Vorsichtig schieben Tobias und Tjark ihre Rundnadel durch den Kissenbezug, schließlich soll die Naht, mit der sie den Bezug zunähen, nicht zu sehen sein. Konzentriert gehen die beiden im Nähraum bei Raumausstatter Michael Geisler zu Werke. Sie sind zwei von drei Jungs, die den Boys Day dort verbringen. Eigentlich sollten dort sechs Jungs sitzen, doch dann kamen drei Absagen, was Geisler enttäuscht.
Ein eigenes Kissen fertigen die Schüler. Sie durften sich den Stoff selbst aussuchen, haben ihn zugeschnitten, nur beim Ketteln und Nähen dürfen sie nicht selbst an die Maschine, das übernehmen die Azubis. Dann werden die Kissen gefüllt und schließlich von den Jungs selbst per Hand vernäht.
Seit drei Jahren findet der Boys Day bundesweit statt, Geisler ist von Anfang an dabei. „Wir haben aus Spaß angefangen“, erzählt er. „Nähen ist ja eher ein Frauenthema“, sagt Geisler. Und so seien von den Auszubildenden im Beruf des Raumausstatters fast 80 Prozent Mädchen. Hinzu komme, dass der Beruf nicht so bekannt sei. Im Gegensatz zum Bild, das das Fernsehen vermittle – Geisler nennt da Tine Wittler – sei der Beruf „knochenharte Arbeit“, etwa wenn Auslegeware verlegt wird.
„Coole“ Stoffe und Materialien
Auch Tobias und Tjark kannten den Beruf vorher nicht, gestehen sie. Aber es habe sich spannend angehört. „Meistens werden ja nur Plätze im Kindergarten oder im Altersheim angeboten“, sagt Tobias. Darauf hatte er keine Lust. Spannend und „cool“ finden beide den Tag in den verschiedenen Werkstätten – wegen der vielen bunten Stoffe und den unterschiedlichen Materialien, mit denen dort gearbeitet wird. Und auch ein wenig Näh- und Handarbeitserfahrung bringen die Zwölf- und 13-Jährigen mit. Tobias hat schon mal Kissen genäht, auch stricken kann er. Tjark erzählt, dass er Kuscheltiere für seine Schwester genäht hat. Diese Erfahrung zahlt sich aus. Für die Naht gibt es ein Lob von der Auszubildenden.
Ob das Ziel des Boys Days, Jungs für etwas „untypische“ Berufe zu begeistern, erreicht wird und Unternehmen auf diese Weise Auszubildende finden, da hat Geisler so seine Zweifel. Allerdings könne man sehen, ob ein wenig handwerkliches Geschick vorhanden sei.
Für die Jungs jedenfalls hat sich der Tag gelohnt. Sie dürfen nicht nur das Kissen mit nach Hause nehmen, sondern auch die Rundnadel.
„Jungs, pflegt doch mal!“
„Nähen macht Spaß“ hatte der Zehlendorfer Raumausstatter sein Angebot für den Boys Day überschrieben – und fiel damit ein wenig aus dem Rahmen, denn es waren vor allen Kindertagesstätten, Kranken- und Pflegeeinrichtungen, die am Mittwoch Jungs einen Einblick in ihre Berufe gewährten. So wie das Krankenhaus Waldfriede, das in diesem Jahr den gesamten Boys Day genderte, erzählt der Assistent der Pflegedienstleitung, Benjamin von Albert. Das heißt: Von der Planung bis zur Durchführung lag alles in Männerhand. Auszubildende des ersten und dritten Ausbildungsjahres, ein examinierter Krankenpfleger und von Albert aus dem Managementbereich übernahmen die Führung durch das Haus und die Betreuung der zwölf- bis 15-jährigen Jungs.
„Das Interesse war unglaublich groß“, so von Albert. Die Zahl von acht Plätzen habe man zwischendurch sogar noch einmal erhöht.
„Jungs, pflegt doch mal!“ heißt das Programm in diesem Jahr, mit dem das Krankenhaus den Jungs zeigen wollte, dass man in der Pflege viel machen könne, erklärt von Albert. Pflegetechniken wurden nicht nur gezeigt, sondern die Schüler durften aus selbst ran – mal als Pfleger, mal als Patient. Aber auch lebenspraktische Fragen rund um den Pflegeberuf wurden thematisiert. Wie man mit Schichtdienst lebt oder was Freunde dazu sagen, wenn man sich für einen Beruf in der Pflege entscheidet.
Patienten umbetten und füttern
Patienten umbetten, den Patientenlift bedienen oder jemanden füttern, der unter Schluckstörungen leidet, das waren einige der Dinge, die die Jungs ausprobieren durften. Und das kam bei Ihnen richtig gut an.
Den Verband wechseln und das Laken wechseln, während ein Patient im Bett liegt – das habe ihm am meisten Spaß gemacht, erzählt Gideon. Der 14-Jährige ist medizinisch nicht ganz unerfahren, ist Schulsanitäter, kennt also schon den einen oder anderen Handgriff. Trotzdem freut er sich über die vielen Tipps. Und vor allem darüber, mit den Geräten zu hantieren, wenn er dabei auch lieber die Patientenrolle einnimmt.
Auch Laurent interessiert sich für Medizin. Ihn begeistert der Tag im Waldfriede. „Es gibt viel zu sehen und viel auszuprobieren“, sagt der 14-Jährige. „Komisch“ sei es gewesen, sich von jemanden füttern lassen zu müssen. Er könne sich durchaus vorstellen, mal in den Pflegeberuf einzusteigen.
Moritz hingegen eher nicht, „nur vorübergehend“. Trotzdem findet der Zwölfjährige es „spannend zu sehen, wie es im Krankenhaus so läuft“, vor allem, weil es das Krankenhaus ist, in dem er geboren wurde.
(go)













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