Ein Bild aus besseren Tagen, als das POPInn noch Scharen von Tänzern anzog. | Foto: Sammlung Lobbedey

 

Smarter ist Leerstand wohl noch nie angeprangert worden: Eine Tanzperformance widmet sich der Jugendkultur und ihren (fehlenden) Räumen.

Die Schließung des Jugendclubs Pop Inn in der Steglitzer Ahornstraße im Jahr 2013 war kein Ruhmesblatt für die lokalpolitisch Verantwortlichen. Auf eine erfolgreiche Klage von Anwohnern wegen Ruhestörung reagierte der Senat als Eigentümer mit der Schließung der beliebten Einrichtung. Über 50 Jahre Vereinsarbeit des Berliner Jugendclubs (BJC) war damit Geschichte. Die Enttäuschung war groß.

Weil es in Berlin kein nachhaltiges Konzept gegen Leerstand in öffentlichen Gebäuden gibt – zum Beispiel: die Nutzung einer Liegenschaft darf erst dann aufgegeben werden, wenn die weitere Verwendung feststeht – wurde auch das Gebäude in der Ahornstraße 15 dem Verfall preisgegeben.Für die Sanierung fehlte das Geld, deshalb verschwanden Ideen für ein Mädchen- und Frauenzentrum oder eine Einrichtung der Kältehilfe schnell in der Schublade. Die Folge sind 13 Jahre Dornröschenschlaf, ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Was nicht bedeutet, dass das Haus und seine Geschichten vergessen sind. Aktuell haben sich das Syndikat Gefährliche Liebschaften, die TanzTangente und das Kulturhaus Schwartzsche Villa zusammengetan, um Erinnerung und Zukunft künstlerisch zu bearbeiten. Unter der Überschrift „POP INN war gestern. POP INN ist jetzt.“ wird derzeit eine Performance mit Aufführungen Ende Juni und Anfang Juli vorbereitet. Jugendliche Tanzinteressierte auch ohne Vorerfahrung können sich noch beteiligen.

Die Idee: Den Jugendclub, in dem ein halbes Jahrhundert lang gefeiert wurde, wiederzubeleben. „Wir mischen Generationen, Musikstile und Perspektiven. Jugend von früher trifft Jugend von heute. Disco trifft TikTok. Wir fragen: Was bewegt Jugend? Warum stehen so viele Räume leer, die uns gehören könnten? Und wie hat deine Nachbarin sich früher eigentlich fürs Feiern fertiggemacht? Es wird laut, poetisch, humorvoll, kritisch, bewegend.“

Rund um die Performances gibt es zudem eine Überraschungs-Bar mit Gesprächen und wechselndem Thekenpersonal sowie eine Ausstellung mit Interviews zum Nachhören.

Termine:
Freitag, 26.6. um 19.30 (Premiere)
Samstag, 27.6. um 18.00 / 19.30 / 21.00
Freitag, 3.7. um 18.00 / 19.30 / 21.00
Samstag, 4.7. um 18.00 / 19.30 / 21.00

Ort:
TanzTangente
Ahornstraße 24, 12163 Berlin-Steglitz

Daniela von Treuenfels

Die Stadtrand-Nachrichten finanzieren sich durch freiwillige Zahlungen ihrer Leserinnen und Leser.

Wenn es Ihnen hier gefällt, Sie etwas Spannendes entdeckt oder etwas Neues gelernt haben, können Sie uns via Paypal ein Trinkgeld dalassen.

Herzlichen Dank!

Hier geht es zu unserem Paypal-Konto