
Der teltower Damm ist unter der Brücke ein Nadelöhr und viel zu eng für das Verkehrsaufkommen. Foto: Gogol
Wie soll es weitergehen mit Zehlendorf-Mitte? Diese Frage beschäftigt viele Anwohner schon seit Jahren. Einige waren am Donnerstagabend in die Dorfkirche gekommen, um gemeinsam mit Vertretern aus Politik, der Senatsverwaltung und der Bahn darüber zu diskutieren. Eingeladen hatte die vor wenigen Tagen gegründete Bürgerinitiative (BI) Zehlendorf. Er wolle wissen, was die Anwohner und ansässigen Gewerbetreibende denken, was sie wollen, erklärte Christian Küttner, warum er die BI gegründet hat. Daraus soll eine Prioritätenliste entstehen, mit der man der Verwaltung gegenübertreten könne.
Dass die Interessen da sehr unterschiedlich zeigte die Diskussion an diesem Abend. Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Themen:
Zweiter Zugang zum S-Bahnhof Zehlendorf
Einigkeit herrschte beim zweiten Zugang für den S-Bahnhof Zehlendorf. Die Situation am Bahnhof sei „unbefriedigend und gefährlich“, sagte Axel Schwipps von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Doch es gebe keine schnelle und preiswerte Lösung. Derzeit prüfe man zwei Varianten: Teltower Damm und Postplatz. 2017 sollen die Prüfungen abgeschlossen sein, stellte Schmitz in Aussicht. Welches Ergebnis Bürger und Bezirk sich wünschen ist bekannt: den Postplatz. Man erwarte als Senatsverwaltung, dass dann der Bezirk aber auch Hinweise gebe, was dort städteplanerisch angedacht wird, betonte Schwipps. Der Postplatz solle zu einem Ort der Ruhe entwickelt werden, sagte der Bezirksverordnete Bernd Steinhoff (Grüne), der stellvertretend für die Bezirksverordnetenversammlung auf dem Podium saß.
Fahrradschnellweg auf der Stammbahntrasse
Die Idee hatte der CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf vor wenigen Wochen in die Diskussion gebracht. Während Oliver Friderici, verkehrspolitischer Sprecher, der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, eine solche Schnellstraße als „schnelle und leistungsfähige Verbindung“ lobte, gab Bezirksstadtrat und Zehlendorfer Michael Karnetzki (SPD) zu bedenken, dass es auf der Trasse noch Güterverkehr gebe. Den wolle er nicht auf der Straße sehen, weil dann das Verkehrsaufkommen auf dem Teltower Damm noch weiter zunehmen würde. Zudem erinnerte daran, dass der Bezirk bereits an einer Fahrradroute zwischen Zehlendorf und Wannsee herrichte. Er regte vielmehr an, eine erneute Kosten-Nutzen-Analyse für die Stammbahn in Auftrag zu geben. 2008 hatte eine solche Analyse dazu geführt, dass das Projekt verschoben wurde. Durch die wachsende Stadt hätten sich die Bedingungen geändert. Cord Meyer von der DB Netze hatte Zweifel, dass die angestrebte Zwischennutzung einfach umzusetzen sei. Zudem wäre es schwierig, aufgegebene Infrastruktur wieder zurückzubekommen.
Hohes Verkehrsaufkommen auf dem Teltower Damm
Das größte Problem in Zehlendorf-Mitte ist für Bernd Steinhoff der Lieferverkehr Richtung Goerzallee, der sich täglich durch Zehlendorf-Mitte schiebe. Das sahen einige der Zuhörer wohl genauso. Sie forderten, dass der Lieferverkehr weiträumig, etwa über den Dahlemer Weg, umgeleitet werde. Doch dazu brauche es ein umfassendes Konzept, denn eine Sperrung würde nur dazu führen, dass sich der Verkehr in andere Seitenstraße verlagere, gab Friderici zu bedenken.
Doch nicht nur der Schwerlastverkehr nehme seit Jahren zu, auch der normale Autoverkehr steige kontinuierlich, wobei die Fahrer zunehmend aggressiver würden, berichtete eine Bürgerin.
Doch es gab auch einen Anwohner, der sich zu Wort meldete und zu bedenken gab, dass eine Verbannung des Autoverkehrs kontraproduktiv sei. „Ohne Privatautos kein Geschäft“, brachte er seine Meinung auf den Punkt und forderte mehr Parkplätze. „Der Bio-Markt würde nicht funktionieren ohne das Parkhaus.“ Zehlendorf-Mitte hätte genug Parkplätze konterte eine Anwohnerin, doch weil die bewirtschaftet werden, suchten die Autofahrer nach kostenlosen Stellplätzen in den Anwohnerstraßen.
Weitere Defizite
In Zehlendorf fehle es an „Grundfunktionen“, betonte ein Zuhörer. So gebe es beispielsweise kein Hotel, vor der Post fehlten Parkplätze, um auch mal große, sperrige Pakete abzuholen oder abzugeben. Er forderte deshalb einen „Marshallplan für Zehlendorf“. Eine Anwohnerin erwartete von den Geschäftsleuten mehr „Disziplin“ und weniger Schilder und Ständer auf dem ohnehin viel zu engen Gehweg. Ein älterer Herr beklagte die „Banalisierung“ des Angebots entlang der Straße. Georg Boroviczeny (Piraten) erwähnte, dass der Abzweig zur Machnower Straße „erbärmlich“ aussehe.
Wie soll es weitergehen?
Viele der Themen seien seit Jahren in der Diskussion, aber es passiere nichts, klagten manche Anwohner. Dass aber sich die Bezirksverordnetenversammlung und das Bezirksamt mit der Umgestaltung beschäftige, versuchte Steinhoff darzulegen. Er verwies auf die Überlegungen, die Kirchstraße für den Verkehr zu sperren, die aber an einem Gutachten scheiterte. Doch demnächst soll es einen Markt entlang des kleinen Teltower Damms stattfinden. Die Ausschreibung starte demnächst. Derzeit wird in den Ausschüssen zudem über ein Charette-Verfahren für Zehlendorf-Mitte diskutiert. Unter Begleitung von Stadtplanern sollen Bürger, Geschäftsleute und Politiker gemeinsam überlegen, wie es am Teltower Damm weitergehen soll und was möglich ist, erläuterte die Bezirksverordnete Maren Schellenberg (Grüne).
Irene Köhne (SPD), MdA, verwies auf einen Beschluss des Abgeordnetenhauses, mit dem Zusammenschlüsse von Einzelhandelsunternehmen Zuschüsse erhalten können, wenn sie in die Verbesserung ihres Umfeldes investieren, um sich so als Alternative zu den großen Shoppingcentern zu etablieren. Darüber sollte die BI sich informieren.
Die Veranstaltung am Donnerstag soll nicht die einzige bleiben. In vier Wochen, am 26. November, soll es eine zweite Diskussion geben, dann auch mit verantwortlichen Vertretern aus dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf.
(go)












Foto: Patrick Meyer[/caption]
Von Milwaukee über Asien nach Steglitz-Zehlendorf, vom US-Soldaten zur Berliner Radiolegende. Ende März ist Rik de Lisle gestorben, er wurde 79 Jahre alt.
Ein Beitrag von Patrick Meyer
„Hi! Icke bin’s, der Alte Ami, Rik de Lisle!“ Jahrzehnte lang begrüßte Rik so die Berlinerinnen und Berliner zu seinen Shows, auch als die Stadt noch geteilt war. Er war schon mit Mitte 30 der „Alte Ami“ - weil er einer der ältesten Kollegen in der Redaktion war und es einfach auch gut klang. Viele waren überrascht, dass hinter der markanten Stimme mit dem unverwechselbaren amerikanischen Akzent aus dem Radio ein weißer, bärtiger Mann stand.
Rik, der Junge aus Milwaukee war durch eine Verkettung überraschender Umstände in West-Berlin gelandet: inmitten des Kalten Krieges strandete er auf einer kleinen Insel, wo Punks und Bankangestellte zusammen ein Bier tranken und sich gegenseitig den Sinn des Lebens erklärten. West-Berlin war so ein absurdes, weltpolitisches Konzept, das dem AFN-Diskjockey, der aus dem Rettungssanitäter geworden war, gefiel und in der Stadt bleiben ließ. Für immer. Rik hatte Berlin verstanden.
Obwohl man hörte, dass er nicht in Lichterfelde oder Charlottenburg aufgewachsen war, bestand schnell kein Zweifel mehr daran, dass Rik ein Berliner Original war. Er liebte die Menschen, aber nicht unbedingt das Rampenlicht. Ein Typ, der sich interessierte, aber nicht wollte, dass man ihm die Zeit stiehlt. Ein Perfektionist seines Fachs, der Talente erkannte und förderte, Einsatz forderte und mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt, auch wenn das bedeuten konnte, jemanden zu verletzen.
Den Hörern war das Wurscht, weil sie spürten, dass er Radio liebte. Er brachte amerikanische Musik und das freiheitliche Lebensgefühl in den Alltag vieler Menschen, die oft mit dem Kassettenrecorder die neuesten Songs aufnehmen wollten, die Rik in seinen Shows spielte.
Als ich ihn irgendwann fragte, ob wir sein Leben nicht dokumentarisch festhalten sollten, fand er die Idee erst befremdlich und stimmte dann doch zu. So entstand 2017 der englischsprachige Film „