Bratwurstduft lag in der Luft über der Domäne Dahlem. Die 10. Bratwurstmeisterschaft wurde am Sonntag ausgetragen. Zu kosten gab es für die Besucher Würste in so ungewöhnliche „Geschmacksrichtungen“ wie Orange-Zimt, Kürbis-Mango und sogar Marzipan-Chili.
Wie kommt man auf solche Kreationen?
„Fleischer mögen grundsätzlich süße Sachen. Ein Stück, und ich bin happy“, sagte Olaf Nikolaus, Fleischermeister und Fachlehrer der Fleischerfachschule Berlin. Er hat mit seinen Meisterkurs in Zusammenarbeit mit Konditoren die Marzipan-Chili-Bratwurst erfunden. Fünf Versuche brauchte es dafür. Echtes Marzipan wurde verarbeitet, in der Wurst und in der dazugehörigen Soße, die mit Chili gewürzt wurde. Die Reaktionen auf diese ungewöhnliche Bratwurst hat Nikolaus genau beobachtet. „Zuerst denken die Leute: Das ist ja zu verrückt. Aber wenn sie probieren, merken sie, das passt zusammen.“
Die Marzipan-Bratwurst kämpfte in der Kategorie „Kreative Wurst“ um den Sieg. Doch die Konkurrenz war groß. Neun weitere Kandidaten waren angetreten. Etwa Fleischmeister Otmar Ullrich aus Tempelhof. Walnuss-Apfel – habe er sich gedacht – das könne gut passen. Er wollte seinen Kunden etwas Fruchtiges bieten. Neben dieser „kreativen“ Bratwurst hatte Ullrich aber auch einen Klassiker dabei, mit dem er schon seit neun Jahren im Wettbewerb antritt: Mit seiner Bärlauch-Bratwurst, die auch in seinem Laden ein sehr beliebt sei, trat er in der Kategorie Berliner Bratwurstmeister an.
Die Fleischerei Dankert hatte sich ähnliche Gedanken über den Geschmack gemacht. Mit der fruchtigen Kürbis-Mango-Bratwurst trat sie im kreativen Wettbewerb an, mit einer Chili-Bärlauch-Bratwurst kämpfte sie mit um den Titel Berliner Bratwurstmeister.
Über den Sieg entschied das Publikum. Ganze Familien schlenderten über das Domäne-Gelände, vorbei an den dampfenden Grills, in der Hand ihre Bewertungsbögen.
„Ungewöhnlich, das würde man nicht erwarten“, so das Urteil von Markus Berger zur Orange-Zimt-Bratwurst von Fleischer Jens-Uwe Bünger. Aber manchmal musste es gar nicht das ganz außergewöhnliche sein, das die Geschmacksnerven kitzelt. Denn Berger schmeckte die Bratwurst vom Maximilian-Grill ebenfalls sehr gut.
Etwas trocken fanden Jürgen und Christian Lang die Orange-Zimt-Bratwurst. Es fehle die passende Soße, monierten Vater und Sohn. Aber geschmacklich sei sie gut. Die Walnuss-Apfel sei saftiger gewesen. Zwischenfavorit war die Bärlauchbratwurst, doch da gab es noch einige für die beiden Männer zu testen.
Einen Bratwurst-Rekord schien Uli Nitschke aufstellen zu wollen. 20 Minuten da und schon vertilgte er die vierte Wurst. Er ist ein treuer Besucher der Meisterschaft. Im vergangenen Jahr testete er elf verschiedene Bratwürste. Und auch für diesen Tag hatte er sich viel vorgenommen. „Ich werde mich noch für eine Weile durchtesten“, sagte er. Ein ersten Zwischenurteil lautete: Orange-Ingwer am schlechtesten, Apfel-Walnuss am besten.
Damit die Besucher auch wirklich alle Wurstsorten testen konnten, ohne dabei arm zu werden, gab es Bewertungsrunden, die vom Fleischer-Innungs- Obermeister Klaus Gerlach eingeläutet wurden. Dreimal 30 Minuten verteilten die Fleischereien ihre Waren kostenlos. Doch auch außerhalb dieser Zeiten standen die Besucher in Schlangen vor den Ständen.
Neben den Besuchern gab es noch eine Fachjury, die die Produkte der Fleischer bewertete. Dabei zähle nicht nur der Geschmack, sondern auch die Technologie, erläuterte Gerlach. So gebe es im Wettbewerb eine Spinat-Käse-Bratwurst, in der echte, frische Spinatblätter verarbeitet wurden.
Eröffnet hatte die Meisterschaft Sabine Töpfer-Kataw, die neue Berliner Staatssekretärin für Verbraucherschutz. Auf der Grünen Woche habe man sich getroffen, so Obermeister Gerlach, der auf eine „konstruktive Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung“ setzt. Ebenfalls auf der Grünen Woche habe man die Metzgerei Weber aus Mittelfranken kennengelernt. Den habe man auch zum Wettbewerb eingeladen. Er trat mit einer Fränkischen Bratwurst um den Titel Brandenburger Bratwurstmeister an.
Neben der Domäne, auf dem Sportplatz der Freien Universität (FU), trugen zudem drei Fußball-Jugendmannschaften den Bratwurstcup gegeneinander aus. Zu gewinnen gab es Grillpakete.
(go
Hier sind die Sieger der Bratwurstmeisterschaft:
Bratwürste in allen möglichen und unmöglichen Geschmacksrichtungen: Hier sind die Sieger der 10. Bratwurstmeisterschaft in der Domäne Dahlem:
Kategorie „Beste Berliner Bratwurst“ :
1. Platz:
Merguez-Bratwurst – Fleischerei Genz OHG
2. Platz (punktgleich):
Fränkische Bratwurst – Fleischerei Jens-Uwe Bünger,
Bärlauchbratwurst – Fleischerei Otmar Ullrich
3. Platz:
Spinat-Käse-Bratwurst – Fleischerei Jörg Oppen
Kategorie „Beste Brandenburger Bratwurst“:
1. Platz:
Apels Landbratwurst – Landfleischerei Apel Hohenseefeld
2. Platz:
Brandenburger Rostbratwurst (grob-fein) – Fleischerei Bothe Geltow
Kategorie „Beste Kreative Bratwurst“:
1. Platz:
Apfel-Koriander Bratwurst – Fleischerei Genz OHG
2. Platz:
Marzipan-Chili-Bratwurst – 1. Berliner Fleischerfachschule
3. Platz:
Die Nussige (Walnuss – Apfel) – Fleischerei Otmar Ullrich













Foto: Patrick Meyer[/caption]
Von Milwaukee über Asien nach Steglitz-Zehlendorf, vom US-Soldaten zur Berliner Radiolegende. Ende März ist Rik de Lisle gestorben, er wurde 79 Jahre alt.
Ein Beitrag von Patrick Meyer
„Hi! Icke bin’s, der Alte Ami, Rik de Lisle!“ Jahrzehnte lang begrüßte Rik so die Berlinerinnen und Berliner zu seinen Shows, auch als die Stadt noch geteilt war. Er war schon mit Mitte 30 der „Alte Ami“ - weil er einer der ältesten Kollegen in der Redaktion war und es einfach auch gut klang. Viele waren überrascht, dass hinter der markanten Stimme mit dem unverwechselbaren amerikanischen Akzent aus dem Radio ein weißer, bärtiger Mann stand.
Rik, der Junge aus Milwaukee war durch eine Verkettung überraschender Umstände in West-Berlin gelandet: inmitten des Kalten Krieges strandete er auf einer kleinen Insel, wo Punks und Bankangestellte zusammen ein Bier tranken und sich gegenseitig den Sinn des Lebens erklärten. West-Berlin war so ein absurdes, weltpolitisches Konzept, das dem AFN-Diskjockey, der aus dem Rettungssanitäter geworden war, gefiel und in der Stadt bleiben ließ. Für immer. Rik hatte Berlin verstanden.
Obwohl man hörte, dass er nicht in Lichterfelde oder Charlottenburg aufgewachsen war, bestand schnell kein Zweifel mehr daran, dass Rik ein Berliner Original war. Er liebte die Menschen, aber nicht unbedingt das Rampenlicht. Ein Typ, der sich interessierte, aber nicht wollte, dass man ihm die Zeit stiehlt. Ein Perfektionist seines Fachs, der Talente erkannte und förderte, Einsatz forderte und mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt, auch wenn das bedeuten konnte, jemanden zu verletzen.
Den Hörern war das Wurscht, weil sie spürten, dass er Radio liebte. Er brachte amerikanische Musik und das freiheitliche Lebensgefühl in den Alltag vieler Menschen, die oft mit dem Kassettenrecorder die neuesten Songs aufnehmen wollten, die Rik in seinen Shows spielte.
Als ich ihn irgendwann fragte, ob wir sein Leben nicht dokumentarisch festhalten sollten, fand er die Idee erst befremdlich und stimmte dann doch zu. So entstand 2017 der englischsprachige Film „
Wer hat denn nun eigentlich gewonnen?
Zum Warten auf die Auswertung war der Durst nach den ganzen Bratwürsten leider zu groß, aber der Geldbeutel schon leer…
Hallo Niconova,
die Sieger liefern wir doch gerne nach. Du findest sie in der Seitenleiste. Vielleicht ist ja Dein Favorit dabei.
Die Gewinner sind hier aufgelistet:
http://www.fleischer-innung-berlin.de/