Den Typ eines „Kleinhauses für den besseren Bürgerstand“ würde man sich nicht zwingend als Tempelminiatur mit ovalem Zentralraum vorstellen. Otto Kohtz war sich hingegen ganz sicher. 1922 bis 1923, während der verheerenden Krisenjahre – ein US- Dollar kostete 4,2 Billionen deutsche Papiermark, Reichkanzler Stresemann verhängte den Ausnahmezustand – entstand für seine Musik liebende Gattin und den dreiundvierzigjährigen Architekten am Rande eines landwirtschaftlichen Versuchsfeldes in Dahlem ein queroblonger Kammermusiksaal. Die Villa Kohtz an der Schweinfurthstraße 24 ist das Denkmal des Monats Februar.
Die Villa verfügt über einen Empfangs- und Festraum, den ein über das Erdgeschoss aufragender Obergaden belichtet und an den sich in den Ecken des umfassenden Kubus kleine Koch- und Schlafbereiche anschließen. Von der Pergola, die einstmals in die Tiefe des langgestreckten Gartens führte und dem Pavillon, der hier den Blick auf die Felder öffnete, ist leider nichts überliefert. Das verbliebene „Kleinhaus“ aber, ein privates Idyll von Seltenheit, spricht für sich.
Kohtz war kein Unbekannter. Seine Hochhausutopien der Weimarer Jahre wurden in verschiedenen Großwettbewerben gewürdigt. Er ließ auf dem Papier Pyramiden und Turmhäuser in den Himmel wachsen und veröffentlichte dazu viel beachtete Studien. Das Reichshaus am Berliner Tiergarten hätte als Erweiterung des Reichstages die hier noch verweilende „Goldelse“ um ein Dreifaches überragt und eine gigantomanische Kulisse abgegeben.
Mit dem Nachlass von Otto Kohtz begann man sich im Architekturmuseum der Berliner Technischen Universität erst erstaunlich spät zu beschäftigen. Seine Verbundenheit zum Alfred-Hugenberg-Konzern, für den er das große Scherl- Verlagshaus in der Jerusalemer Straße, das berühmte Tonkreuz und andere Studiohallen der Ufa noch in den 1940er Jahren bauen konnte, ließ ihn mit seinem Spätwerk weniger visionär als nationalistisch angepasst erscheinen.
1934 ließ Kohtz sein Haus in Dahlem durch einen Portikus zur Schweinfurthstraße hin und einen Wintergarten nach Osten erweitern. Wie sich bei der 2015 abgeschlossenen Wiederherstellung zeigte, wurden die Säulenabschlüsse des Portikus als vollplastische Familienporträts in den Kunststein modelliert und zeigen von rechts nach links Otto Kohtz selbst, seine erste Frau Agnes Kuban, und seinen Onkel Georg, sowie weitere nicht identifizierte Personen. Die Köpfe waren über Jahrzehnte in einer Übermörtelung versteckt. Die hinter der Kirschholzvertäfelung von 1934 wiederentdeckten und sorgfältig restaurierten Wandmalereien in den Scheiteln des Zentralraums, expressionistische Musikerdarstellungen im Stil eines Karl Hofers, geben bis heute kunsthistorische Rätsel auf. Forschungen in den Berliner Museen und Kunstinstituten führten zu keinen Erkenntnissen.
Das Gebäude wurde seit den 1970er Jahren von der TU als Seminar genutzt. 2011 erwarb es eine Firmenkooperation des Bauhauptgewerbes, die es zu einem Vorzeigeobjekt des Handwerks im Denkmalschutz machte. Für die Wiederherstellungs- und Erweiterungsplanung zeichnete Paul Ziegert.
Dr. Jörg Rüter













Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine Radwegeanlage wird zurückgebaut. Die Verantwortlichen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, Verkehrsteilnehmer bewusst gegeneinander aufgebracht zu haben. Das Ergebnis ist ein verkehrspolitischer Stillstand.
Wer mit der Gegend um den Kreisel, Schloßparktheater und Gutshaus Steglitz vertraut ist, konnte ahnen, dass die Sache mit dem Radweg schiefgeht. Der Verkehr, der sich hauptsächlich von der Autobahn 103 und zu einem geringeren Teil aus der Schloßstraße und zu einem noch geringeren Teil aus dem Wolfensteindamm in Richtung der Straße Unter den Eichen ergießt, staute sich schon immer an der Kreuzung Schloßstraße/Hindenburgdamm. Weil Abbieger die linke Spur blockieren, fädeln sich die geradeaus Fahrenden in die rechte Spur ein, der Verkehr staut sich. Auf dem aktuellen
Klare Sache: Radweg kaputt. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Wer sich vor vier Jahren um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer in diesem Gebiet sorgte, hätte eigentlich den Blick auf den Hindenburgdamm lenken müssen. Wer dort mit dem Rad zwischen Gardeschützenweg und Drakestraße unterwegs ist, fährt nicht nur durchgehend auf einem schmalen und kaputten Streifen, der zwischendurch auch mal komplett fehlt. Radfahrer müssen jederzeit mit unberechenbaren Hunden, Kindern und unvorsichtigen Erwachsenen rechnen. Baugerüste rechts, Straßenbaustellen links. Einzelhandel, Dienstleister und Bushaltestellen – mit jeder Menge Publikumsverkehr.
Das Anliegen, auf dem Hindenburgdamm eine Bus- und Radspur einzurichten, stand sogar kurz vor der Umsetzung. Der Plan einer Busspur zwischen Klingsorstraße und Gelieustraße wurde 2024 wegen rechtlicher Bedenken zurückgestellt, aber nach der dafür notwendigen und vollzogenen Änderung der Straßenverkehrsordnung nicht wieder aufgenommen. Auf dieser Strecke verkehren drei Buslinien – an der gut 600 Meter langen Radwegeanlage Unter den Eichen fährt nur eine Buslinie, die M48.
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Doch keine klare Sache: Schadstellen lassen sich problemlos umfahren. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zurück also an den Botanischen Garten, an dessen Zaun entlang sich der außer Betrieb gesetzte Geh- und Radweg befindet. Fußgänger sind hier fast nicht anzutreffen, und vereinzelt kann man hier Radfahrer beobachten. Letztere finden hier weitaus bessere Bedingungen als am Hindenburgdamm. Der Weg ist gut befahrbar, und schadhafte Stellen lassen sich auf dem menschenleeren Fußweg gut umfahren. Das sieht mittlerweile auch die Senatsverkehrsverwaltung so. Der Fußverkehr sei „überschaubar“, begründet sie ihre Volte, und damit sei genug Platz für Radfahrer.
Diese Sichtweise kommt nicht gut an.
Der zur Umsetzung verpflichtete Bezirksstadtrat Urban Aykal (Grüne) gibt sich empört, die Anordnung des gemeinsamen Geh- und Radweges sei „sehr fragwürdig“. Der Bezirk habe Ende April 2026 im Rahmen einer Anhörung eine ausführliche Stellungnahme abgegeben. „Unsere darin fundiert begründeten Bedenken werden weggewischt“, so Aykal. Eine Nachfrage zur Einsicht in die Stellungnahme blieb ohne Antwort.
Die Verkehrsverwaltung verweist auf die Frage nach den Gegenargumenten auf die Begründung der Weisung an den Bezirk, den Radweg Unter den Eichen zurückzubauen. Das Dokument bezieht sich ausschließlich auf die Bus- und Radspur. Wie eine Sanierung des Gehwegs, der nun wieder Radweg werden soll, ausgeführt werden soll, wird nicht thematisiert.
„Mitunter“, heißt es in der Anordnung vom 29. Juli, gebe es aufgrund der „Einengung für die Radverkehrsanlage Höhe Botanischer Garten“, „Schwierigkeiten an der Kreuzung mit der BAB 103“. Die „Schwierigkeiten“ werden nicht näher benannt. Die „Stauwurzel“ an der Straßenkreuzung Am Fichtenberg ist laut Diagnose der Verwaltung die Mutter aller Probleme. Die beiden folgenden Fußgängerampeln am Begonien- und Asternplatz seien für die Überlastung nicht die Ursache.
Neben der Behinderung des Busverkehrs wird die Situation an der Kreuzung Schloßstraße / Hindenburgdamm aufgezeigt, die durch Fehlverhalten der Autofahrer entsteht: Obwohl der Stau deutlich erkennbar ist, überfahren einige Fahrer die Ampel. In der Folge stehen die Autos auf der Kreuzung und auch auf der Fußgängerquerung. Der Knotenpunkt liegt auf den Schulwegen zahlreicher Kinder, die drei naheliegende Schulen besuchen.
Die Lösung ist für die Verkehrsverwaltung die Herstellung des ursprünglichen Zustandes, fast jedenfalls: Um auf die gesetzlich vorgeschriebene Breite von 2,50 Meter zu kommen, wird dem alten Radweg der Gehweg zugeschlagen. 1,75m Gehweg plus 80 bis 100cm Radweg – passt. Wo die Fußgänger dann laufen sollen, bleibt offen.
Ob diese Linie vor Gericht Bestand hat, muss sich zeigen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bereits angekündigt, die geplante Abschaffung des Radwegs auf dem Rechtsweg zu stoppen. Die Organisation war bereits in einigen Berliner Verkehrsstreitsachen erfolgreich, zuletzt verhinderte die DUH die Abschaffung von Tempo 30 in der Albrechtstraße (
War gestern mal wieder vor Ort. Am Säulenabschluß ganz rechts ist nur schwerlich ein Kopf zu erkennen. Sicher, das Otto Kohtz nicht eher auf der zweiten Säule von rechts zu sehen ist?
Hallo Herr Munch,
der Text wurde vom Leiter der Abteilung Denkmalschutz geschrieben. Ich leite Ihre Frage gern an ihn weiter.
Viele Grüße
Vielen Dank, ich bin gespannt.
Hier also die Antwort vom Leiter des Denkmalamtes:
„Die historischen Informationen stammen von dem mit der Ausführung betrauten Architekten. Auf der Fotografie der 1930er Jahre ist deutlich zu erkennen, dass alle Säulen ein bildhauerisches Porträts als Werksteinbüste in der Kapitellzone zeigen.“
Ok, dann ist das geklärt. Aus dem Artikel kam es so rüber als wenn der Schreiber die Gesichter zum jetzigen Zeitpunkt, also nach Freilegung der Köpfe, erkannt hätte. Aber wenn auf der 30er Jahre Fotografie das so zu sehen ist, dann scheint es logisch, dass es sich um Otto Kohtz handeln müsste.