Das Haus in der Jägerstraße 16 wurde 1893 von und für Architekt Theodor Meyer gebaut. In der Nähe des Oberhofer Platzes, der eine zentrale Grundrissfigur der Carstennschen Villenkolonie Lichterfelde darstellt, entstand ein für Lichterfelde typisches Mietshaus mit Gründerzeitfassade aus rotem Klinkermauerwerk und hell abgesetzten Putzelementen. Wie die meisten Häuser in Lichterfelde überstand das Haus die beiden Weltkriege mit nur leichten Beschädigungen. Für eine Sanierung der aufwändig gestalteten Fassaden fehlten nach dem Krieg die finanziellen Mittel. Zudem wurde die Qualität der historischen Fassaden in der Nachkriegszeit nicht gesehen. So wurde der gesamte Fassadenschmuck entfernt und die Fassade mit einem groben Kratzputz überzogen.
Als die Jägerstraße 16 vor einigen Jahren den Eigentümer wechselte, begann mit dem Kauf durch Frau Dr. Magdalene Rupprecht die denkmalgerechte Sanierung und Wiederherstellung des Gebäudes. Zunächst im Innenraum, später auch im Dach wurden historische Stilelemente freigelegt (Deckenstuck, Fußböden), nicht bauzeitliche Elemente entfernt (Garage, Jägerzaun) und verlorene Elemente (Rundfenster im Turm) ergänzt.
Doch trotz der vielen Maßnahmen war die Bauherrin nicht zufrieden mit dem Erscheinungsbild ihres Hauses. Ihr großer Traum war die Wiederherstellung der gründerzeitlichen Fassade, wie man sie auf einem historischen Foto erkennen konnte. Nachdem schon die Genehmigung für einen neuen Anstrich der entstuckten Fassade erteilt war, entschied sie sich schließlich doch für die sehr aufwändige und kostenintensive Rekonstruktion. Ausschlaggebend waren unter anderem Fördermittel des Landesdenkmalamtes und die Zusammenarbeit mit der Firma Roland Schulze, die auf denkmalgeschützte Gebäude spezialisiert ist und in Potsdam schon ähnliche Projekte durchgeführt hat.
Die Rekonstruktion der Fassade erfolgte nach besagtem Foto und einer Bauzeichnung von 1893. Weitere Informationen lieferte das Gebäude selbst: Nachdem der Nachkriegsputz abgeschlagen war, konnte man sehen, wo der Bossenputz ansetzte oder wie die Balkonbaluster ausgebildet waren. An den wenigen Stellen, wo es keine verlässlichen Quellen gab, griff man auf Erfahrungen mit Gebäuden der gleichen Bauzeit zurück. Leider ließ sich die Klinkerfassade nicht wie geplant durch bloßes Entfernen des Putzes und Reinigen der Steine wiederherstellen. Der Putz war so fest mit den Klinkersteinen verbunden, dass er nicht schadensfrei entfernt werden konnte.
Hier hatte die Firma Roland Schulze eine geniale Idee: Die Klinkersteine der äußeren Mauerwerksschale wurden um 180 Grad gedreht, so dass jetzt die gut erhaltene Innenfläche nach außen schaut. Eine sehr aufwändige Arbeit, die viel Zeit in Anspruch nahm, aber zu einem sehr guten Ergebnis führte.
So wie dem Haus in der Jägerstraße ging es vielen Berliner Mietshäusern. Allein in Kreuzberg, einem der größten Gründerzeitviertel Europas, wurden zwischen 1945-1979 1400 Häuser in erster Linie in geschichtsideologischer Ablehnung wilhelminischer Gestaltung entstuckt. „Ornament und Verbrechen“, die architekturästhetische Abrechnung mit dem Stilpluralismus hingegen erschien bereits 1910 von Adolf Loos. Pioniere der Entstuckung waren schon in den 1920er Jahren namhafte Architekten wie Erich Mendelsohn oder die Brüder Luckhardt. In den 1960er Jahren hingegen veränderte sich die Wahrnehmung wieder. Besondere Bedeutung kommt hier dem polemischen Bildband „Die gemordete Stadt“ von Wolf Jobst Siedler und Elisabeth Niggemeyer aus dem Jahre 1964 zu. Das Buch feiert die Schönheit der gründerzeitlichen Fassaden und mokiert sich über leblose Neubauten. Es folgte eine Neubewertung der architektonischen Leistungen des Historismus.
Seit den 1970er Jahren wurde die Qualität der gründerzeitlichen Fassaden wiederentdeckt. Intakte Fassaden wurden vielfach unter Schutz gestellt, eine Entstuckung untersagt. Heute kommt es in den Gründerzeitvierteln häufig vor, dass abgeschlagener Stuck wieder rekonstruiert wird. Aber historische Fassaden sind jetzt von einer anderen Seite bedroht: sie verschwinden hinter dicken Wärmedämmplatten, wenn sie nicht denkmalgeschützt sind.
Text: Sabine Schmiedeke
Redaktion: Dr. Jörg Rüter













Foto: Patrick Meyer[/caption]
Von Milwaukee über Asien nach Steglitz-Zehlendorf, vom US-Soldaten zur Berliner Radiolegende. Ende März ist Rik de Lisle gestorben, er wurde 79 Jahre alt.
Ein Beitrag von Patrick Meyer
„Hi! Icke bin’s, der Alte Ami, Rik de Lisle!“ Jahrzehnte lang begrüßte Rik so die Berlinerinnen und Berliner zu seinen Shows, auch als die Stadt noch geteilt war. Er war schon mit Mitte 30 der „Alte Ami“ - weil er einer der ältesten Kollegen in der Redaktion war und es einfach auch gut klang. Viele waren überrascht, dass hinter der markanten Stimme mit dem unverwechselbaren amerikanischen Akzent aus dem Radio ein weißer, bärtiger Mann stand.
Rik, der Junge aus Milwaukee war durch eine Verkettung überraschender Umstände in West-Berlin gelandet: inmitten des Kalten Krieges strandete er auf einer kleinen Insel, wo Punks und Bankangestellte zusammen ein Bier tranken und sich gegenseitig den Sinn des Lebens erklärten. West-Berlin war so ein absurdes, weltpolitisches Konzept, das dem AFN-Diskjockey, der aus dem Rettungssanitäter geworden war, gefiel und in der Stadt bleiben ließ. Für immer. Rik hatte Berlin verstanden.
Obwohl man hörte, dass er nicht in Lichterfelde oder Charlottenburg aufgewachsen war, bestand schnell kein Zweifel mehr daran, dass Rik ein Berliner Original war. Er liebte die Menschen, aber nicht unbedingt das Rampenlicht. Ein Typ, der sich interessierte, aber nicht wollte, dass man ihm die Zeit stiehlt. Ein Perfektionist seines Fachs, der Talente erkannte und förderte, Einsatz forderte und mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt, auch wenn das bedeuten konnte, jemanden zu verletzen.
Den Hörern war das Wurscht, weil sie spürten, dass er Radio liebte. Er brachte amerikanische Musik und das freiheitliche Lebensgefühl in den Alltag vieler Menschen, die oft mit dem Kassettenrecorder die neuesten Songs aufnehmen wollten, die Rik in seinen Shows spielte.
Als ich ihn irgendwann fragte, ob wir sein Leben nicht dokumentarisch festhalten sollten, fand er die Idee erst befremdlich und stimmte dann doch zu. So entstand 2017 der englischsprachige Film „