
Die 1872 errichtete Villa an der Graberstraße 4 ist Denkmal des Monats April. Foto: Architekturbüro Pauly-Kayser & Grünewald / Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf
Gebaut für den Banker Eduard Mamroth beherbergt die Villa an der Grabertstraße 4 heute einen Teil der Musikschule Steglitz-Zehlendorf. Das Wohnhaus aus dem Jahre 1872 ist das Denkmal des Monats April.
1964, als die Musikschule in der Grabertstraße 4 konzertant ihre Pforten in Steglitz öffnete, wurde auch die Erhaltung eines besonders bedeutenden Baudenkmals gefeiert. Es war das letzte Zeugnis einer untergegangen Zeit, in der vornehme Villen mit prächtigen Gärten peripher Berlin zeigten, aber vor allem den Blick in arkadische Lebenswelten öffneten. Es ist das älteste und sicher repräsentativste erhaltene Wohnhaus der 1872 noch zu Marienfelde zählenden Kolonie Südende, gestaltet von unbekannter Hand im Stil der Berliner Schule, spätklassizistisch mit all den gelernten griechischen Säulenordnungen, preußisch, elegant. Südlich des herrlichen Altans mit einer unbekannten, armlosen Göttin, veranschaulicht der Karutschenpfuhl die malerische Einbettung in den ansonsten nicht wieder zu erkennenden einstmaligen Reiz dieses Ortes.
„Mit Turm und Teich“ hatte der Bezirk das Haus aus privatem Familienbesitz erworben und sah dort neben Jugendfreizeiten auch die Auftritte von Turmbläsern und Inszenierungen idyllischer Serenanden am Ufer. Doch spätestens mit der Fusion der Bezirke Steglitz und Zehlendorf 2001 stellte sich die Gretchenfrage: Wie hältst Du es mit der Musik, wenn dafür zwei wunderbare Orte, die von der Volkshochschule betrieben werden, existieren?

Mit viel Aufwand wurde die alte Villa wieder instand gesetzt. Foto: Architekturbüro Pauly-Kayser & Grünewald /Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf
Der junge Stadtrat Erik Schrader meinte, einer reicht und überzeugte zwischenzeitlich den Bezirk, die dringend gewordenen Sanierungsarbeiten des marode gewordenen Hauses am See durch einen privaten Träger zu ermöglichen. Im Juni 2004 musste die Bezirksverordnenversammlung zur Kenntnis nehmen, dass sich unter drei Interessenten keiner fand, der den Eindruck erweckte, die gewünschte musikalisch-kulturelle Weiternutzung mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung in Einklang zu bringen. Von der in dessen Folge verabschiedeten Notlösung und Vision des Bildungs- und Freizeitzentrums „Villa Limone“ wurden Betreiberinnen und Bezirk dank der Entscheidung, die Musikschule Grabertstraße kommunal fortzuführen, durch die neue Stadträtin Cerstin Richter-Kotowski 2007 befreit.
Die enge Kooperation mit dem Zehlendorfer Architekturbüro Pauly-Kayser & Grünewald führte die solide Instandsetzungsplanung für das komplett sanierungsbedürftige Gebäude in drei Bauabschnitten auf den Weg: Haustechnik, Innenarchitektur und zum Schluss die sehr aufwendigen Fassadenarbeiten, die beinah einer Hüllenrekonstruktion gleichkamen. In den 1960er Jahren hatte man auf hermetische, nicht diffusionsoffene Anstrichsysteme gesetzt.Insofern war die zerbröselte Fassade unter der „Farbpelle“ in der Grabertstraße kein Einzelfall, aber ein tragischer. Die schönsten Schmuckdetails ließen sich mit bloßem Finger wegschieben. Vieles war von selbst herabgefallen.
Dem politischen Willen und den hilfreichen Fördermitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, aber insbesondere der Kompetenz der beaufragten Fachbetriebe für die Fassadenarbeiten ist es zu verdanken, dass das letzte Schmuckstück Südendes wieder in neuem Glanz erstrahlen konnte.
Dr. Jörg Rüter, Denkmalschutzbehörde












Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
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