
Klein, aber modern und praktisch eingerichtet sind die Zimmer im Haus 5. Fotos: Mila Hacke für Winfried Brenne Architekten / Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf
Im Oktober diesen Jahres wurde im Deutschen Architektenblatt über studentisches Wohnen berichtet. Aus welchem Grund auch immer verglich die Autorin ein Containerdorf im Berliner Plänterwald, das sie als „hippen“ Prototyp für schnellen Wohnungsbau beschreibt, mit dem Studentendorf Schlachtensee. Dessen organischer Städtebau der 1950er Jahre schrecke dagegen nur ab. Die Atmosphäre sei anonym, bedrückend und dunkel.
Haus 5, das im Rahmen der nunmehr seit einem halben Jahrzehnt laufenden Arbeiten innerhalb des Studentendorfes zu einem aktuellen Paradebeispiel denkmalpflegerischer Sanierung der Nachkriegsmoderne erstrahlt, möge nicht nur den Leser des Architektenblattes, sondern auch interessierte Nichtmitglieder und Freunde der Denkmalpflege an die einstmaligen Ideale der Demokratie als Bauherr erinnern.
Nachdem im amerikanischen Sektor 1948 Wissenschaftler und Studenten die Freie Universität als Alternative zu der zunehmend unter den Einfluss der SED geratenden Humboldt-Universität gegründet hatten, wurde Demokratie nicht nur im universitären Alltag und in der Mitwirkung der Studierenden in der akademischen Selbstverwaltung geübt. Die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden sollte sich auch im wirklichen Leben wiederfinden. Der erste Bauabschnitt der größten und modernsten Studentensiedlung Deutschlands entstand 1956 bis 59 mit 21 Wohnhäusern auf einer ehemaligen Agrarfläche an der Potsdamer Chaussee. Die mit variierenden Neigungsgraden, vorwiegend zwei- bis dreigeschossigen, ineinander verschränkten Flachbauten für 700 Bewohner (Studenten und Tutoren) gruppieren sich um einen „Dorfanger“ aus Bibliothek, Rathaus, Versammlungs- und Veranstaltungshaus.
Mit Hilfe großzügiger Spenden des amerikanischen Volkes lebte „das kleine Dorf“, in dem der Zaubertrank Demokratie hieß, den Widerstand nicht nur gegen die Infiltration von SED-nahen Studenten aus der DDR, die sich bis zum Mauerbau in der FU einschreiben konnten, sondern gleichermaßen gegen den Einfluss reaktionärer Burschenschaftent.
Die ersten architektonischen Studien für die Anlage enstanden auf Initiative der Studentenschaft. Hermann Fehling hatte in der Van’t Hoff Straße 6 eine Mensa für die FU gebaut, die in ihrer neuen Architektursprache mit fließenden Grundrissen, transparenten Großräumen und zirkulierenden Verkehrsflächen dem Geist des demokratischen Aufbruches zu entspringen schien. Für das Studentendorf lieferte er zunächst ohne Auftrag eine Planung, die es der FU ermöglichte, für dieses Projekt erfolgreich zu werben. Mit der Ausführung des Studentendorfes gründeten die zunächst von ihm angestellten Architekten Peter Pfankuch und Daniel Gogel mit Fehling eine weithin erfolgreiche Bürogemeinschaft, die sich für die Gartengestaltung gerne von Hermann Mattern unterstützen ließ.
Das Wohnhaus Nummer 5 zeigt exemplarisch eine höchst qualitätvolle Gestaltung aus kostengünstiger Konstruktion und geringem Materialverbrauch, die aus dem Kontrast von Sichtbeton und kräftigen Farbflächen, schlanken Stahlprofilen und holzsichtigen Handläufen zu einer räumlich erfahrbaren Komposition arrangiert sind. Die Wohnbereiche sind klein aber gut geschnitten und noch besser mit Einbauten möbliert. Etagenbezogene Küchen und das offene Treppenhaus bilden die zentralen Räume der Gemeinschaft.
Diese Qualitäten wieder mit Leben zu erwecken, gelingt in mühevoller Planarbeit der 2003 gegründeten Genossenschaft Studentendorf Berlin-Schlachtensee mit Unterstützung der vielfach ausgezeichneten Architekturbüros Autzen und Reimers sowie Winfried Brenne aus Berlin. Mit starker Öffentlichkeitsarbeit präparierten zuvor der Freundeskreis von Hardt-Waltherr Hämer und die genossenschaftliche Inititiative die lange Jahre vom Abriss bedrohten Baulichkeiten hinter unansehnlichen Überformungen wieder frei und begründeten damit 2006 ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.
Dr. Jörg Rüter, Denkmalschutzbehörde












Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]