In den vergangenen Jahren wurden im Sommer in der Schwimmhalle Opern inszeniert, in diesem Jahr wurde dies nicht genehmigt. Archiv-Foto: Gogol

Beim Namen „Stadtbad Steglitz“ denken mittlerweile viele Steglitz-Zehlendorfer nicht mehr sofort ans Schwimmen, sondern an Kultur, an Lesungen und Theaterabende. Vor allem die Opern-Inszenierungen im ehemaligen Schwimmbad erfreuten sich großer Beliebtheit auch weit über die Bezirksgrenzen hinaus. Wann sitzt man als Zuschauer auch schon in einem Schwimmbecken direkt vor den Musikern?

Doch in diesem Sommer ist alles anders. Die geplante Inszenierung von Mozarts „Cosi fan tutte“ ist abgesagt. Grund: Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hat Eigentümerin Gabriele Berger eine Nutzung der Schwimmhalle versagt. Dagegen wehrt sie sich derzeit juristisch.

Warum das Bezirksamt die Nutzung verweigert, will Berger nicht sagen. Doch sie hält die Begründung für „in sich rechtswidrig“.

Vor zehn Jahren hat Berger das einstige Stadtbad mit seinen Nebengelassen für einen Euro vom Liegenschaftfonds Berlin gekauft, mit dem Ziel und der Vorgabe, dort wieder ein Schwimmbad einzurichten. Die kulturelle Nutzung der vergangenen Jahre war mit einer Zwischennutzungserlaubnis vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf zugelassen worden. Allerdings nur befristet bis Ende 2013. Bevor die Sanierungen für das Gebäude in diesem Jahr beginnen, könne man noch einmal eine Oper ins Schwimmbecken bringen, dachte sich Berger. Sie beantragte eine Ausnahmegenehmigung, die ihr aber für sie überraschend verweigert wurde.

Zehn Jahre lang habe sie sich bemüht, den Wiederaufbau des Bades voranzutreiben, was aber nicht einfach gewesen sei. „Das Haus steht unter Denkmalschutz. Ich habe es erhalten, gepflegt und dem Senat zehn Jahre lang die Kosten dafür erspart“, sagt Berger. Sie tue doch auch etwas für den Bezirk und für die Stadt Berlin – sogar bis in Berlin-Reiseführer habe man es geschafft. „Ich würde mir als Bürgerin wünschen, dass mir nicht jeder Stein in den Weg gelegt wird“, sagt die Inhaberin den Stadtbades; dass man ihr Unterstützung und Gespräche angeboten hätte, statt sie mit „nicht nachvollziehbaren Schriftsätzen“ zu überziehen. Denn der Rechtsstreit mit dem Bezirksamt ist derzeit nicht Bergers einziger. Auch mit dem Liegenschaftfonds, der ihr vorwirft, in den Räumen unerlaubt Kultur statt einem Schwimmbad zu betreiben, gibt es juristische Auseinandersetzungen. „Warum es nach zehn Jahren eskaliert, entzieht sich meiner Kenntnis“, sagt Berger, die zugibt, verletzt zu sein durch die Absage des Bezirksamtes. Doch sie ist auch zuversichtlich, den Rechtsstreit zu gewinnen: „Die Chancen stehen ganz gut.“

Auf SN-Nachfrage heißt es aus dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, „dass sich das Bezirksamt aufgrund eines schwebenden Verfahrens hinsichtlich der Vertragsverlängerung zwischen Frau Berger und der Liegendschaftsfonds Berlin GmbH & Co. KG zur Zeit nicht in der Lage sieht, ihr eine abschließende Stellungnahme breziehungsweise Genehmigung zu erteilen.“ Mehr ist zu den Gründen nicht zu erfahren, da der zuständige Stadtrat derzeit im Urlaub ist.

Ob der Rechtsstreit mit dem Bezirksamt vor Gericht geht oder das Anliegen anderweitig zu klären ist, kann Berger nicht einschätzen. Nur eins ist sicher: Für „Cosi fan tutte“ ist es dann zu spät.

 (go)