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Ein langes Wochenende mit Brücken- und Feiertag oder anstehende Ferien: Das Deutsche Rote Kreuz sorgt sich um Reserven im Versorgungssystem. Hinzu kommt der demografische Faktor – ältere Menschen scheiden als Blutspender aus, Nachwuchs muss gefunden werden. 

Aktuell dramatische Lage

Am 13. Januar teilte das DRK mit: „In den vergangenen zwei Wochen mussten einige Blutspendetermine aufgrund von Schnee und Eis kurzfristig abgesagt werden. Viele der durchgeführten Termine waren aus dem gleichen Grund deutlich schlechter besucht als üblich. Parallel führt eine starke Grippe- und Erkältungswelle dazu, dass viele potenzielle Spenderinnen und Spender vorübergehend nicht spenden können. Bereits zu Jahresbeginn war das Spendenaufkommen deutlich zu niedrig, unter anderem durch Feiertage und reduzierte Terminangebote. Die Folgen sind spürbar: Die Vorräte gehen zurück, die Lagerreichweiten schrumpfen und liegen aktuell bei nur noch etwa 1-2 Tagen. Bei den Blutgruppe Null Rhesus positiv und Null Rhesus negativ sind die Bestände derzeit am niedrigsten.“ Alle gesunden und spendefähigen Bürgerinnen und Bürger sind daher aufgerufen, zeitnah einen Blutspendetermin wahrzunehmen. 

Bedarf: 15.000 Spenden täglich

„In Deutschland werden werktäglich rund 15.000 Blutspender benötigt, um das Gesundheitssystem mit Blutpräparaten sicher versorgen zu können“, rechnet Kerstin Schweiger vor. Die Pressesprecherin des DRK-Blutspendedienstes Bord-Ost mit Sitz am Hindenburgdamm in Lichterfelde sagt außerdem: „Die DRK-Blutspendedienste tragen durch ihre Arbeit 75 Prozent des benötigten Aufkommens – allein das DRK muss daher täglich rund 11.000 Menschen zu einer Blutspende motivieren.“

Eine Mammutaufgabe, vor allem vor dem Hintergrund saisonaler Schwankungen. Vor jedem langen Wochenende mit Brücken- und Feiertag oder bei anstehenden Ferien brennt bei den Blutlogistikern die Luft. Ausschlaggebend ist die kurze Haltbarkeit der Blutpräparate, die je nach Präparat nur 5 Tage bis 5 Wochen beträgt.

Bluttransfusionen auch in der Krebstherapie entscheidend

Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken in Deutschland jährlich rund 500.000 Menschen an Krebs – Tendenz steigend. Viele dieser Patienten sind auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen, um lebenswichtige Blutbestandteile wie zum Beispiel Blutplättchen zu erhalten.

Chemo- und Strahlentherapien belasten den Körper, weil sie auch die Blutbildung stark beeinträchtigen. „Die Chemotherapie greift die Teilungsfähigkeit der Krebszellen an. Dabei werden auch gesunde Blutzellen in Mitleidenschaft gezogen“, so Kerstin Schweiger. „Störungen der Blutzellbildung im Knochenmark können zu Blutungen und Blutarmut führen, weshalb regelmäßige Bluttransfusionen notwendig werden. Zudem sind bei Krebserkrankungen häufig aufwändige Operationen notwendig, bei denen es zu starken Blutungen kommen kann – ein weiterer Grund für den hohen Bedarf an Blutspenden.“

Neue Spender gesucht

Im Jahr 2024 haben in Deutschland 3.160.254 Menschen beim DRK freiwillig und unentgeltlich Blut gespendet. Das sind in etwa genauso viele wie im Jahr 2023. Dem gegenüber steht jedoch eine stark rückläufige Zahl von Erstspenderinnen und Erstspendern um mehr als sechs Prozent.

Daher soll besonders die jüngere Generation sich angesprochen fühlen. Viele Spenderinnen und Spender aus der spendestarken Babyboomer-Generation scheiden altersbedingt aus. Die Konsequenz: Aus Spendern werden Empfänger, auch dadurch steigt der Bedarf an Blutpräparaten. „Die Solidargemeinschaft benötigt dringend mehr Menschen, die zum ersten Mal Blut spenden und dann sprichwörtlich am Ball bleiben“, so DRK-Sprecherin Schweiger. „Jede Generation braucht ihren eigenen, großen Spenderstamm, um das solidarische Versorgungssystem aufrechtzuerhalten.“

Auch Allergiker können Blut spenden

Mit der wärmeren Jahreszeit steigt auch das Allergierisiko. Doch auch als Allergiker kann man unter bestimmten Voraussetzungen eine Blutspende leisten. Grundvoraussetzung für alle Blutspenderinnen und -spender ist die Symptomfreiheit. Wer sich gesund und fit fühlt und als Allergiker keine kortisonhaltigen Medikamente einnimmt und aktuell keine Injektionen zur Hyposensibilisierung erhält, kann grundsätzlich Blut spenden. Der Arzt oder die Ärztin auf dem Spendetermin trifft tagesaktuell die Entscheidung über die Spendefähigkeit. Wie alle Blutspenderinnen und -spender sollten deshalb auch Allergiker unbedingt darauf achten, auf dem Spenderfragebogen und im Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin alle eingenommenen Medikamente anzugeben.
Weitere Informationen: https://www.blutspende.de/magazin/von-a-bis-0/blutspenden-mit-allergien-darauf-musst-du-achten

Blutspende mit Rheuma? Eher nicht.

Generell gilt bei allen Fragen zur Spenderzulassung die Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut. Die Richtlinie Hämotherapie legt in Bezug auf Blutspenden mit Rheuma fest, dass Personen mit systemischen Autoimmunerkrankungen – wie beispielsweise rheumatoider Arthritis oder Morbus Bechterew – kein Blut spenden dürfen, da im Körper chronisch entzündliche Prozesse ablaufen, die in der Regel zusätzlich einer medikamentösen Behandlung mit Immunsuppressiva bedürfen. 

Medikamente, die im Zusammenhang mit rheumatoider Arthritis zum dauerhaften Ausschluss von der Blutspende führen, sind beispielsweise MTX, Cimzia oder Cortisolpräparate. Diese Arzneimittel unterdrücken das Immunsystem und könnten bei einer Bluttransfusion zu unerwünschten (teils lebensgefährlichen) Reaktionen beim Spender oder Empfänger führen. Personen mit einer chronisch entzündlichen Form der Rheumaerkrankungen, die solche Medikamente einnehmen, dürfen kein Blut spenden.

Ausnahme: Betroffene ohne chronisch entzündliches Rheuma, die beschwerde- und entzündungsfrei sind, unter keinen Bewegungseinschränkungen leiden und keine Immunsuppressiva nehmen, dürfen unter Umständen Blut spenden. Die finale Entscheidung über eine Spendezulassung trifft in diesem Fall der Arzt oder die Ärztin auf den DRK-Blutspendeterminen. Eine genaue ärztliche Einschätzung für den jeweiligen Einzelfall vorab erhält man unter der kostenlosen DRK-Blutspende-Hotline unter 0800 11 949 11 (Montag – Freitag, 8 bis 17 Uhr). 

Das ist wichtig:

Als Blutspender kommen Menschen ab 18 Jahre in Frage. Personen mit Erkältungssymptomen, Fieber und Durchfall werden nicht zur Blutspende zugelassen. Spendenwillige müssen sich ausweisen können.

Termin vereinbaren und in 45 Minuten zur Retterin werden – so geht’s: Am Tag der Spende reichlich (alkoholfrei) trinken, Fragebogen ausfüllen. Dann gibt es ein kurzes, ärztliches Gespräch und eine kleine Laborkontrolle. Die Blutabnahme (500 ml) dauert 8 bis 12 Minuten. Nach einer Ruhepause und einem kleinen Imbiss ist alles erledigt.

Einen Blutspendetermin in Berlin kann man hier vereinbaren:
https://blutspende-nordost.de/blutspendetermine/  

Informationen gibt es auch unter der kostenlosen Hotline 0800 11 949 11 oder auf dieser Webseite des DRK: https://www.blutspende.de/magazin

 

pm/dt 

 

Der Beitrag wurde erstmals am 23. Oktober 2023 erstellt und wird seither ergänzt und aktualisiert.

 

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