen Radwegeanlage Unter den Eichen fährt nur eine Buslinie, die M48.
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Doch keine klare Sache: Schadstellen lassen sich problemlos umfahren. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zurück also an den Botanischen Garten, an dessen Zaun entlang sich der außer Betrieb gesetzte Geh- und Radweg befindet. Fußgänger sind hier fast nicht anzutreffen, und vereinzelt kann man hier Radfahrer beobachten. Letztere finden hier weitaus bessere Bedingungen als am Hindenburgdamm. Der Weg ist gut befahrbar, und schadhafte Stellen lassen sich auf dem menschenleeren Fußweg gut umfahren. Das sieht mittlerweile auch die Senatsverkehrsverwaltung so. Der Fußverkehr sei „überschaubar“, begründet sie ihre Volte, und damit sei genug Platz für Radfahrer.
Diese Sichtweise kommt nicht gut an.
Der zur Umsetzung verpflichtete Bezirksstadtrat Urban Aykal (Grüne) gibt sich empört, die Anordnung des gemeinsamen Geh- und Radweges sei „sehr fragwürdig“. Der Bezirk habe Ende April 2026 im Rahmen einer Anhörung eine ausführliche Stellungnahme abgegeben. „Unsere darin fundiert begründeten Bedenken werden weggewischt“, so Aykal. Eine Nachfrage zur Einsicht in die Stellungnahme blieb ohne Antwort.
Die Verkehrsverwaltung verweist auf die Frage nach den Gegenargumenten auf die Begründung der Weisung an den Bezirk, den Radweg Unter den Eichen zurückzubauen. Das Dokument bezieht sich ausschließlich auf die Bus- und Radspur. Wie eine Sanierung des Gehwegs, der nun wieder Radweg werden soll, ausgeführt werden soll, wird nicht thematisiert.
„Mitunter“, heißt es in der Anordnung vom 29. Juli, gebe es aufgrund der „Einengung für die Radverkehrsanlage Höhe Botanischer Garten“, „Schwierigkeiten an der Kreuzung mit der BAB 103“. Die „Schwierigkeiten“ werden nicht näher benannt. Die „Stauwurzel“ an der Straßenkreuzung Am Fichtenberg ist laut Diagnose der Verwaltung die Mutter aller Probleme. Die beiden folgenden Fußgängerampeln am Begonien- und Asternplatz seien für die Überlastung nicht die Ursache.
Neben der Behinderung des Busverkehrs wird die Situation an der Kreuzung Schloßstraße / Hindenburgdamm aufgezeigt, die durch Fehlverhalten der Autofahrer entsteht: Obwohl der Stau deutlich erkennbar ist, überfahren einige Fahrer die Ampel. In der Folge stehen die Autos auf der Kreuzung und auch auf der Fußgängerquerung. Der Knotenpunkt liegt auf den Schulwegen zahlreicher Kinder, die drei naheliegende Schulen besuchen.
Die Lösung ist für die Verkehrsverwaltung die Herstellung des ursprünglichen Zustandes, fast jedenfalls: Um auf die gesetzlich vorgeschriebene Breite von 2,50 Meter zu kommen, wird dem alten Radweg der Gehweg zugeschlagen. 1,75m Gehweg plus 80 bis 100cm Radweg – passt. Wo die Fußgänger dann laufen sollen, bleibt offen.
Ob diese Linie vor Gericht Bestand hat, muss sich zeigen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bereits angekündigt, die geplante Abschaffung des Radwegs auf dem Rechtsweg zu stoppen. Die Organisation war bereits in einigen Berliner Verkehrsstreitsachen erfolgreich, zuletzt verhinderte die DUH die Abschaffung von Tempo 30 in der Albrechtstraße (