Nachdem er alles gut sortiert hatte, erklärte Senator Thomas Heilmann den Schülern europäische Politik. Foto: Gogol

Wie funktioniert das europäische Parlament? Was hat das mit Deutschland zu tun? Warum ist Gleichberechtigung richtig? Und was denkt er über das geplante Freihandelsabkommen? Diesen und vielen weiteren Fragen stellte sich Senator Thomas Heilmann (CDU) am Montagvormittag in der Bröndby-Schule in Lankwitz. Die zwölften Klassen hatten sich gut auf den Besuch des Steglitz-Zehlendorfer Politikers vorbereitet und ließen den 49-Jährigen, um das Eis zu brechen, erst einmal Sätze vervollständigen. So erfuhren sie, dass sein Lieblingsfach in der Schule Mathematik war, was in den Reihen für Erheiterung sorgte, dass seine Lieblingssendung im Fernsehen die Sportschau ist – dafür gab es Applaus – und dass ein großer Wunsch ist, mehr Zeit zu haben.

Da Heilmann im Vorfeld der Europawahl als Gesprächspartner geladen war, ging es zunächst um die EU. Mit Bildern und Pfeilen, die die Schüler vorbereitete hatten, erklärte der Senator den Zusammenhang zwischen nationaler Regierung und europäischer Regierung. Doch schnell ging es auch um andere Themen, wie die Gleichberechtigung. Was tut die CDU in Deutschland und in Europa gegen ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, wollten die Schüler wissen.  Drei Gründe hatte Heilmann dafür ausgemacht: Zum einen die unterschiedlichen Berufsfelder, die mehrheitlich von einem Geschlecht gewählt werden, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für die eher die Frauen zurücksteckten als die Männer, und weil in unterschiedliche Sparten eben unterschiedliche Gehälter gezahlt würden. „Dem ist gesetzlich schwer beizukommen“, sagte Heilmann. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Die Frauenquote für Aufsichtsräte in großen Unternehmen begrüßte er. Doch als Justizsenator sei er dafür nicht zuständig.

Die Zwölftklässer hatten sich gut auf das Gespräch vorbereitet. Foto: Gogol

Zuständig ist er aber für den Verbraucherschutz. Was er von dem Freihandelsabkommen mit den USA halte, wollten die Schüler wissen. Grundsätzlich hielt er es für sinnvoll, vor allem, wenn es darum gehe, die Zölle abzuschaffen. Doch die Lebensmittel würde er dabei gern ausklammern, denn auf chlorgebleichte Hühnchen hat auch der Senator keinen Appetit. „Die Unterschiede sollten wir bestehen lassen, dann ist das eine gute Sache.“

Den Weg zurück zu Europa fanden die Schüler über die Krim-Krise. Dort könne man gut sehen, dass eine stabile Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei, fand Heilmann. Zwar könne er verstehen, das Russland eine Weltmacht bleiben wolle, doch die Annexion der Krim ist für ihn „eine klare Verletzung des Völkerrechts. Wir dürfen dort nicht ruhig bleiben, das wäre sonst Anarchie“, so Heilmann. Die Krim-Krise zeige aber auch, die Bedeutung der NATO. Das Vorgehen der EU wollte der studierte Jurist aber noch nicht beurteilen. „Es ist zu früh für ein Fazit.“

Deutlich hingegen wurde er bei der Abschaffung der Drei-Prozent-Hürde bei der Europawahl in Deutschland. In den anderen europäischen Ländern gibt es solche Klauseln nicht. Heilmann aber hätte es besser gefunden, wenn umgekehrt solche dort eingeführt werden würden. Der Vorteil: stabilere politische Verhältnisse.

Was er davon halte, das viele sagen, sie würden nur „das kleinere Übel“ wählen, wollte ein Schüler wissen. „Das ist vernünftig“, sagte Heilmann den überraschten Zuhörern. „Es gibt keinen idealen Politiker und keine ideale Partei“, fand er. Deshalb sollte man die wählen, mit denen es die meisten Übereinstimmungen gebe.

Lehrerin Dorothea Hessenmöller war nach der Gesprächsrunde sehr zufrieden mit ihren Schülern, die das Gespräch toll vorbereitet und geführt hätten. Der Grundkurs Politik hatte das übernommen. Im Unterricht beschäftige man sich derzeit mit dem Grundgesetz, das Thema Europa und Europawahl wurde einfach nach vorne gezogen.

Den Kontakt hergestellt hatte die kommissarische Fachleiterin für Politik und Geschichte, Nina Hauer. Im Rahmen des bundesweiten EU-Projekttages hatte sich die Schule beim Berliner Senat beworben. Schließlich sei ihnen Thomas Heilmann zugeteilt worden. „Wir sind mit der Auswahl sehr zufrieden“, freute sich Hauer, denn schließlich ist der Mann aus dem Bezirk, und so konnte man ihn gleich auf die defekten Rollläden am Schulhaus aufmerksam machen.

 (go)