
Foto: Andreas Praefcke, CC BY 3.0,
1955 beginnt eine Liebesbeziehung zwischen der jungen, eleganten und selbstbewussten Journalistin Gerda Pfau und dem Schriftsteller Gottfried Benn – das ist auch der Benn-Forschung bislang unbekannt.
Sie besucht ihn in der Praxis, er sie bei ihr Zuhause, auch gehen sie manchmal gemeinsam mit Benns Frau Ilse aus, die von der Affäre allerdings nichts weiß. Kurz vor seinem Tod endet die Beziehung, Ilse Benn und Gerda Pfau aber bleiben weiter hin freundschaftlich verbunden.
Benn schrieb Briefe und kurze Mitteilungen an Pfau – »Erlaube ich mir doch, hiermit an Sie zu denken« –, auch kümmerte sich der Mediziner sehr um die Gesundheit seiner Geliebten: »Decken Sie sich nachts gut zu …« Und er kokettierte mit seinem Alter: »Sie sind doch eine umschwärmte junge Frau, wie kann ich da annehmen, dass Sie mir einen Nachmittag opfern!« Gerda Pfau dagegen antwortete ihm nie schriftlich, sie benutzte aus Gründen der Diskretion das Telefon.
Kurz vor ihrem Tod übergab Gerda Pfau die Briefe, die Benn ihr schrieb, dem Kulturpolitiker und Anwalt Uwe Lehmann-Brauns, mit dem sie befreundet war, mit der ausdrücklichen Bitte, sie zu publizieren. Diesem Willen entspricht Lehmann-Brauns und veröffentlicht Benns Briefe hiermit erstmals. Darüber hinaus beleuchtet er die Liebesbeziehungen, die Benn in seinen letzten Lebensjahren pflegte, die Ehe mit Ilse und das Verhältnis zu seiner Tochter Nele und untersucht, wie sich die Affäre mit Gerda Pfau da hineinfügte.
Dr. Uwe Lehmann-Brauns, geboren 1938, in Berlin aufgewachsen, ist Rechtsanwalt und Kulturpolitiker. Von 1979 bis 2001 sowie von 2004 bis 2016 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, von 2006 bis 2011 als einer der beiden Vizepräsidenten. Veröffentlichungen u. a.: »Kreuzberg – zwischen den Unruhen« (1988), »Handbuch mittel-osteuropäischer Kulturmetropolen« (1993), »Die verschmähte Nation« (2005), »Wer ist Berlin?« (2015).
Freitag, 01. Oktober 2021, 19.30 Uhr
Moderation: Dr. Brigitte Hausmann, Leitung des Fachbereichs Kultur
Veranstaltungsort: Schwartzsche Villa, Großer Salon, Grunewaldstraße 55, 12165 Berlin
Veranstalter: Fachbereich Kultur Steglitz-Zehlendorf
Infos: 030 902992302
Eintritt frei, Reservierung unter: www.pretix.eu/Fachbereich-Kultur-Steglitz/Benn
www.kultur-steglitz-zehlendorf.de
(BA Steglitz-Zehlendorf)












Foto: Patrick Meyer[/caption]
Von Milwaukee über Asien nach Steglitz-Zehlendorf, vom US-Soldaten zur Berliner Radiolegende. Ende März ist Rik de Lisle gestorben, er wurde 79 Jahre alt.
Ein Beitrag von Patrick Meyer
„Hi! Icke bin’s, der Alte Ami, Rik de Lisle!“ Jahrzehnte lang begrüßte Rik so die Berlinerinnen und Berliner zu seinen Shows, auch als die Stadt noch geteilt war. Er war schon mit Mitte 30 der „Alte Ami“ - weil er einer der ältesten Kollegen in der Redaktion war und es einfach auch gut klang. Viele waren überrascht, dass hinter der markanten Stimme mit dem unverwechselbaren amerikanischen Akzent aus dem Radio ein weißer, bärtiger Mann stand.
Rik, der Junge aus Milwaukee war durch eine Verkettung überraschender Umstände in West-Berlin gelandet: inmitten des Kalten Krieges strandete er auf einer kleinen Insel, wo Punks und Bankangestellte zusammen ein Bier tranken und sich gegenseitig den Sinn des Lebens erklärten. West-Berlin war so ein absurdes, weltpolitisches Konzept, das dem AFN-Diskjockey, der aus dem Rettungssanitäter geworden war, gefiel und in der Stadt bleiben ließ. Für immer. Rik hatte Berlin verstanden.
Obwohl man hörte, dass er nicht in Lichterfelde oder Charlottenburg aufgewachsen war, bestand schnell kein Zweifel mehr daran, dass Rik ein Berliner Original war. Er liebte die Menschen, aber nicht unbedingt das Rampenlicht. Ein Typ, der sich interessierte, aber nicht wollte, dass man ihm die Zeit stiehlt. Ein Perfektionist seines Fachs, der Talente erkannte und förderte, Einsatz forderte und mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt, auch wenn das bedeuten konnte, jemanden zu verletzen.
Den Hörern war das Wurscht, weil sie spürten, dass er Radio liebte. Er brachte amerikanische Musik und das freiheitliche Lebensgefühl in den Alltag vieler Menschen, die oft mit dem Kassettenrecorder die neuesten Songs aufnehmen wollten, die Rik in seinen Shows spielte.
Als ich ihn irgendwann fragte, ob wir sein Leben nicht dokumentarisch festhalten sollten, fand er die Idee erst befremdlich und stimmte dann doch zu. So entstand 2017 der englischsprachige Film „