
Die neue Sporthalle der Goethe-Oberschule bietet reichlich Platz - zum Beispiel zum Tanzen ... Foto: Gogol
„Was lange währt, wird endlich gut“; „Gut Ding will Weile haben“; „Wunder gibt es immer wieder“ und „Man soll die Hoffnung nie aufgeben“ – Dagmar Porzelt, Leiterin der Goethe- Oberschule fielen am Mittwochnachmittag viele Sprichworte ein, um den Tag zu würdigen, an dem die Schule endlich ihre neue Sporthalle einweihen konnte.
50 Jahre sei es her, dass die Schule erstmals einen Antrag auf eine Sporthalle gestellt hatte, berichtete die Schulleiterin. Der wurde sogar bewilligt. Doch auch schon 1965 habe die Stadt Berlin ein „kleines Geldproblem“ gehabt, der Bau wurde nie realisiert.
Umso größer war nun die Freude, dass nach zweijähriger Bauzeit endlich die neue Dreifelder-Sporthalle eingeweiht werden konnte – mit Musik, Tanz und Akrobatik. „Die Halle ist ausgestattet für den internationalen Wettkampf, modern und funktional“, zeigte sich Porzelt zufrieden, die berichtete, dass der Fachbereich Sport bereits Anträge eingereicht habe, um auch neue Sportarten anzubieten. Vorbei die Zeiten, in denen der Sportunterricht in der Aula der Schule oder sogar im Foyer stattfinden musste; in denen man im Schulhaus im Winter von herumfliegenden Feder- und Tischtennisbällen gefährdet war. Und so dankte Porzelt allen Kollege, „dass sie das mitgemacht haben, obwohl die Bedingungen nicht einfach waren“. Ihr Dank ging aber auch an die Eltern, die die Schule bei dem Projekt unterstützt hatten. Viele hatten sich gewünscht, dass ihr Kind einmal in einer neuen Halle Sportunterricht haben würden – mittlerweile hätten diese Kinder Abitur. „Aber es gibt ja noch Geschwisterkinder oder Enkel“, so Porzelt.
Viele Hürden mussten während der Bauphase überwunden werden, musste unter eine alter Ginko-Baum gerettet und die Sorgen der Anwohner vor einem „hässlichen Kasten“ genommen werden. Porzelt jedenfalls ist zufrieden. So schön habe man sich die Halle nicht vorgestellt. „Körper und Geist gehören zusammen – es ist wichtig für uns, dass beides nun auf einem gemeinsamen Gelände unterrichtet werden können“, freute sich die Schulleiterin.
Auch Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) zeigte sich froh an diesem Tag. Es sei ein besonderes Ereignis in ihrem politischen Alltag, der sonst geprägt sei vom Sanierungsstau und ständig neuen Hiobsbotschaften. „Leistungsfähige Schulen sind der wesentliche Bestandteil und die Basis der Zukunftssicherung“, sagte Richter-Kotowski und verwies gleichzeitig darauf, dass bei den bezirklichen Investitionen der Schwerpunkt auf den Schulen liege. Am Standort Goethe-Oberschule wurden für die Sporthalle inklusive Mensa und einer Erweiterung der Außensportanlagen 5,8 Millionen Euro eingesetzt. „Hier ist das Geld der Steuerzahler sinnvoll angelegt“, findet Porzelt. Und die Halle wird zukünftig nicht nur von der Schule genutzt werden, außerhalb der Unterrichtszeiten steht sie Vereinen zur Verfügung.










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (
„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“
Es wäre schön, wenn es mehr solcher Nachrichten gäbe. Stattdessen muss immer wieder von erheblichen Mängeln an Schulbauten (z.B. Fichtenberg-Oberschule), jahrelangen Verzögerungen bei Umbaumaßnahmen (z.B. Max-von-Laue-Schule), immer noch fehlenden Turnhallen (z.B. Grundschule am Karpfenteich) und dann auch über Kompetenzgerangel zwischen den verantwortlichen Stadträten im Bezirk berichtet werden.
Rolf Breidenbach
FDP Steglitz-Zehlendorf