Immer wieder erspielten sich die Zehlendorfer gute Chancen, die sie auch zu nutzen wussten. Foto: Kerstin Kellner

Eindrucksvoll und souverän hat die junge Zehlendorfer Mannschaft gegen den Charlottenburger FC Hertha 06 gezeigt, in welche Richtung die Reise in den nächsten Wochen gehen soll. Zur tragischen und bedauernswerten Figur sollte aber in diesem Spiel Herthas ehemaliger Torhüter Ahmad Srais werden, der an allen vier Gegentoren nicht unerhebliche Aktien hatte.

Nachdem der stellvertretende Oberliga-AG-Vorsitzende, Toni Petrina, den Aufsteiger im ersten Heimspiel (auf fremden Platz!) mit Blumen in der Oberliga willkommen hieß, musste der Neuling in den nächsten neunzig Minuten erfahren, wie rau und kalt der Aufenthalt in der fünften Liga sein kann. Das Spiel war noch keine drei Minuten alt, da musste Srais schon eingreifen und konnte eine Rechtsflanke durch Burak Mentes, vor dem einschussbereiten Samuel Agyei-Yeboah, zur Ecke lenken.

Fast alle Zehlendorfer waren von Beginn an wach, nur in der Rückwärtsbewegung ließ man dem Aufsteiger zu viel Platz, und so erhielten auch die Hausherren durch Imid Saberdest in der 9. Minute ihre erste Chance. Torwart Nico Hinz stand aber im richtigen Eck und konnte den Ball halten.

Foto: Kerstin Kellner

Zehlendorf hatte das Spiel jederzeit unter Kontrolle, auch als Niclas Warwel in der 21. Minute das Feld verletzungsbedingt mit einer Kopfplatzwunde verlassen musste, gab es bei den Gästen keinerlei Rhythmusstörungen. In der 25. Minute durfte Srais noch einmal zeigen, wie stark er auf der Linie ist, als er einen von Maximilian Obst getretenen Freistoß im letzten Moment aus dem bedrohten Eck fischte. Drei Minuten später konnte aber Srais, der sich viel zu weit vor seinem Tor aufhielt, mit einen fulminanten Schuss aus zirka 30 Metern durch Agyei-Yeboah bezwungen werden. Der Schlussmann hatte sich noch nicht richtig von diesem Schock erholt, da wurde er nur zwei Minuten später schon wieder ein Opfer seiner Stellungsschwäche. Aus der Abwehr zogen die Zehlendorfer ihr sicheres Kombinationsspiel auf. Mit einer Kopfballvorlage bediente Darius Niroumand den eingewechselten Efräim Gakpeto, der den Ball kurz abtropfen ließ und Mentes in Schussposition brachte. Nach langer Sperre zeigte Burak, dass er in der Zwischenzeit nichts verlernt hatte. Aus 25 Metern jagte er den Ball mit dem Außenrist in die Maschen.

Die Charlottenburger brachten zur zweiten Halbzeit mit Ibrahim Cisse einen weiteren Stürmer und drängten in den ersten Minuten auf den Anschlusstreffer, der dem Spiel vermutlich eine andere Richtung gegeben hätte. Das Vorhaben währte aber nur sechs Minuten, denn Gakpeto machte in der 51. Minute dem Spuk ein Ende. Mit einem maßgenauen Diagonalpass schickte Niroumand seinen Mannschaftskameraden auf die weite Reise Richtung gegnerischem Tor. Der ehemalige Wilmersdorfer Torjäger behielt gegen den herausstürzenden Srais Ruhe und Übersicht und zirkelte den Ball, am Keeper vorbei, ins lange Eck.

Foto: Kerstin Kellner

Vier Minuten später machte sich Mentes aus der eigenen Hälfte zu einem unwiderstehlichen Solo auf, seinen Torschuss konnte Srais nur mit Mühe zur Seite abwehren, doch der mitgelaufene Mike Ryberg war zur Stelle und konnte erfolgreich abstauben. Als nur eine Minute später Agyei-Yeboah mit einem Schuss aus der eigenen Hälfte den, wieder viel zu weit vor seinem Tor stehenden, Keeper düpierte – nur knapp verfehlte der Ball sein Ziel–, hatte auch 06-Trainer Murat Tik ein Einsehen und beendete den unglücklichen Auftritt seines Schlussmannes.

Durch die klare und relativ sichere Führung machte sich bei den Gästen eine gewisse Lässigkeit breit. Nach einem unnötigen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung kam der beste Mann des Gastgebers, Kapitän Sebastian Ghasemi-Nobakht, an den Ball und konnte fast ungehindert in den Strafraum eindringen, auch Torwart Hinz wurde verladen und die Resultatsverbesserung in der 62. Minute war vollzogen.

Der Aufsteiger wollte aber noch mehr. Besonders durch Ecken blieben die Hausherren weiter gefährlich. In der 80. Minute musste Hinz mit einem Reflex den Ball von der Linie kratzen, und in der 83. Minute konnte Fabien Thokomeni Siewe auf der Linie für seinen geschlagenen Keeper weiteres Ungemach verhindern.

Hertha 03 spielte mit: Hinz – Thokomeni Siewe, Schröder, Özdal, Dombrowe – Mentes, Niroumand, Obst, Ryberg (63. Top) – Warwel (21. Gakpeto), Agyei-Yeboah (85. Voigt)

Tore: 0:1 (28.) Agyei-Yeboah, 0:2 (30.) Mentes, 0:3 (51.) Gakpeto, 0:4 (55.) Ryberg, 1:4 (62.) Ghasemi-Nobakht

(hain/h03)