
Glasfaser Arbeiten | Foto: Telekom
Glasfaser ist der neue Standard der digitalen Datenübertragung. Allmählich kommt die Zukunft in die Berliner Haushalte.
So werden derzeit in Steglitz 500 Wohnungen und Unternehmen zwischen Albrechtstraße, Breite Straße, Klingsorstraße, Leydenallee, Mittelstraße und Plantagenstraße an das schnelle Internet angeschlossen. „Ein Kompressor bläst das Kabel vom Netzverteiler bis zum Kunden – wie auf einem Luftkissen“, erklärt Telekom-Unternehmenssprecher Georg von Wagner. „Der Kompressor drückt mit 5 bis 16 Bar. Das Kabel bleibt unversehrt, auch bei langen Strecken und Kurven.“
Die Montageteams verbinden die Glasfaserkabel, die Monate zuvor unter den Gehwegen verbaut worden waren, mit den Häusern. Dem Ziel, der 1000Mbit-Leitung (und noch viel mehr) ist man also schon näher. Derzeit enden die Glasfaserkabel am Verteilerkasten auf der Straße, die letzten Meter verlaufen über Kupferleitungen. Diesen Standard nennt man FTTC, Fiber to the curb.
FTTB, Fiber to the building, ist der nächste Schritt; das Glasfaserkabel reicht bis in den Keller eines Hauses. Ab dort kann auch über Kupfer- oder Koaxialkabel weiterverteilt werden. Die erreichbaren Geschwindigkeiten sind höher als bei DSL-Netzen.
Die High End-Vision ist der FTTH-Standard (Fiber to the home); die Glasfaserleitung reicht direkt bis in die Wohnung oder ins Einfamilienhaus. Wer mit dieser Lösung digital unterwegs ist, ist fit für die Zukunft: Mehrere Personen können gleichzeitig digital lernen und arbeiten, surfen, streamen und spielen. Schon heute hat jeder Haushalt durchschnittlich mehr als zehn internetfähige Geräte – Tendenz steigend. Das „Smart Home“ oder die Überwachung der häuslichen Pflege brauchen zukünftig genauso Datenvolumen wie Stromspeicher und Solaranlagen, die intelligent aufeinander abgestimmt kommunizieren und extern gewartet werden.
Glasfaser gilt darüber hinaus als energieeffizienter als ein Kupferkabel und weniger störanfällig. Der Breitbandatlas des Bundes (Stand Juli 2025) zeigt jedoch für Berlin erst wenige Häuser mit Glasfaseranschluss. Der Fortschritt, so scheint es, ist eine Schnecke. Die Ursachen für die zaghafte Nachfrage sind naheliegend: für die allermeisten Privathaushalte ist DSL mit 250Mbit/s derzeit völlig ausreichend, auch mit Homeoffice, älteren Kindern und Serienjunkies. Ein Upgrade, denken sich wohl viele, ist nicht nötig.
Der zweite Grund könnten fragwürdige Werbepraktiken der Telekommunikationsanbieter sein. Weil sich der Ausbau bis in den Hauskeller (FTTB) nur rentiert, wenn viele Hausbesitzer mitmachen, greifen die Unternehmen zur Methode Direktmarketing. Diese Haustürgeschäfte empfinden nicht Wenige als unseriös, und auch die Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht: „Lassen Sie sich zunächst den Dienstausweis des Vertriebsmitarbeiters zeigen und notieren Sie sich gegebenenfalls Namen und Mitarbeiternummer. Nach den Erfahrungen der Verbraucherzentralen nutzen Vertreter:innen Sprachmängel oft aus, ebenso wie technische Unkenntnis. Vertreter:innen versuchen damit überteuerte Verträge oder zusätzliche Optionen, etwa Router oder Sicherheitspakete, zu verkaufen, damit ihre Provision steigt.“ Mieter und Eigentümer sollten sich Prospekte geben lassen und sich über das Internet informieren. Keinesfalls sollte man einen Vertreter in die Wohnung lassen. Grundsätzlich raten die Verbraucherschützer aber dazu, sich ans Glasfasernetz anschließen zu lassen unter dem Motto: „Heute schon an die Bandbreiten von morgen denken“.
Das sehen auch die Finanzexperten des unabhängigen und gemeinnützigen Portals finanztip.de so, und sie raten auch dazu, sich zügig zu entscheiden: „Die von Finanztip betrachteten Internetprovider bieten einen günstigen oder kostenlosen Anschluss an, wenn bei Dir vor Ort zum ersten Mal Glasfaser ausgebaut wird – aber meist nur in Verbindung mit einem Internetvertrag“, schreiben die Sparfüchse. „Nachträglich ist es dagegen bei den meisten der betrachteten Anbieter teurer, einen Anschluss zu erhalten. Das kann je nach Region und Anbieter von rund 800 bis gut 3.400 Euro kosten.“
Sowohl die Verbraucherschützer als auch die Experten von Finanztip empfehlen, sich die angebotenen Tarife genau anzusehen, dem eigenen Bedarf anzupassen und Preise zu vergleichen. Im Zweifel sollten Nutzer zunächst das geringere Datenvolumen wählen. Auch wenn die Telekom den Anschluss hergestellt hat, muss man sich nicht auf diesen Anbieter beschränken. Das Unternehmen stellt Teile seiner Leitungen Kooperationspartnern zur Verfügung, beispielsweise O2 oder 1&1. Wer hier bestellt, bekommt ebenso Glasfaser verlegt.
Viele weitere Informationen, insbesondere zu Rechten und Pflichten von Mietern, Wohnungseigentümern und Immobilienbesitzern, finden sich ausführlich im Überblick bei finanztip.de. Am Ende heißt es dort: „Wenn Du im Radio, in Plakatwerbung oder in der Lokalzeitung davon hörst, dass Deine Region zum Ausbaugebiet erklärt wird, freu Dich. Und beschäftige Dich ernsthaft mit einem Anschluss während der Ausbauphase, ohne Dich an der Haustür dazu drängen zu lassen.“
Daniela von Treuenfels
Leseempfehlungen:
Verbraucherzentrale Bundesverband: Häufige Fragen und Antworten zum Glasfaseranschluss
Infos zum Glasfaser-Anschluss bei finanztip.de
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Mit Eltern, Kindern und hochrangigen Gästen ging am Wochenende ein temporäres Beteiligungsprojekt von Kindern und für Kinder an den Start. Der Kirchenraum der Patmos-Gemeinde in der Steglitzer Gritznerstraße wurde dafür komplett umgekrempelt.
Der seit 1963 bestehende würfelförmige Gemeindesaal, in dem sonst eine rituelle Ordnung mit Orgel, Altar, Kanzel und Stuhlreihen besteht, hat nun den Charakter eines Indoor-Spielplatzes. Es gibt Höhlen, eine Bastelecke, Tobeflächen und „Aquarien“ mit Fischen.
Fische, logisch. Denn rund um eine Insel ist Wasser, und da ist auch Leben. Genau wie auf der Insel, dort wohnen die Kinder. Über allem schwebt Frieda, die Taube. Sie achtet darauf, dass es allen gutgeht. Das ist das von den Kindern erdachte Konzept der Friedensinsel.
Eine Transformation vom Kirchensaal zur Friedensinsel ist nicht nur ungewöhnlich, sondern hat alle Beteiligten Hirn, Kraft und Zeit gekostet. Der Kirchenkreis Steglitz stand als Geldgeber zur Seite. Am Anfang standen Berichte aus der Partnergemeinde im schwedischen Göteborg, erzählt Gemeindepädagogin Stefanie Conradt. Dort gebe es schon länger einen (dauerhaften) extra gestalteten Raum für Kinder. Auch in Deutschland fänden sich Beispiele: In Hannover, Hildesheim oder Hamburg bieten Gemeinden den Jüngsten zeitweise oder permanent eigene Orte für ihre Themen und Fragen.
Stefanie Conradt fand mit ihrem Wunsch nach einem Beteiligungsprojekt Verbündete in der Pfarrerin der Patmos-Gemeinde und dem Kirchenkreis Steglitz-Zehlendorf. Die Umsetzung wurde über einen Zeitraum von 16 Monaten intensiv geplant und vorbereitet: Ein Kirchenraum, der unter der Beteiligung von Kindern ganz nach ihren Ideen und Bedürfnissen ausgestattet ist und in dem das passiert, was Kinder sich wünschen. Ein Ort zum Spielen, Ruhen, Reden, Tanzen, Hören und Feiern.
Rund 300 Kinder beteiligten sich an Aktionstagen und Umfragen und formulierten ihre Ideen und Wünsche für die Friedensinsel. Der zehnköpfige Kinderrat mit Kindern zwischen 5 und 11 Jahren beriet diese Ideen mit Studierenden des Masterstudiengangs Bühnenbild der Technischen Universität Berlin. Nach mehreren Abstimmungsrunden gestalteten die Studierenden den Kirchenraum nach den Wünschen der Kinder um.
Am Sonnabend wurde die umgestaltete Kirche nun feierlich eröffnet – auf Socken, denn Schuhe sind hier (wie auch Handys, Schimpfwörter, Essen und Trinken) nicht erlaubt; so haben es die Kinder entschieden.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bischof Christian Stäblein präsentierte sich also untenrum schwarz-gelb, während er oben exakt den Ton traf. Kurzweilig und kindgerecht und in einer Art Mitmach-Ansprache verdeutlichte der Geistliche anhand von Willkommensgesten das Ziel der Friedensinsel: Ankommen, sich sicher fühlen und wachsen. Auch die Ghettofaust – „meine Lieblingsbegrüßung“ – sei eine herzliche Gebärde: zunächst verschlossen, öffnet sie sich zu einem fröhlichen Gruß. Darum, so Stäblein, gehe es hier: aus sich herauskommen, sich die Welt erschließen und sich darin entwickeln.
In Vertretung des Regierenden sprach Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson zur Gemeinde. Ihre Botschaft: Ihr Kinder seid die Zukunft, habt die Chance zu gestalten, „und das müsst ihr auch“. Was die Politik tut, um Ressourcen und Strukturen für die Beteiligung von Kindern bereitzustellen, sagte die Senatorin nicht. Da war es doch gut, dass die anwesenden Bezirksstadträte (Tim Richter (CDU), Carolina Böhm (SPD) und Malgorzata Sijbrandij (CDU)) nicht zu Wort kamen. Die Lokalpolitiker hätten erklären müssen, dass Steglitz-Zehlendorf es im Gegensatz zu vielen anderen Bezirken noch nicht geschafft hat, ein Kinder- und Jugendparlament zu etablieren. Die BVV wird erst in dieser Woche einen Beschluss dazu fassen.